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Sowohl junge Startups als auch erfahrene Konzerne befinden sich heute in der gleichen Situation: In Zeiten des berüchtigten Fachkräftemangels werben sie mehr oder minder erfolgreich um die klügsten Köpfe. Um aus diesem „War for Talents“ als Sieger hervorzugehen, ist eine effiziente Recruiting-Strategie genauso wichtig wie eine nachhaltige Mitarbeiterbindung.

Das HR-Department als Berater und Experte

Kümmert euch! Dieser Rat ist keine hohle Phrase, sondern die Quintessenz eines guten Arbeitsgebers. Diese Servicementalität der HR beginnt im Idealfall schon vor der konkreten Suche nach neuen Mitarbeitern. Besonders bei Bewerbern aus dem Ausland ist es sehr wichtig, sich bereits im Vorfeld mit den Besonderheiten der dortigen (Unternehmens-)kultur auseinanderzusetzen.

Das deutsche Steuersystem ist für ausländische Bewerber häufig unverständlich, unser Gesundheitssystem für sie wiederum nicht selbstverständlich. Auch der Bewerbungsprozess an sich verläuft im Ausland ganz unterschiedlich. Über Dinge wie Gehaltsvorstellungen wird teilweise gar nicht im Detail gesprochen – derartige Tabus sollten nicht unterschätzt werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, aktive Beratung und Aufklärung zu leisten und stets fit in den Themenstellungen zu sein.

Dazu gehören auch die Klärung von Visaangelegenheiten und das Fachwissen zu gesetzlichen Regelungen wie der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Das Gesetz wurde im vergangenen Jahr auf viele osteuropäische Länder erweitert – diese Änderung bringt Unternehmen, die europaweit nach qualifizierten und motivierten Mitarbeitern suchen, eine große Erleichterung durch den Wegfall diverser bürokratischer Hemmnisse.

Wenn diese Details schon von Anfang an geklärt sind, kann man sich auf die so genannten „Soft Facts“ konzentrieren: Die Sieger des weltweiten „War for Talents“ wissen, dass diese häufig den Unterschied machen und ausschlaggebend für die Unternehmenswahl sind.

Soft Facts machen den Unterschied

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Auch wenn es eigentlich logisch erscheint, gehen einige Unternehmen noch nicht genügend auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Bewerber und Mitarbeiter ein. Gibt es Parkmöglichkeiten vor dem Haus? Oder finanzieren wir das Bahnticket? Dies sind Fragen, die man sich nicht erst stellen sollte, wenn sich die Bewerber danach erkundigen.

Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen und auch ausländische Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Das Prinzip nennt sich Onboarding und beinhaltet zum Beispiel regelmäßige „Welcome-Gespräche“, administrative Unterstützung, Organisation von gemeinsamen Essen, privaten Unternehmungen nach Feierabend oder Unterstützung beim Nachziehen der Familie.

Wofür man sich letztendlich entscheidet, ist von der Firmenphilosophie, dem Budget und der Branche abhängig. Dabei gilt: Einmal für eine Strategie entschieden, sollte man sie auch konsequent durchführen. Gute HR-Arbeit bedeutet auch, seine individuellen Möglichkeiten abzustecken und so viel wie möglich zu leisten.

Die Strategie in die Praxis umsetzen…

Hier kommt erneut die Servicementalität der HR zum Tragen. Beginnend mit flexiblen Arbeitszeiten und kreativen Pausen im Kickerraum über regelmäßige Events zur Mitarbeiterbindung bis hin zur Finanzierung von Fortbildungen: Eine gute HR-Strategie hört nicht auf, wenn die begehrten Fachkräfte aus dem In- oder Ausland im Unternehmen angekommen sind!

Besonders bei neuen Mitarbeitern aus dem Ausland ist die sprachliche Eingliederung in das Unternehmen ein wichtiger Punkt. Möglich wäre es zum Beispiel, einen wöchentlichen Sprachkurs zu finanzieren. Wenn das Budget dies nicht zulässt, könnte auch ein Sprachtandem gebildet werden. Dass in Meetings konsequent Englisch gesprochen wird, sobald mindestens eine Person anwesend ist, die die deutsche Sprache noch nicht beherrscht, sollte selbstverständlich sein.

Ein anderes Beispiel, das besonders attraktiv für ausländische Bewerber ist, sind Mitarbeiterwohnungen.In Großstädten wie Hamburg, München oder Berlin fällt selbst deutschen Arbeitskräften die Wohnungssuche schwer. Durch Mitarbeiterwohnungen, die für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stehen, fällt der Druck weg, sich eigenständig, womöglich noch aus dem Ausland, eine Wohnung suchen zu müssen. Die Schwelle, sich für Deutschland als Arbeitsstandort zu entscheiden, fällt sofort weniger hoch aus.

…und jedem davon erzählen

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Wenn die Grundlage aus harten und weichen Fakten geschaffen ist, muss sie an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht werden. Um auch im Ausland als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, gilt: Soviel Präsenz wie möglich zeigen und auch mal andere Wege gehen. Welche Veranstaltungen gibt es, an denen wir teilnehmen können? Auf der internationalen Messe A und der Konferenz B treffen sich die Fachkräfte der Branche – welche Möglichkeiten gibt es, sich dort zu präsentieren?

Natürlich ist das budgetabhängig, aber auch für Startups gibt es Wege, ins Gespräch zu kommen: zum Beispiel durch die Teilnahme an Hochschultouren, die gemeinsam mit anderen Unternehmen finanziert werden. Oder statt eines kostenpflichtigen Messestandes die Präsenz durch Mitarbeiter in bedruckten Shirts. Nach diesem Kurzausflug über den deutschen Tellerrand bleibt nur noch zu sagen: Kümmert euch!

Bild: fritz zühlke  / pixelio.de