Lukas große Klönne

Prof. Dr. Klaus Nathusius lehrt an den Universitäten Göttingen und Kassel im Fachbereich „Entrepreneurship und Entrepreneur Finance“. Zudem ist er Gründer der GENES GmbH Venture Services in Köln. GENES ist unter seiner Leitung im Venture Capital Fonds Geschäft für Frühphasenfinanzierung tätig. Im Interview erklärt er, was Gründer zwingend beachten sollten, berichtet von den Besonderheiten des deutschen Marktes und sagt, warum er seinen Studenten empfiehlt, ihre berufliche Karriere nicht in den großen Konzernen, sondern im Mittelstand zu starten.

 

 

 

 

 

 

Herr Nathusius, in ihrer Funktion als Geschäftsführer der GENES GmbH Venture Services stehen Sie viel mit Gründern in Kontakt. Wie ist die Stimmung unter den Gründern angesichts der bisherigen und der noch möglichen Auswirkungen der Finanzkrise?
Ich stehe in erster Line mit Gründern aus Hochschulen und aus dem Technologie-Bereich in Kontakt. Dort habe ich grundsätzlich keine negativen Wirkungen ausmachen können und ich bekomme auch keine Rückmeldungen, die in diese Richtung gehen. In diesen negativen Tenor kann ich also nicht einstimmen und bestätigen, dass es Gründern momentan besonders schlecht gehen würde. Die Probleme von Gründern liegen ohnehin woanders.

Wo liegen diese Probleme?
Die Probleme, mit denen Gründer zu kämpfen haben, sind vielfältiger Natur. Natürlich ist die Finanzierung wichtig – meist braucht man doch mehr Geld als man zu Beginn veranschlagt hat. Oder man glaubt ein ganz tolles Produkt zu haben, dann stellt man aber fest, dass es noch gar nicht marktreif ist. Oder man hat eine Zielgruppe ausgemacht, aber die interessiert sich schließlich doch nicht für das Produkt.

Was raten sie Ihren Studenten, die mit dem Gedanken spielen sich selbständig zu machen.
Grundsätzlich gilt: Nicht gründen, ohne sehr genaue Kenntnisse des Marktes. Wir sind eines der wenigen Länder, das sehr traditionelle und risikoscheue Kunden hat. Ich sehe häufig interessante Gründungskonzepte, doch dann denke ich, „Das sollte man eigentlich in den USA und nicht in Deutschland machen“. Es gilt also, den Markt realistisch einzuschätzen. Im Zweifelsfall besser nicht die Super-Neuigkeit anbieten, die den Kunden überfordern würde, sondern ihm ein Produkt nahelegen, das er auch annimmt. Außerdem sollten Gründer immer einen ausgearbeiteten Businessplan haben. Und als drittes sollten Gründer über ein großes persönliches Netzwerk verfügen, denn die Kontakte können überaus wertvolle Türöffner sein.

Das reicht aber noch nicht.
Nein, es gehört natürlich noch mehr dazu. Zunächst muss man ein überzeugendes Geschäftsmodell definieren. Darüberhinaus muss sich ein Gründer die Frage stellen, „Kann ich mit dem, was ich da mache, letztendlich überzeugend Gewinn erzielen?“ Also bitte nicht das 40. Internet-Flirtportal eröffnen! Wo soll man denn damit noch Geld verdienen?

Wie stehen Sie dazu, erfolgreiche Geschäftsmodelle aus den USA auf den deutschen Markt übertragen zu wollen?
Ich persönlich finde das dürftig. Es gibt sicherlich einige sehr erfolgreiche Beispiele wie zum Beispiel „Spreadshirt“ oder die Samwer – Brüder. Mir persönlich wäre das aber zu langweilig. Wir Deutschen sind sicher nicht unkreativer als die Menschen in anderen Ländern. Gründen ist so etwas Tolles und macht soviel Spaß, dass ich mich davon fernhalten würde, einfach etwas nachzumachen.

Wie sollte ein Gründerteam zusammengesetzt sein?
Es braucht Leute mit ganz unterschiedlichen Erfahrungshintergründen. Das wird extrem unterbewertet. Gründerteams sind viel zu häufig unglaublich stümperhaft zusammengestellt. Oftmals besteht das Gründerteam aus Leuten, von denen man annehmen könnte, es wären Klone. Keine Spur von Heterogenität.

Wie und wo kommen Gründer an Mitstreiter und weitere Mitarbeiter?
Normalerweise sucht man erst einmal in seinem persönlichen Umfeld. Das hat den riesigen Vorteil, dass es dann schon eine Vertrauensbasis gibt. Daneben gibt es verschiedene Dienste und Jobbörsen im Internet, ich denke dabei z.B. an Experteer oder auch Xing. Als dritte Möglichkeit bietet es sich an, Messen, Branchenevents, Seminarveranstaltungen zu besuchen. Dort trifft man mitunter Menschen, die in die gleiche Richtung wollen und ihren Fokus auf das gleiche Marktsegment gerichtet haben.
Im Übrigen gründen wir gerade ein Unternehmen zur Team-Diagnose und zum Team-Matching.

Ist die Arbeit in einem Start-Up, ob als Gründer oder „normaler“ Mitarbeiter, auch eine Art Typenfrage?
Da ist sicher etwas dran. Man sagt ja so schön, wer drei Jahre in einem Konzern gearbeitet hat, der ist fürs echte Leben versaut. Ich empfehle Uni-Absolventen, bei ihrem Berufseinstieg nicht zu einem Konzern zu gehen, sondern zu kleineren Unternehmen. Dort können sie das Unternehmen noch als Ganzes überblicken, stehen in persönlichem Kontakt zur Geschäftsführung, können beobachten, wie eine Firma wächst und wie das Unternehmen in andere Entwicklungsphasen eintritt. Das alles ist spannend und sehr lehrreich, in großen Konzernen aber so gut wie unmöglich.

Viele Absolventen glauben, dass die Arbeitsplätze in großen Konzernen sicherer sind.
Das ist ein Mythos. Heutzutage ist keiner mehr sicher, auch die Großen entlassen die Leute reihenweise. Der Mittelstand hat in diesen Tagen in Hinblick auf das Recruiting von jungen Absolventen sicher gute Chancen, und das ist auch meine Empfehlung an die Berufseinsteiger.

Viele Absolventen wollen unbedingt einen großen Namen in ihrer beruflichen Vita haben und versprechen sich dadurch dauerhaft bessere berufliche Perspektiven.
Das kann durchaus funktionieren, aber für mich wäre das nichts. Wenn man sich die Vorstände der DAX-Konzerne anschaut, stellt man fest, dass sie primär in der Mischpoke der Konzerne groß geworden und weitergereicht worden sind. Da sind kaum Gründer dabei oder Leute, die aus dem Mittelstand kommen. Man kann also auch auf diesem Weg sehr erfolgreich sein, aus meiner Sicht ist diese Art des beruflichen Werdegangs jedoch nur die zweite oder dritte Wahl. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

 

Über den Autor

 

Lukas große Klönne

Die Fragen stellte Lukas große Klönne. Er betreut den Karriereblog der Jobbörse ABSOLVENTA und ist für Usercare und Unternehmenskommunikation verantwortlich. Dadurch hat er täglich mit den Wünschen der Berufseinsteiger zu tun, kennt aber auch die Bedingungen des Arbeitsmarktes.

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