HR, Mitarbeiterrekrutierung, Mitarbeitersuche, Einstellung, Personalsuche, Sinn, Unternehmensphilosophie, Anziehungskraft

Warum brauche ich als Unternehmer Sinn in meinem Unternehmen? Weil dies nicht nur bei der Mitarbeitersuche vieles einfacher macht. Mit der Definition eines Sinns, zum Beispiel in Form einer Unternehmensvision, male ich als Unternehmer ein großes Bild für meine Kunden, Mitarbeiter und die Außenwelt – und Bilder sagen sehr viel mehr als Worte. Mit diesem Bild schaffe ich Gemeinsamkeit, eine Richtung – und ich schaffe Begeisterung.

Sinn schafft einen anderen Blickwinkel

Es gibt das bekannte Beispiel vom Wanderer, der an einem griesgrämigen Steinmetz vorbeikommt, der Steine klopft. Auf die neugierige Frage des Wanderers, was er denn da mache, antwortet der Steinmetz mürrisch: „Ich behaue Steine.“ Einige Schritte weiter trifft der Wanderer einen zweiten Steinmetz, der sehr viel glücklicher aussieht. Auch diesen fragt der Wanderer nach seiner Tätigkeit, und der Mann antwortet freudestrahlend: „Ich baue eine Kathedrale.“

Unternehmer sollten dies auf ihre Kunden übertragen. Wie wirkt: „Wir behauen Steine“ im Gegensatz zu „Wir bauen Kathedralen“ oder gar zu „Wir schaffen Räume für die Gemeinschaft“? Wie wirkt das auf die Mitarbeiter? Wie auf die Geldgeber? Wie auf potenzielle Mitarbeiter?

Sinn schafft somit einen anderen Blickwinkel auf dieselbe Tätigkeit. Einen anziehenderen Blickwinkel! Man braucht nicht unbedingt einen definierten Sinn in seinem Unternehmen. Aber je stärker man auf begeisterte Mitarbeiter, Kunden und Geldgeber angewiesen ist, desto größer wird die Wirkung.

Was ist Sinn überhaupt?

Sinn steht nicht von vornherein fest, sondern wird vom Menschen geschaffen. Ob ich ein sinnvolles Unternehmen (und ein sinnvolles Leben) führe und dies auch als sinnvoll empfinde, liegt also alleine an mir als Unternehmer selbst.

Grundsätzlich bezieht sich Sinn immer auf einen Nutzen für andere. Kaum einer hat sich mit der Frage des Sinns so tief beschäftigt wie Viktor Frankl. Er sagt: „Es kommt bei der Frage nach dem Sinn nie und nimmer darauf an, was wir von der Welt erwarten, sondern allein darauf, was die Welt von uns erwartet.“

Nun ist es so: Wir konstruieren unser Weltbild selbst. Folglich ist auch das, was wir subjektiv als Erwartung der Außenwelt an uns wahrnehmen, unterschiedlich. Damit kann es keinen einheitlichen Sinn geben. Der Sinn, den wir wahrnehmen, bezieht sich somit immer auf unser eigenes Weltbild: auf unser Bild von einer zukünftigen, wünschenswerten Welt und von unseren Möglichkeiten, genau diese Welt zu verwirklichen.

Hier findet sich eine klare Querverbindung zu dem Konzept, das ich in meinem Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ beschreibe: Demnach ist es die einzige Aufgabe des Unternehmers, ein nützliches Unternehmen für seinen Nachfolger zu schaffen. Eine wesentliche Komponente des Nutzens für den Nachfolger ist, dass das Unternehmen einen solchen Sinn hat.

Nun sprach ich bislang von der „Welt“. Natürlich kann man sein Universum beliebig klein oder groß definieren. Wenn man in einem 300-Seelen-Dorf wohnt und dort einen Tante-Emma-Laden betreibt, der Raum für Kommunikation schafft, dann kann dies durchaus als genauso sinnvoll empfunden werden wie das Bemühen eines AIDS-Forschers, die Menschheit vor dem HIV-Virus zu retten.

Allerdings, das darf nicht verschwiegen werden: Einen Haken hat das Konzept. Ein Beispiel: 1987 war ich in Nicaragua, um dort zwei Monate unentgeltlich am Aufbau einer Nähereiwerkstatt für eine Frauenkooperative mitzuarbeiten. Das erschien mir vor meinem Weltbild als sinnvoll. Jahre später wurde die Werkstatt dann, wie ich hörte, als Lager für Contras und noch später als Videothek benutzt. Das erschien mir nun nicht mehr als sinnvoll.

Mit anderen Worten: Wenn man sein Produkt in die Welt entlassen hat, hat man meist keinen Einfluss mehr auf die Art der Nutzung. Das mag später enttäuschend sein. Im Moment der Entstehung gilt jedoch: Sinn und Sinngefühl ergeben sich aus der Absicht.

Was sind die Voraussetzungen für ein sinnvolles Unternehmen?

Grundsätzlich ergeben sich aus der Klärung, was Sinn eigentlich ist, zwei ganz wesentliche Voraussetzungen: Erstens liegt dem Sinngefühl das Konzept der Selbstverantwortung zugrunde. Wenn man nicht glaubt, etwas bewirken zu können, kann man in dem, was man tut, auch keinen Sinn empfinden.

Zweitens enthält ein Sinn-Konzept immer einen optimistischen Weg. Die Vorstellung des Sinns besagt ja, dass eine zukünftige wünschenswerte Welt verwirklicht werden soll. Wenn ich als Pessimist nicht daran glaube, kann ich meine Tätigkeit nicht als sinnvoll empfinden.

Beide Haltungen, sowohl Selbstverantwortung als auch Optimismus, sind für Unternehmen extrem förderliche Haltungen. Schafft man als Unternehmer Sinn für seine Mitarbeiter, kauft man die anderen beiden Haltungen automatisch mit ein.

In Teil 2 beschreibt Stefan Merath, wie Unternehmer ein sinnvolles Unternehmen schaffen und wie sich der Sinn auf die Anziehungskraft für exzellente Mitarbeiter auswirkt.

Bildmaterial: pixelio.de/Albrecht E. Arnold