Benedikt Illner, Stephan Czysch, Luis Hanemann und Dominik Wojzik (von links) sind die Macher von Trust Agents

Was haben Dominik Wojcik, Stephan Czysch, Bene­dikt Illner und Luis Hanemann gemeinsam? Sie alle sind ehemalige Mitarbeiter des Online-­Giganten Rocket Inter­net. Und sie betreiben heute eine der führenden SEO­-Agen­turen Deutschlands, mit der sie die Parfümerie­-Kette Douglas, den Onlinehändler Zalando oder die Verkaufs­plattform Ebay auf Such­maschinen sichtbarer machen.

Das Quartett vereint ge­balltes Onlinemarketing­-Wissen. Wojcik arbeitete bei der Samwer­-Firmenschmiede als Senior Consultant und betreute unter anderem die Onlinemarketing­-Kanäle von Groupon und Edarling. Czysch stieß 2009 zu Rocket, kümmerte sich dort unter anderem um die Marketing­-Kampagnen von Zalando und beriet Beteiligungen des European Founders Fund bei der Suchmaschinenoptimie­rung. Anfang 2011 wechselte er in die Position des Head of SEO beim Airbnb­-Klon Wimdu.

Illner unterstütze Rockets SEO-­Abteilung von 2010 bis Anfang 2012 als Soft­wareentwickler. Und Hane­mann leitete die Geschicke der Firmenschmiede jahrelang als Chief Marketing Officer.

Nach ihrer Zeit bei Rocket Internet schlossen sich die vier zusammen und gründeten 2012 die TA Trust Agents Internet GmbH. Mittlerweile ist das Berliner Unternehmen in neun Ländern aktiv und beschäftigt rund 55 Mit­arbeiter. Das SEO-­Startup bedient nach eigenen Anga­ben über 150 mittelständi­sche und Konzernkunden.

Trust Agents analysiert dafür unter anderem deren Onlineshops. Die gängi­gen Shopsysteme seien für Suchmaschinen strukturell meistens nur sehr schwer zu analysieren. Daneben bieten die Berliner ihren Kunden aber auch Hilfe bei der Werbung auf Suchma­schinen, beim Content und Affiliate Marketing, aber auch bei Werbung auf sozi­alen Kanälen wie Facebook, Instragram und Twitter.

Platz Nummer 36: TA Trust Agents Internet GmbH

Wachstumsrate : 154 Prozent
Gründungsjahr: 2012
Firmensitz: Berlin
Branche: Advertising & Marketing
Website: www.trustagents.de

Autohaus-Marketing auf Datenbasis

Philipp Posselt hat zu markengebundenen Autohäusern in Deutschland Zahlen pa­rat: Rund 90 Prozent der Kunden würden
dort ein Jahr nach dem Autokauf noch den Werkstattservice nutzen, nach acht Jahren wären es gerade noch knappe 40 Prozent. Um diese Abwanderung zu vermeiden, haben Posselt und seine beiden Mitgründer Ben Phelan und Philip Junge eine Soft­ware entwickelt: Veact soll Kunden an die Vertragsbetriebe binden – mit datenbasier­tem Marketing. Dazu werden verfügbare Daten aus Kaufverträgen, Rechnungen, Zufriedenheitsumfragen und Kampagnen­rückmeldungen in ein Data Warehouse gepackt.

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Die Marketing­-Suite erstellt auf Basis dieser Informationen Kundenprofile. Die sogenannte Predictive Customer In­telligence arbeitet die Daten anschließend so auf, dass das Autohaus gezielt Ange­bote erstellen kann. Beispielsweise weiß die Software, wann bei einem Kunden der Reifenwechsel fällig ist. Der könnte da­raufhin mit einem Gutschein dazu animiert werden, den Wechsel beim entsprechen­den Händler durchführen zu lassen.

Geschäftsführer Philipp Posselt war vor der Veact-­Gründung Unternehmensberater und schulte Autohäuser im Auftrag großer Hersteller in den Bereichen Marketing und Vertrieb. 2012, zwei Jahre nach dem Start von Veact, sammelte das Unternehmen Angel-­Kapital im sechsstelligen Bereich ein, Anfang 2015 gab es noch einmal1,4 Millionen Euro. Gemeinsam mit dem französischen Investor Seventure Part­ners pumpten die Altinvestoren Senovo, die KfW und der UnternehmerTUM­Fonds zuletzt weitere 2,7 Millionen Euro in Veact.

Platz Nummer 37: VEACT GmbH

Wachstumsrate : 152 Prozent
Gründungsjahr: 2010
Firmensitz: München
Branche: Advertising & Marketing
Website: www.veact.net

Christian Häfner (links) und René Maudrich helfen mit FastBill kleinen Firmen, den Überblick zu behalten

Endlich Ordnung beim Papierkram

Als einer der bekannteren Anbieter für Onlineabrech­nungen hilft FastBill kleinen Unternehmen, Startups und Selbstständigen bei der Rechnungsverwaltung. Die Nutzer können mithilfe der Lösung Rechnungen erstellen, aktuelle Fälligkeiten im Auge behalten und die Dokumente an Buch­halter oder Steuerberater wei­terleiten. Belege lassen sich per Smartphone­-Scan erfassen.

Für alle, die monatlich nicht mehr als drei Rechnungen er­stellen, ist das Tool kostenlos. Was darüber hinausgeht, fängt ein Tarif auf. Der Hauptun­terschied zu vergleichbaren Anbietern wie Easybill oder Billomat: Bei FastBill umfasst bereits die günstigste Preis­kategorie eine unbegrenzte Kundenzahl. Preislich unter­scheiden sich die Konkurrenten dagegen kaum voneinander.

Hinter dem Startup stehen die Gründer René Maudrich und Christian Häfner. Die beiden starteten FastBill im Jahr 2007, seit 2011 widmen sie sich ihrem Projekt in Vollzeit. Der im Han­delsregister eingetragene Esse­ner Standort wurde vor Kurzem aufgelöst, nun sind operative Leitung und Produktentwicklung in Offenbach angesiedelt. Im Hamburger Betahaus wird das Marketing verantwortet.

Ein weiterer Mitarbeiter sitzt seit über einem Jahr in São Paulo: Die Public Beta von FastBill soll demnächst auch in Brasilien starten. Warum gerade dort? „Die Online­-Affinität nimmt in Brasilien gerade stark zu, die Startupszene wächst. Außer­dem gibt es dort viele kleine Unternehmer, zu denen unsere Lösung passt“, so Maudrich. FastBill arbeitet seinen An­gaben zufolge profitabel und beschäftigt rund 30 Mitarbeiter.

Platz Nummer 38: FastBill GmbH

Wachstumsrate : 152 Prozent
Gründungsjahr: 2011
Firmensitz: Offenbach am Main
Branche: Fintech
Website: www.fastbill.com

Schmuckverkauf nach dem Tupperdosen-Prinzip

Seine Konkurrenz aus den Social­-Shop­ping-­Communitys setzte der Schmuck­-Vertreiber Pippa & Jean pragmatisch außer Gefecht: Erst kaufte das Startup Mitte 2012 eine Community für Babybedarf, dann über­nahm es das Deutschlandgeschäft von Juvalia & You. Dem Wettbewerber Adas Avenue war bereits wenige Monate nach dem Start die Puste ausgegangen.

Das Geschäftsmodell dieser Anbieter, das auch Pippa & Jean ver­folgt: Freie Beraterinnen führen Schmuck und Accessoires in heimischen Wohnzimmern vor, parallel dazu unterhalten sie Onlineshops, in denen sie die Produkte präsentieren. Bei jedem Verkauf kassieren die Beraterinnen Provision. Also ähnlich wie bei Tupperware. Pippa & Jean kümmert sich um Einkauf, Lagerung, Abrechnung und Lieferung.

Vorbild für die Schmuck-­Partys ist auch das US-­Unternehmen Stella & Dot, das ebenfalls in Deutschland aktiv ist. Ursprüngliches Ziel von Pippa & Jean war es, 100.000 Frauen durch das Berater-­Modell den Weg in die Selbstständigkeit zu ebnen. Momentan sind
es nach eigenen Angaben aber erst 1500 – in Deutschland, Österreich und Spanien.

Das Startup, 2011 von Gerald Heydenreich gegrün­det und 2012 operativ gestartet, konkurriert auch mit reinen Schmuck-­Direktvertreibern wie der Wiener Juwelier-­Marke Pierre Lang. Kaum verwunderlich die Liste der Investoren: Unter anderem steckte der Wuppertaler Direktver­treiber und Vertreter­-Aussender Vorwerk Geld in Pippa & Jean, und das schon kurz nach dem Launch der Plattform. Im März dieses Jahres investierten ProSiebenSat.1 und der Klingel-­Versand, auch Holtzbrinck ist beteiligt.

Platz Nummer 39: PippaJeaH GmbH

Wachstumsrate : 146 Prozent
Gründungsjahr: 2011
Firmensitz: Frankfurt am Main
Branche: E-Commerce
Website: www.pippajean.com

Online-Marketing mit Kicker-Skills

Das hier ist kein typisches Startup­-Büro. Der Sitz von Xpose360 im schwäbischen Augsburg ist mehr eine klassische Villa und weniger ein Backstein-­Loft. „Eine super Kombination aus alten Ge­mäuern und modernster Tech­nologie“, sagt Geschäftsführer Alexander Geißenberger stolz. „Und es gibt einen Park für mittägliche Grillfeste, Weih­nachtsfeiern, Szene­-Veran­staltungen. Aber vor allem für kreative Freiheit.“

Nachdem sich die Onlinemarketing­-Agentur zunächst auf mittelständische und inhabergeführte Unterneh­men fokussierte, betreue das gut 30­köpfige Team heute sowohl Mittelständler als auch Konzerne in 13 Ländern.

Gegründet hat Geißenberger sein Unternehmen im April 2009 zunächst als Xpose414 UG. „Vier Mitarbeiter in einem Raum mit vier Quadratmetern Schreib­tischfläche“, erklärt Geißenber­ger den Firmennamen. „Ich habe damals an einem an die Wand geschraubten Brett gearbeitet.“

Es folgte ordentliches Wachs­tum, bis die beiden nächsten Meilensteine erreicht waren: Im Dezember 2013 zog das Unter­nehmen ins heutige Büro um. Wenig später, im Februar 2014, stieg Markus Kellermann als Gesellschafter und zweiter Ge­schäftsführer ein. Und aus der bisherigen Unternehmergesell­schaft wird die Xpose360 GmbH.

Was Unternehmenszahlen angeht, setzt Xpose360 auf Transparenz, wenn auch auf eine ganz eigene Weise. Beispie­le gefällig? 30.177 getrunkene Tassen Kaffee, heißt es auf der Webseite. Weiter: 224 besuchte Events, 673 bestellte Pizzen. Auch auf die außerkurrikularen Skills, die das eigene Team im Wettbewerb mit anderen Star­tups errungen hat, ist man bei Xpose360 stolz und dokumen­tiert sie. Während beim Fußball mit 43 Prozent Gewinnquote noch deutliches Potenzial nach oben besteht, sieht es beim Pokern mit 72 Prozent schon besser aus. Und dann wird es trotz Villa doch wieder star­tup­typisch. Eigene Einschät­zung beim Kickern? Stolze 92 Prozent. Da sollte sich doch ein Herausforderer finden lassen.

Platz Nummer 40: xpose360 GmbH

Wachstumsrate : 142 Prozent
Gründungsjahr: 2009
Firmensitz: Augsburg
Branche: Advertising & Marketing
Website: www.xpose360.de

Übersicht: Die Top Ten des Gründerszene-Rankings

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1. Platz: Das Berliner Startup KW-Commerce verkauft Elektronikzubehör. Die Studienfreunde Jens Wasel (links) und Max Kronberg haben das Unternehmen 2012 gegründet. Wachstumsrate: 2.307 Prozent.