Die vier Macher von Nu3: Martin Holber, Kassian Ortner, Robert Sünderhauf und Andreas Assum (von links). Das Unternehmen aus Berlin belegt im Gründerszene-Ranking der am schnellsten wachsenden Unternehmen Platz 10.

Die Wurzeln von Nu3 liegen in einer heruntergekommenen Erdgeschosswohnung in Berlin-Charlottenburg. Drei Zimmer, Küche, Bad. Darin: Robert Sünderhauf, Felix Kaiser und Kassian Ortner. Unter ihrer Anleitung verwandelte sich die Wohnung in einen Umschlagplatz für Tabletten, Kapseln und Granulat. Das mag dubios klingen, hat aber einen völlig sauberen Hintergrund: Gemeinsam brachten die drei einen Onlineshop für Nahrungsergänzungsmittel namens Nu3 an den Start.

Vorher sei es schwer gewesen, im Internet verlässliche Informationen zu gesunder Ernährung zu bekommen und einen Anbieter zu finden, der gleichzeitig auch die richtigen Produkte verschickte, sagen sie. Daraus sei letztlich die Idee zu Nu3 entstanden, ihre Seite sollte die Rolle eines Ernährungsberaters einnehmen.

Im November 2011 legten die Gründer mit dem Geschäft los. Von da an saßen Sünderhauf, Kaiser und Ortner in ihrer Erdgeschosswohnung im Hinterhof, schnürten Pakete mit Algenpulver und Vitaminpräparaten und brachten sie eigenhändig zur Post. Neun Monate verbrachten sie hier. Bis sie ihr Konzept im darauffolgenden Frühjahr für so funktionstüchtig hielten, dass sie sich auf die Suche nach Investoren begaben.

Es dauerte nicht lange, bis ein paar Geldgeber auf das Gesundheitskonzept ansprangen. Im März 2012 stieg der Company-Builder Project A bei Nu3 ein. Die Beteiligungsgesellschaft von Carsten Maschmeyer, Alstin, kam später hinzu, Spotify- und Skype-Finanzier Klaus Hommels beteiligte sich über seinen Investmentarm Lakestar. Im Kreis der Investoren befinden sich außerdem Black River Ventures und Jahr Assetmanagement. Allein hätte man nie so schnell wachsen können, heißt es von Nu3.

Dem Charlottenburger Hinterhof kehrten Sünderhauf, Kaiser und Ortner schnell den Rücken. Aus der schäbigen Dreizimmerwohnung ist in-
zwischen ein Büro in Berlin-Mitte geworden, dessen Wände Strukturformeln und Regale voller Proteinpulverpackungen zieren. Die chemischen Verbindungen an der Wand sollen wohl darauf hindeuten, dass es hier auch wissenschaftlich zugeht: Unter den 250 Mitarbeitern befänden sich Ökotrophologen, Sportwissenschaftler und Mediziner, die Artikel entwickeln und prüfen.

Anzeige
Die Wandmalerei soll den Laborcharakter verdeutlichen. Dazu passt, dass Nu3 mit seiner Tochterfirma Beavita Pharma auch in Apotheken vertreten ist. Unter dem Markennamen Beavita vertreibt das Unternehmen vor allem Produkte, die beim Abnehmen helfen sollen: Fettblocker, Sättigungskapseln und „Vitalkost“.

Vor einigen Monaten wechselte Andreas Assum von ImmobilienScout24 in die Nu3-Geschäftsführung, hier verantwortet er die Bereiche Marketing und Vertrieb. Im Interview spricht er über Sinn und Unsinn „intelligenter“ Lebensmittel, die Bedeutung von Eigenmarken und die Vorteile des brasilianischen Marktes.

Andreas, hast du heute früh schon ein paar Chia-Samen übers Müsli gestreut?

Nein, ich habe heute Morgen eine Tasse Matcha statt Kaffee getrunken. Gesundheit ist für mich ein sehr wichtiges Gut. Das hat einen Grund: Vor ein paar Jahren ist meine Frau von Arzt zu Arzt gelaufen, sie fühlte sich nicht gut, hatte Ausschläge. Niemand wusste, was ihre fehlte, bis man bei ihr eine Laktoseintoleranz diagnostizierte. Da habe ich erkannt, dass es extrem wichtig ist, auf seine Ernährung zu achten und so zu essen, dass man sich wohlfühlt.

War das mit ein Grund für dich, in die Geschäftsführung eines selbsterklärten Nährstoffexperten zu wechseln?

Bei ImmobilienScout24 habe ich im Marketing gearbeitet, da ist man mit über 90 Prozent Marktbekanntheit an eine obere Grenze gestoßen. Zudem sind Immobilien ein lokales Thema, und ich wollte etwas Internationales aufziehen. An Nu3 gefällt mir, dass es deutsche Qualität und E-Commerce vereint. Ich mag das junge, internationale und dynamische Team. Außerdem glaube ich, dass wir mit Nu3 die Welt ein bisschen besser machen können. Das klingt vielleicht etwas pathetisch, aber intelligente Ernährung ist nun mal ein wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden.

Wie „intelligent“ sind die Produkte auf eurer Seite wirklich?

Immerhin ist die Notwendigkeit von Superfood in der Wissenschaft umstritten: Teure Açai-Beeren hätten dieselbe Wirkung wie heimische Heidelbeeren, den Eiweißshake könnte man genauso gut durch Magerquark ersetzen, Vitaminpräparate durch Obst und Gemüse. Tatsächlich lassen sich einige Produkte und ihre Wertversprechen mit einfachen lokalen Produkten nachbauen. Das ist zeitintensiv und am Ende oft teurer. Und bei vielen Ernährungszielen ist es auch schlicht nicht möglich. Zum Beispiel wird es einem Veganer sehr schwerfallen, sich mit herkömmlicher Ernährung mit ausreichend Vitamin B12 zu versorgen. Wir bieten für fast jedes Ziel eine einfache und gesunde Lösung. Wir suchen unsere Lieferanten sorgfältig aus und verzichten auf überflüssige künstliche Zusätze. Da kann es auch schon mal über eineinhalb Jahre dauern, bis wir ein Produkt gut genug finden, um es unserem Kunden anzubieten. Im Grunde ist es ganz einfach: Wir wollen den Menschen ein gesünderes und selbstbestimmteres Leben ermöglichen. Darum geht es.

Unter dem Namen Nu3 vertreibt ihr Kokosöl, Reisproteinpulver und Co. vergleichsweise erschwinglich; quasi als Basis-Produkte. Wie wichtig ist eure
Eigenmarke für das Geschäft?

Sie ist extrem wichtig für uns. Wir legen bei den Produkten, die von unseren Ernährungswissenschaftlern konzipiert werden, großen Wert auf Qualität, Reinheit und Wirkung. Wir suchen unsere Lieferanten sorgfältig aus und verzichten auf überflüssige künstliche Zusätze. Bis wir unser Markenlogo auf ein Produkt kleben, vergeht oft eine ganze Weile. Das Eigenmarkensortiment wollen wir auch konsequent weiter ausbauen.

Ihr habt Mitbewerber: Vitafy aus München hat gerade erst ein Millionen-Investment von ProSiebenSat.1 eingefahren. Das US-Health-Startup Aloha kündigte vor einiger Zeit an, eine globale Marke aufbauen zu wollen. Was könnt ihr, was sie nicht können?

Einer unserer USPs ist sicherlich unser breites Produktspektrum, das größer ist als das anderer Anbieter. Außerdem entwickeln und vertreiben wir viele Artikel in Eigenregie. Grundsätzlich ist Ernährung natürlich ein riesiger Bereich. Ich glaube schon, dass da mehrere Player parallel am Markt aktiv sein können. Unser Anspruch ist aber ganz klar, die Nummer eins in all unseren Märkten zu sein.

Wie wollt ihr das erreichen?

Wir wachsen sehr stark und werden bereits in diesem Jahr über 40 Millionen Euro Umsatz erzielen. Es ist für uns ein enormer Ansporn, wenn wir sehen, dass unser Konzept ankommt. Das ist zum Beispiel bei unseren Wiederkaufsraten der Fall. Zu den Investments: Wir sprechen lieber über unsere Produkte als über Finanzierungen.

Aber die letzte Runde ist gerade erst ein paar Wochen her.

Wir wollen stark wachsen, und wir können starke Zahlen vorlegen, das überzeugt Investoren.

Anzeige
Ihr seid in Österreich und der Schweiz, Skandinavien und Frankreich mit weiteren eigenen Shops vertreten. Seit Ende 2012 steht auch Brasilien auf eurer Liste. Wieso?

Brasilien ist eine der körperbewusstesten Nationen der Welt. Dort spielt Ernährung eine ganz wesentliche Rolle. Ebenso wichtig sind natürliche Rohstoffe und Extrakte. Dazu kommt, dass in der Amazonas-Gegend viele Lebensmittel wachsen, die wir auf unserer Seite anbieten. Und, klar: Brasilien hat eine große Bevölkerung. Der Markt dort ist riesig und wächst. Gerade auch im Ernährungsbereich.

In den sozialen Medien sehen wir inzwischen ja tagtäglich die Bilder veganer Nahrung und perfekt trainierter Körper. Die Anzahl der Mitglieder in Fit-
nessstudios ist in den vergan-enen Jahren in Deutschland kontinuierlich gestiegen. Was meinst du, woher kommt dieser Fitness-Hype und Trend zur Selbstoptimierung eigentlich?

Wir erleben einen Megatrend. Und der geht auf zwei sehr grundlegende menschliche Bedürfnisse zurück: den Wunsch nach Attraktivität und einem langen Leben bei guter Gesundheit. Die Menschheit wächst immer weiter, und das moderne Leben wird zunehmend anspruchsvoller. Da ist es nur natürlich, dass man seinen individuellen Weg finden möchte. Gute Ernährung ist ein wesentlicher Faktor, um sich vital, gesund und fit zu fühlen. Dabei wollen wir unseren Kunden helfen.

Bild: Michael Berger, Gründerszene