perspektive

Herr Gründer tritt die Bremsen seines 3er BMWs zum Anschlag. Vor ihm liegt etwas auf der Straße. Er steigt aus, um die Lage zu betrachten. Als er sich daran macht, das Problem zu beheben, hält hinter seinem Auto ein anderes Fahrzeug. Wegen der naheliegenden Kurve kann er nicht leicht vorbei fahren. Der Fahrer kurbelt das Fenster runter, schaut und fragt, ob Hilfe gebraucht wird. Noch ein Auto, und noch eins. Innerhalb kurzer Zeit bildet sich eine Schlange von 10-15 Autos. Was ist da los? Hupen. Ärger bei den Fahrern weiter hinten.

So läuft es auch im Business – der Gründer an vorderster Front. Die weiter hinten sehen nicht immer, was los ist. Sie ärgern sich, oder sitzen frustriert rum. Nicht, dass sie böse Menschen wären. Nein, ihnen fehlen nur Informationen. Menschen wollen Situationen verstehen. Sie brauchen Perspektiven. Mitarbeiter in jeder Gründung brauchen Perspektiven – über die kurzfristigen Aufgaben und über den langfristigen Horizont. Der Unterschied zwischen engagierten und frustrierten Mitarbeitern ist oft ganz klein – Perspektive.

Eine Vision der Zukunft ist das wichtigste Werkzeug in der Gründung. Aber wie entsteht Vision? Wie benutzt man Vision? Wie hält man sie frisch? Und wie vermittelt man sie richtig? Es gibt 4 Zustände für den Umgang mit Vision und diese zeigen, wie Vision entstehen und weiter entwickelt werden kann:

Implizit

Ein umformuliertes Drängen im Herzen, Gefühle und Instinkten sind in dieser Phase vorhanden. Die Vision bewegt sich, aber sie ist noch im Verborgenen. Hier ist die Herausforderung, in einen Prozess zu gehen, der die Eindrücke und Gefühle formuliert und kommunizierbar macht.

Die erste Bewegung ist vom Herz in den Mund. Dieser Prozess der Klärung führt zu einem klaren Bild der Zukunft. Was ist unser Traumzustand? Welche Veränderung wollen wir erreichen? Was soll in der Welt anders sein? Er ist nie zuende und verändert sich mit dem Fortschreiten. Aber je klarer und bildhafter, desto besser kann man Perspektive vermitteln.

Explizit

Die Vision wird klarer. Man kann darüber reden. Worte beschreiben, was anliegt und wichtig ist. Menschen zeigen ihre Reaktion auf die Vision. In Gesprächen werden neue Aspekte klar. Die Klärung ist ein immerwährender Prozess, aber es besteht ein Grundgerüst. Die Herausforderung hier ist, die Klarheit weiter zu schärfen, klar zu kommunizieren und andere für die Vision zu gewinnen. Wenn andere sich in der Vision wiederfinden, dann kommst du in einen entscheidenden Schritt: die Verbindung zur Realität.

Die zweite Bewegung ist vom Mund in die Hand. Ohne einen Plan bleibt die Vision nur ein Wortkonstrukt. Ein Plan hilft, sich über die Details Gedanken zu machen und gemeinsam die Annahmen zu prüfen. Es ist außerdem eine gute Team-Übung, um eine gemeinsame Sicht der Zukunft zu präzisieren. Peter Druckers 5 Fragen sind ein toller Startpunkt, um das Grundgerüst für einen Plan zu schmieden:

  • Was ist unsere Mission?
  • Wer ist unser Kunde?
  • Worauf legt der Kunde wert?
  • Was sind unsere Ergebnisse?
  • Was ist der Plan?

Plan

Manche bleiben bei Slogans stehen, aber erst jetzt kommt die Vision in einen Rahmen, wo sie Kraft entfalten kann. Zusammen mit dem Team ist jetzt darüber zu reden, wie ihr von der Traumzukunft zu einer Strategie und Schritten kommt. Dadurch werden Annahmen klar, die ihr teilt und die Vision unterstützen; die Schwerpunkte, die ihr setzen wollt; und die Prioritäten und Möglichkeiten, denen ihr folgen wollt. Dieser Prozess der Planung bindet das Team zusammen und gibt der Vision ein Rückgrat.

Das ist die dritte Bewegung – von der Hand ins Rückenmark:

Wirkung

Letztlich ist es entscheidend, was die Vision für die Gruppe tut. Ein Visions-Statement allein ist wenig wert. Letztlich ist das Ziel einer Vision ihre Wirkung – sie soll die Herzen von Menschen bewegen, ihre Träume freisetzen und ihre Kräfte mobilisieren. Dazu muss die Vision in den Kern des Gruppenlebens verankert werden, dort Entscheidungen und Werte prägen und immer präsent sein. Folgende Top-5 Aktivitäten sind dafür grundlegend:

  1. Simple Story: Die Vision muss einfach formuliert sein. Sie muss auf ein T-Shirt passen. Nur wenn sie klar ist, wird sie klar kommunizieren. Gleichzeit muss die Vision eine Story beschreiben – was ist das Problem? Was ist unser Vorschlag zur Lösung? Warum gehen wir das jetzt an? Wenn diese Fragen leicht beantwortet werden können, können Menschen die Vision nachvollziehen und machen sich die Story zu ihrer eigenen Lebensgeschichte. Je lebhafter man über den Zielzustand reden kann, desto mehr weckt es die Ambition bei den Leuten. Wie ein guter Film spricht eine gute Vision die Erfahrungen der Leute an, bietet ihnen die Lösung zu einem Konflikt und endet mit einem Happy End.
  2. Wiederholen, wiederholen, wiederholen: Die Vision muss immer wieder erwähnt werden. Manche meinen, die Haltedauer einer Vision ist 30 Tage. Danach vergessen die Leute, worum es geht. Für einen Leiter mag dies langweilig sein, aber für die Leute ist es grundlegend. Das heißt nicht, dass man nur in Slogans reden muss. Die Vision kann sich zeigen, über was man Erfolge feiert und über was man sich ärgert. Bei jeder Entscheidung sollte man sich fragen, welche Alternative der Vision dient – und dies dann den Leute kommunizieren. Dadurch bringt man die Vision immer wieder ins Spiel und macht sie lebendiger.
  3. Verkörpern: Worte sind gut – Taten sind besser. Die Vision muss sich im Leben und Fühlen der Leiter niederschlagen. Der Leiter ist so was wie das obere Limit einer Vision. Wenn die Leiter die Vision mit Herz und Leidenschaft leben und sie sich persönlich etwas kosten lassen, sendet das unmissverständliche Signale an die Gruppe. Und wenn sie das nicht tun, sendet das auch Signale.
  4. Feiern: „Nur was du messen kannst, wird gemanaged“. Was man regelmäßig sichtbar macht bekommt Aufmerksamkeit. Daher sollte sich die Gruppe überlegen, welche Ziele man auf dem Weg der Vision erreichen will, diese Ziele immer wieder bewerten und regelmäßig die kleinen Erfolge feiern. Auch das sendet klare Signale an die Gruppe, was wichtig ist.
  5. Einladen:  Letztlich müssen die Leiter immer wieder Leute einladen, sich an der Vision zu beteiligen. „the Big Ask“ nennt man das – einfach eine direkte Bitte an die Leute aussprechen, die Vision zu unterstützen. Energie und Zeit folgen alle nach der Entscheidung, sich für eine Vision hinzugeben. Leute wollen gut arbeiten und warten geradezu auf die Vision für ihr Leben.

Über den Autor:

marlin-watlingMarlin Watling ist Leiter der Personalentwicklung in einem „mature startup“ von 140 Mitarbeitern weltweit. Marlin studierte Psychologie in Heidelberg mit Fokus auf Leadership und Change, und arbeitete als HR Business Partner in einer Software-Firma.

Nebenberuflich engagiert er sich für StartUps im karitativen Bereich und mentort dort zahlreiche junge Gründer. Marlin lebt mit seiner Frau und drei Kindern nahe Heidelberg (bei Hoffenheim) und bloggt unter www.siyach.wordpress.com.

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