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Geld, Anerkennung, Selbstentwicklung – Was wollen Mitarbeiter wirklich? Die Hierachie der Bedürfnisse gibt Einblicke in die Wünsche von Mitarbeitern. In seiner Leadership-Kolumne erklärt Guida Fiolka von einem Führungsaspekt, der nur wenigen Unternehmensgründern bekannt und präsent ist – es geht um die „sieben Ebenen der Führung“.

Die Hierarchie der Bedürfnisse ist essenziell für Startups

Es gibt verschiedene Ebenen von Bedürfnissen, die Menschen haben und die sie veranlassen, sich in Teams und Organisationen zu engagieren. Diese Bedürfnisse sind sehr archaisch, das heißt tief im Denken und Fühlen verwurzelt und gelten in allen Businesskulturen – vom Startup bis zum Konzern. Nur die Ausprägungen unterscheiden sich. Besonders in der Dynamik und Struktur eines Startups ist die Erfüllung der Bedürfnisse aller Beteiligten essenziell.

Die einzelnen Bedürfnisebenen bauen aufeinander auf, wie die einzelnen Layer eines komplexen Web-Systems, von der Hardware über das Betriebssystem und die Applikation bis zu den Funktionen für den Anwender. Gibt es irgendwo eine Störung oder fehlt etwas in einer Schicht, wirkt es sich auf alle anderen Schichten des Systems aus.

Von Existenzsicherung bis Selbstentwicklung – die ersten fünf Ebenen

Auf der fundamentalen, ersten Ebene richten sich die Bedürfnisse auf die Sicherung der Existenz. Die Position der Führung ist hier die des Arbeitgebers und umfasst hauptsächlich die Bereitstellung von Arbeitsmitteln, Sozialversicherungsbeitrag und Gehalt.

Ist das erfüllt, geht es Menschen auf Ebene zwei um Zugehörigkeit – Teil einer Gemeinschaft sein, sich damit identifizieren. Die Führungsrolle ist hier die des Ältesten, des Häuptlings, die über die Zugehörigkeit und den Platz in der Gemeinschaft entscheiden.

Auf der nächsten, dritten Bedürfnisebene finden Mitarbeiter die Erfüllung der Interessen und das Verlangen, mit Menschen zu kooperieren, die diese teilen. Menschen auf dieser Ebene möchten, nicht nur Arbeit, Gehalt und Zugehörigkeit, sondern eine Tätigkeit die Freude macht. Die Führungsrolle ist hier die des Teamleaders, des Kapitäns der anderen ihre Rolle zuweist und für Kooperation der Teammitglieder sorgt.

Die Erkenntnis, dass niemand auf Dauer in einem Team mitspielen will, das nicht erfolgreich ist, führt uns zur vierten Ebene, auf der es um Erfolg und Fortschritt geht. Erfolg heißt, gegenüber anderen gut da zustehen, zu gewinnen sich als Team weiterzuentwickeln. Dafür hat der Manager zu sorgen, der für alle ergebnisrelevanten Prozesse und Abläufe verantwortlich ist.

Menschen, die diese Ebene ihrer Bedürfnisse erfüllt haben, streben nach mehr. Das Thema der Ebene fünf heißt Selbstentwicklung. Führung muss hier Erfahrungszuwachs und Lernfelder zur Verfügung stellen, damit der Einzelne wachsen kann. Die Führungsrolle ist auf dieser Ebene keine geringere als die des Coaches, der Trainerin.

Wenn die Basis gelegt ist – die höheren Bedürfnisebenen

Nicht wenig, was bis hierher von einer Führungskraft verlangt wird, denn es gilt: Auf jeder höheren Ebene muss die Führungskraft die anderen „mit dabei haben“ und alle Rollen wahrnehmen. Und: je nach Entwicklungsstand und Situation eines Mitarbeiters liegt sein oder ihr Bedürfnis-Schwerpunkt auf einer anderen Ebene. Die zu erkennen ist eine wesentliche Aufgabe von Führung.

Es geht also noch zwei Ebenen weiter: Der Mentor führt auf Ebene sechs mit Positivität, Glaube an die Sache und dem Vorleben ethischer Maßstäbe. Er oder sie erfüllt das Bedürfnis von Menschen nach Sinn, Werten und Gesundheit. Letzteres gilt sowohl für den Einzelnen, die Organisation und das Umfeld der Organisation. Ein Mentor befriedigt sein Bedürfnis nach Selbstentwicklung indem er oder sie zur Entwicklung anderer und der Organisation beiträgt.

Visionäre und Sinnstifter auf Ebene sieben vereinen schließlich alle sechs darunterliegenden Ebenen auf sich und erfüllen sehr weitreichende Bedürfnisse von Menschen: Schöpfung von Einzigartigem, Erfüllung und Nachhaltigkeit des Werks, wenn es geht über die eigene Lebensspanne hinaus. Echte Visionäre verfolgen eine Sache, die Sinn, Fortschritt, Erfolg und Wohlstand für viele andere bringt und nicht nur vorrangig ihrem eigenen Fortkommen dient. Sie sind Initiatoren und Teil von Veränderungen, die maßgeblich die Entwicklung von Gesellschaften, Märkten und Industrien befördern.

Bewusste Führung ist Arbeit mit den relevanten Ebenen

Für alle die in einer Führungsposition sind, lohnt es sich die folgenden Fragen immer wieder zu stellen: In welchen Rollen bin ich in der Führung unterwegs und wie fülle ich sie aus? Wie sind die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter und wie sind sie aktuell erfüllt? Auf welcher Ebene bin ich heute als Führungskraft und wohin möchte ich gehen?

Die Antworten können wichtige Impulse und Orientierung für die eigene Führungstätigkeit geben.

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