Liridon Korcaj

Wie findet man für sein junges Unternehmen Angestellte mit hohem Potenzial und wie stellt man sie am besten ein? Unter diesen Umständen bietet es sich für Neugründer an, das Thema Studentenjobs genauer in Augenschein zu nehmen. Warum? Weil Studenten einzustellen sehr günstig sein kann und diese sehr leistungsfähig sind. Darüber hinaus kann eine Aushilfe oder ein Praktikant, weil schon bewährt, nach Studienabschluss übernommen werden.

Als Gründer eines Unternehmens hat man in der Anfangszeit sehr viel mit seinem Produkt zu tun und daher wenig Zeit, sich mit Beschäftigungsverhältnissen auseinander zu setzen. Wir haben uns daher daran gesetzt, eine kleine Übersicht über die wichtigsten Beschäftigungsformen zusammen zu stellen. Details können sich ändern oder je nach Branche unterschiedlich sein (zum Beispiel Unfallversicherung), daher versteht diesen Artikel bitte als Ansatzpunkt, um euch genauer bei den zuständigen Behörden zu informieren.

Die gewählten Gegensatzpaare ähneln sich in der Erscheinungsform im Betrieb, unterscheiden sich aber bei der Abwicklung der Bezahlung und den gesetzlichen Anforderungen. Erstens werden wir zwei Möglichkeiten vorstellen einen Studenten über Monate Vollzeit im Betrieb zu beschäftigen – Praktikum und Ferienjob. Zweitens werden wir auf Unterschiede geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse, nämlich Werkstudent und Mini-Jobber, eingehen. Es handelt sich bei diesen um berufsmäßige Anstellungen über das gesamte Jahr mit begrenzter wöchentlicher Arbeitszeit. Drittens thematisieren wir in zwei Sätzen die Festanstellung und die Auftragsvergabe an Freiberufler. Man sollte schließlich nicht vergessen, dass diese konventionellen Arbeitsverhältnisse immer noch existieren.

Die Anstellungsformen

1. Praktikant vs. Ferienaushilfe

Praktikanten und Ferienaushilfen ähneln einander auf den ersten Blick. Beide verbringen den ganzen Tag im Büro und werden bei ihren Tätigkeiten von erfahrenen Angestellten und den Geschäftsführern unterstützt. An dieser Stelle enden auch die Gemeinsamkeiten.

Bezahlung und Beachtenswertes

Ein Praktikum wird nicht bezahlt und der Praktikant hat keine Leistungsverpflichtung. Das mag den ein oder anderen schocken – einerseits den Praktikanten, der unnötigerweise hart gearbeitet hat, andererseits den Arbeitgeber, der ebenfalls unnötigerweise seinen Praktikanten bezahlt hat. Erläuternd soll hier erwähnt sein, dass ein Praktikum der Ausbildung zu dienen hat. Ein Praktikant soll in erster Linie lernen. Leistungserbringung ist ein netter Nebeneffekt, der es dem Arbeitgeber schmackhaft machen soll, Praktikanten einzustellen und diese zu betreuen. Ein Praktikum ist unbezahlt, hat laut Berufsbildungsgesetz aber angemessen vergütet zu sein. Diese Vergütung versteht sich als Anerkennung des Praktikanten und als Sicherung des Lebensunterhalts. Sie sollte sich nach dem Monatsentgelt für Auszubildende richten.

Sofern es sich um ein Pflichtpraktikum handelt (in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben), bleibt der Student als solcher versichert, da es sich um einen Bestandteil der Ausbildung handelt. Wenn es jedoch ein freiwilliges Praktikum ist und die Vergütung 400 Euro überschreitet, so fallen Sozialabgaben an, die sich nach der Höhe des Einkommens richten. Bei einer Vergütung von unter 400 Euro wird das Praktikum behandelt wie ein Mini-Job (siehe Werkstudent vs. Mini-Job).

Weil ein Praktikum der Ausbildung dient, sollte der Praktikant nicht als „normaler Beschäftigter“ fungieren. Wird ein Praktikant als Ersatz für eine normale Arbeitskraft eingestellt, so besteht ein Anspruch auf gleiche Entlohnung. Laut Entscheidung des Arbeitsgerichts in Berlin (08.01.2003) qualifiziert sich ein Arbeitsverhältnis nämlich nach Inhalt und nicht nach Bezeichnung.

Infobox 1: Vergütung und Kompensation von Praktikanten

Zum Thema Unterbezahlung soll hier gesagt sein, dass StartUps sich besonders in der Gründungsphase in einer finanziell prekären Lage befinden. Wenn nicht die Möglichkeit besteht, einen Praktikanten finanziell angemessen zu vergüten, sollte man nicht verzweifeln.

Motivation und Arbeitszufriedenheit sind nicht direkt abhängig vom Lohn. Ein niedrigeres Gehalt kann kompensiert werden durch anspruchsvolle Aufgaben, an denen der Praktikant wachsen kann. Die freie Wahl des Tätigkeitsschwerpunktes und eigenverantwortliches Arbeiten sind genau wie autonome Zeiteinteilung Möglichkeiten, dem Praktikanten den Aufenthalt angenehmer zu machen. Eine gute leibliche Versorgung mit Speisen und Getränken kann aber schon reichen.

Ein Unternehmen sollte sich also im Klaren sein, dass es mit einem Praktikum einen Bildungsauftrag annimmt und diesen auch zu erfüllen hat. Zum Beispiel gehört dazu, dass ein im selben oder ähnlichen Fachgebiet fertig ausgebildeter Angestellter dem Praktikanten als Betreuer zur Seite gestellt wird. Ist dies nicht im Sinne des Praktikanten und seiner Studienordnung möglich, sollte auf alternative Beschäftigungsverhältnisse ausgewichen werden.

Als Alternative bietet sich die Ferientätigkeit an. Diese ist im Gegensatz zum Praktikum stärker reguliert und die Einhaltung wird forciert. Die wichtigsten Eckdaten sind: Beschränkung auf die vorlesungsfreie Zeit und nicht mehr als 50 Arbeitstage oder 2 Monate pro Kalenderjahr. Wenn man sich an diese Vorgaben nicht hält, werden Beiträge an die Versicherungen fällig.

Wichtig ist, dass Ferienaushilfen als normale Mitarbeiter tätig sind und nach dem Gleichheitsgebot für gleiche Arbeit auch gleiche Bezahlung wie Festangestellte verdienen. Attraktiv sind diese Arbeitnehmer, weil im Regelfall Schüler und Studenten von Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung befreit sind. Eventuell einbehaltene Lohnsteuer kann vom Arbeitnehmer am Jahresende vom Finanzamt zurück gefordert werden. Vorteil dieses Anstellungsmodells ist, dass es eine für den Arbeitgeber unkomplizierte Art der Anstellung ist. Nachteilig kann die angemessene Bezahlung ausfallen, die einer Ferienaushilfe zusteht, genau wie das Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, das nach vier Wochen Tätigkeit in Kraft tritt.

2. Werkstudent vs. Mini-Job

Der Begriff „Werkstudent“ stammt aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und bezeichnete Studenten, die vom Kriegsdienst freigestellt waren, dafür aber in der Industrie aushelfen mussten. Ein fachlicher Bezug zwischen Arbeit und Studium bestand. Heutzutage wird der Begriff synonym mit Aushilfe, Nebenjob und Studentenjob verwendet. Es bestehen jedoch feine Unterschiede.

Bezahlung und Beachtenswertes

Bei einem Einkommen unter 400 Euro zahlt man für Werkstudenten und Mini-Jobber eine Pauschale von 30,77% an die Knappschaft (Mini-Job-Zentrale). Diese setzt sich zusammen aus 15 prozent Rentenversicherung, zwei Prozent Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag (und 0,77 Prozent zusammengenommen für Umlagen, Mutterschaft, Krankheit etc.). 13 Prozent für die Krankenversicherung sind ebenfalls enthalten. Man versichert den Arbeitnehmer aber nicht durch diesen Beitrag. Es ist lediglich eine Pauschale, die abgeführt werden muss. Versichert bleiben die Arbeitnehmer weiter über ihre private oder Familienversicherung.

Bei einem Einkommen von über 400 Euro lohnt sich der Werkstudent auf Grund des Werkstudenten-Privilegs. Für diesen zahlt man nämlich nur die Renten- und Unfallversicherung. Das sind zirka 20 Prozent inklusive der Umlagen und sonstiger Beiträge. 9,5 Prozent werden vom Arbeitnehmer bezahlt, was durch höhere Zahlungen kompensiert werden sollte. Von Vorteil ist es dennoch, weil aus zirka 30 Prozent Lohnnebenkosten 20 Prozent werden.

Restriktionen: Ein Werkstudent muss immatrikuliert sein und ordentlich studieren. Montags bis freitags darf er tagsüber nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. An Wochenenden und nachts ist diese Grenze unwichtig für euch als Arbeitgeber. Der Angestellte kann jedoch seinen Studentenstatus verlieren. Darüber sollte man sich im Einzelfall genauer informieren.

Des Weiteren können Teilzeitstudenten, Studenten an Fernhochschulen, Studenten nach ihrer Abschlussarbeit (trotz Immatrikulation) oder im 26. oder höheren Semester nicht als Werkstudenten eingestellt werden.

Beim Mini-Job kann die 400-Euro-Grenze bis zu zwei Monate jährlich überschritten werden, wenn dies nicht vorhersehbar war – zum Beispiel Zusatzarbeit eines Mitarbeiters wegen Ausfall eines Kollegen. Genauso ist eine außerplanmäßige Beschäftigung von über 20 Stunden pro Woche zulässig, wenn dies nicht zur Regel wird.

Infobox 2: BAföG, Kindergeld und Steuern – Wissenswertes für den Studenten

Studenten können auch regelmäßig über 400 Euro verdienen, haben davon aber eventuell Nachteile wegen des Verlusts ihres Anspruchs auf Familienversicherung, BAföG und Kindergeld.

  • Alle Einnahmen, die mit über 4.800 Euro jährlich den anrechnungsfreien Betrag übersteigen, führen zu einer Kürzung des BAföG. Wird regelmäßig über 20 Stunden wöchentlich gearbeitet, entfällt der Anspruch auf BAföG vollständig. Ausgenommen sind kurzfristige Beschäftigungen wie zum Beispiel in den Semesterferien.
  • Steuern werden beim Studenten fällig, wenn der Grundfreibetrag (ab 2010) von 8.004 Euro jährlich überschritten wird. Darauf wird noch eine Werbungskostenpauschale von 920 Euro gerechnet.
  • Anspruch auf Kindergeld verliert man, sobald mehr als 7.680 Euro jährlich verdient werden (zzgl. 920 Euro Werbungskostenpauschale). Wichtig ist, dass der Zuschuss-Anteil des BAföG hier als Einkommen gezählt wird. Wird dieser Betrag überschritten, entfällt für das gesamte Kalenderjahr der Anspruch auf Kindergeld.
  • Sobald man als Student regelmäßig über 20 Stunden pro Woche arbeitet, tritt laut Definition das Studium in den Hintergrund. Man ist nicht mehr hauptsächlich in der Ausbildung und von daher auch raus aus der Familienversicherung.

3. Festangestellter vs. Freiberufler

Braucht man eine volle Arbeitskraft, bleibt nur noch die Wahl zwischen Festanstellung und Freiberuflern auf Honorarbasis. Eine genaue Unterscheidung kann hier nicht vorgenommen werden und ist auch uninteressant, da wir uns auf Anstellung von Studenten beschränken. Es sollte nur beachtet werden, dass es sich bei dem freiberuflichen Auftragnehmer auch wirklich um einen solchen handelt. Wichtiges Stichwort hier ist „Scheinselbstständigkeit“.

Abschließend können wir nun feststellen, dass es als Arbeitgeber wichtig ist zu wissen, wie man anmeldet und bezahlt. Man spart eventuell Geld, aber auf jeden Fall erspart man sich im Nachhinein viel Ärger, wenn man sich vorher richtig informiert.

Die Zahlen in diesem Artikel sind den angegebenen Quellen entnommen, ändern sich von Zeit zu Zeit und sind in bestimmten Fällen nicht so festgeschrieben wie hier angedeutet. Ein Gespräch mit dem Steuerberater kann sich lohnen. Krankenkassen, Mini-Job-Zentrale und Universitäten sind ebenfalls kompetente Anlaufstellen für aktuelle Werte und weiterführende Informationen.

Quellen:

Praktikum

Werkstudenten-Privileg

Mini-Job

Über den Autor:

Liridon Korcaj ist Mitarbeiter von Jobmensa, einer Plattform, auf welcher Studenten ganz einfach einen geeigneten Studentenjob finden können. Liridon ist für das Marketing des Portals zuständig.

Sein Studium der Psychologie absolviert er an der Philipps-Universität Marburg, ebenso wie die Forschung in den Bereichen Assoziatives Lernen und Blickbewegung.

An der Pennsylvania State University studierte er vor allem die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und Technologie. Seine Hauptinteressengebiete sind Produktdesign und Werbung.

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Kein Geld, viel zu tun, und Bedarf an klugen Köpfen: Die wesentlichen Infos zu Werkstudent, Mini-Job und Praktikant für StartUps, 4.0 out of 5 based on 3 ratings
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