Auch wenn die meisten Menschen die bisherigen Auswirkungen der Finanzkrise in ihrem Alltag nur wenig bis gar nicht spüren, so ist die Finanzkrise doch in aller Munde. Zentraler Punkt ist dabei die Sorge um den Arbeitsplatz. Akademiker werden von den Folgen der Finanzkrise auf den Arbeitsmarkt zwar grundsätzlich weniger betroffen sein als andere Gruppen, auszuschließen sind Entlassungen von Akademikern und Fachkräften aber natürlich nicht. Dass Unternehmen sich in der Folge der Finanzkrise von Mitarbeitern trennen müssen oder sogar insolvent gehen, scheint sicher. Die Frage ist, wie viele Mitarbeiter und Firmen davon betroffen sein werden.
Schlechte Arbeitsmarkt-Nachrichten machen Arbeitnehmer flexibler
Jede schlechte Meldung über Entlassungen, Einstellungsstopps, Streichungen und Kürzungen trägt dazu bei, dass Arbeitnehmer flexibler werden und sich neuen beruflichen Möglichkeiten und Angeboten öffnen. Das betrifft eben auch Fachkräfte und Akademiker. Ähnlich verhält es sich bei den Studenten und Absolventen, deren Berufseinstieg kurz bevor steht. Die Unsicherheit über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt trägt dazu bei, dass die Absolventen bei ihrem Berufseinstieg zum Einen flexibler werden, und zum Anderen auch Abstriche bei ihren Gehaltsvorstellungen machen.
Bewerber werden gerne von den Unternehmen angesprochen
Lebenslaufdatenbanken stellen für Jobsuchende einen attraktiven Bewerbungskanal dar. Laut der Studie „Bewerbungspraxis 2009″ bevorzugt es ein großer Teil der Jobsuchenden, von den Firmen angesprochen zu werden. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn wer bekommt nicht gerne Job-Angebote auf dem Präsentierteller? Es zeigt aber, dass die Bewerber für die proaktive Ansprache offen sind und sich die Chancen der Unternehmen auf gutes Personal bei direkter Ansprache der Kandidaten erhöhen. Insbesondere bei Absolventen stehen die Chancen gut, dass sie die Angebote annehmen, um in der wirtschaftlich unsicheren Zeit die Hürde des Berufseinstiegs zu meistern. Genau darin liegen die Chancen für StartUps und Mittelständische Unternehmen, die bisher Probleme hatten, an qualifizierte Mitarbeiter zu kommen. Mit der direkten Ansprache über Lebenslaufdatenbanken erreichen die Firmen zudem auch Kandidaten, die sich vermutlich nie bei ihnen bewerben würden, weil sie die Firma unter Umständen gar nicht kennen.
Finanzkrise lindert den Fachkräftemangel nur temporär
Die Finanzkrise mag den Fachkräftemangel zwar temporär mildern, langfristig werden die Unternehmen aber um die besten Köpfe wettstreiten müssen. Laut der Studie „Recruiting Trends 2009″ erwarten mehr als 90 Prozent der deutschen Unternehmen einen zunehmend starken Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney empfiehlt ihren Kunden zum Teil sogar, die Finanzkrise zu nutzen, um Top-Vertriebsleute abzuwerben und so die eigene Schlagkraft zu erhöhen. Diese seien im Moment günstig zu bekommen und bringen zudem unter Umständen noch ihre eigenen Stammkunden mit.
Firmen brauchen Fachkräfte um innovativ zu bleiben
Natürlich kann nicht jede Firma ihr Personal in der Finanzkrise aufstocken. Das müssen die Firmen von Fall zu Fall abschätzen. Doch dass Unternehmen auch in der Rezession Fachkräfte und Akademiker brauchen, um innovativ zu bleiben und dauerhaft am Markt bestehen zu können, erklärt Volkswirt Dr. Jochen Kluve, Leiter des Berliner Büros des RWI Essen. Das ermöglicht den Firmen gestärkt aus der Krise hervorzugehen – wenn auch nicht unbedingt finanziell, aber in Hinblick auf ihre Wettbewerbssituation. Denn die Mitarbeiter sind und bleiben der entscheidende Faktor für den Unternehmenserfolg.
Über den Autor:

Lukas große Klönne betreut den Karriereblog der Jobbörse ABSOLVENTA (www.absolventa.de) und ist für Usercare und Unternehmenskommuni-kation verantwortlich. Dadurch hat er täglich mit den Wünschen der Berufseinsteiger zu tun, kennt aber auch die Bedingungen des Arbeitsmarktes sehr gut.

[...] Gestärkt aus der Finanzkrise hervorgehen [...]
Die Wirtschafts- und Finanzkrise führt weltweit zum Stellenabbau. Das ist auch die Chance und der Sinn einer Krise, aufgeblähte Strukturen zu regulieren und Systeme und Arbeitsschritte effizienter zu gestalten. Deutsche Unternehmen werden sich aber hüten ihre Fachkräfte zu entlassen oder weniger Absolventen der Universitäten und Hochschulen einzustellen. Deutsche Unternehmen begegnet in den nächsten Jahren einem Fachkräftemangel. Unabhängig von der Finanzkrise entsteht, durch Erfindungen im Internet, ein völlig neuer Markt mit völlig neuen Kommunikationsmedien. PR-Agenturen werden aus dem Boden schießen und zunehmend den Wettbewerbsdruck auf klassische Medien erhöhen. Trennen die sich von ihren Mitarbeitern, werden diese von den neuen Medien mit Handkuss empfangen.
@ Lisa!: Interessant. Aber der Unterschied zwischen klassichen Journalismus und PR & Online-Journalismus ist größer als es auf den ersten Blick scheint. Aber auch ich bin davon überzeugt, dass es in dem Bereich viele neue Stellen geben wird. Jede Firma braucht guten Content für seine Webseiten, als Kundenservice und um über Google gefunden zu werden.
PS: Das im Artikel angesproche Interview mit Dr. Kluve gibt es übrigens hier: http://www.absolventa.de/blog/finanzkise-und-arbeitsmarkt-in-einer-rezession-mussen-firmen-innovativ-bleiben-und-brauchen-akademiker
@P.Maluk
Danke für den Kommentar und die Antwort. Wir glauben nicht, dass die Zielstellung eines Unternehmens, welches jetzt eine schlagkräftige PR-Agentur aufbaut und Online-Journalismus professionell betreibt, darauf zielt, hochwertige Inhalte nur für die eigene Marke und Internetseite oder für eine höhere Bewertung bei Onlinesuchdiensten wie z. B. Google zu produzieren. Das Unternehmen ergreift mit den modernen Kommunikationsmedien eher die Möglichkeit und Chance, selbst zum Medium und zum Verlag zu werden und sein Wissen am Markt zu verkaufen bzw. mit der Bereitstellung von wissenschaftlich gesichertem Wissen Käuferschichten langfristig zu binden. Außerdem ist das Unternehmen dann in der Lage, das journalistische Prinzip umzukehren. So können z. B. Pressemitteilungen, an klassischen Medien vorbei, blitzschnell verbreitet werden oder freie Arbeitsstellen blitzschnell besetzt werden. Da ein Unternehmen natürlich zunächst interessengeleitete Meldungen verbreiten wird, gilt es als unternehmenseigene PR-Agentur, Verlag oder Journal, eine eigene selbständige Marke zu formen und ein eigenständiges Profil zu entwickeln, um Leser und Kundenvertrauen zu gewinnen sowie unabhängig arbeiten und investigativ berichten zu können. Die Medienlandschaft in Deutschland wird sich verändern, die Karten werden jetzt schon neu gemischt.