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Endlich: Der neue Mitarbeiter ist rekrutiert und hoch motiviert im Unternehmen eingestellt. Natürlich hat man hohe Erwartungen an den Neuen: Er sollte möglichst kreativ, engagiert, motiviert und selbstbewusst sein, Niederlagen positiv bewältigen und einem hohen Arbeitsdruck standhalten können. Wie gelingt es Startups, Mitarbeiter bei so hohen Erwartungen motiviert zu halten?

Bei hoher Arbeitslast und Eigenverantwortung muss Motivation stimmen

Startups werden häufig ihre vermeintlichen Nachteile gegenüber etablierten Unternehmen vorgeworfen, die Mitarbeiter allerdings kaum so negativ wahrnehmen. Klar ist aber, dass die Motivation bei hoher Eigenverantwortung und Arbeitslast dauerhaft stimmen und gefördert werden muss, sonst laufen Startups Gefahr, Mitarbeiter schnell wieder zu verlieren.

Anregungen, wie Startups Mitarbeiter erfolgreich binden und ihre Motivations- und Leistungsfähigkeit fördern können – aus Gesprächen mit Thomas Promny, Internetunternehmer aus Hamburg (velvetventures.de), Gregor Groß, Gründer mehrerer Firmen in Berlin (www.denkpass.de) und Steffen Laick, Leiter der Abteilung Global Employer Branding, Recruitment & Talent Development bei Ernst & Young (www.ey.com):

Trumpfkarten für Startups: Die stärksten Motivations-Booster

Ob Teammitglieder mit Herausforderungen erfolgreich umgehen und sich engagiert für ihr Unternehmen einsetzen, ist nicht nur eine Frage ihrer fachlichen Qualifikation, sondern vor allem auch eine Frage der Motivation. Gerade junge Unternehmen bieten ein besonders motivierendes Arbeitsumfeld und sollten ihre Startup-typischen Motivationsfaktoren gezielt einsetzen:

1. Visionen und Leidenschaft

Nach dem Motto „Wenn ich genügend Geld habe, bin ich nicht unzufrieden“ können Startups vor allem bei intrinsischen Faktoren punkten. „Damit ich zufrieden bin, brauche ich das Gefühl, gute Arbeit zu leisten und ein Ziel zu verfolgen, das mir wichtig ist „, sagt Groß. Startups haben den Vorteil, dass sie Leidenschaft und Passion mit ihrem Team teilen. Laick empfiehlt Gründern, ihre Vision offen zu kommunizieren und zu leben. Denn: Der Vorbildcharakter spiele eine große Rolle, um Mitarbeiter zu begeistern und an das Startup zu binden.

2. Arbeit als Sinnstifter – Verantwortung und „etwas bewegen“

Für Promny ist einer der Hauptmotivatoren in jungen Unternehmen, dass die Arbeit für den Einzelnen unmittelbar Sinn stiftet: „In Startups sieht man ziemlich direkt, was bei der eigenen Tätigkeit rauskommt im Gegensatz zum etablierten Konzern, wo man nur ein kleines Rädchen im Getriebe ist.“ Gerade zu Beginn einer Gründung ist das Team noch so klein, dass jeder Mitarbeiter direkt Verantwortung trägt. Ob eigenes Projekt oder Aufgabenbereich: In punkto Selbstständigkeit, Gestalten und Bewegen haben Startups die Nase vorn.

3. Lernmöglichkeiten und Karriere

Wie funktioniert eigentlich ein Unternehmen, wie wandelt man Ideen in Geschäftsmodelle um und wie bereitet man Finanzierungsrunden vor? „Die Lernmöglichkeiten sind in einem Startup enorm – viel größer als im Konzern, wo jeder nur in seinem Funktionssilo sitzt“, meint Groß. Gründer sollten ihren Mitarbeitern klar machen, was sie alles bei ihnen lernen können – auch im Rahmen von Fortbildungen und Seminaren. Hinzu kommt: Wächst das Startup erfolgreich, haben die Teammitglieder gute Chancen aufzusteigen – schneller, als dies in einem großen Player je möglich wäre.

4. Direkter Kontakt zu Management und Inhaber

Ideen, Probleme und Erfolge des Unternehmens werden in Startups transparenter kommuniziert als in Großunternehmen. Geschäftsführer lassen sich auch mal von Vorschlägen inspirieren – egal, ob sie vom Marketing Manager oder Praktikanten kommen. „In Startups ist man richtig nah am Gründer dran“, meint Promny. Der große Vorteil für die Mitarbeiter: Es gibt keine bürokratischen Grabenkämpfe und eingefahrenen Strukturen, was Ideen von unten Raum zum Wachsen lässt. Startups leben von neuen Ideen und setzen diese auch um!

5. Kreativer Workspace

In diesem Jahr hat Google Platz vier des Interbrand-Rankings „Best Global Brands 2011“ belegt, unter anderem wegen seiner attraktiven Arbeitsplatzgestaltung. „Es ist enorm wichtig, dass sich Mitarbeiter in ihren Büros wohlfühlen“, glaubt Groß. Ob Billardtisch, Tischtennisplatte, Sofaecke oder Espressomaschine sei dabei völlig egal – Hauptsache, es herrsche eine Atmosphäre zum Wohlfühlen: „Große Firmen haben zwar teure Büros, aber alles ist so verknöchert und steril, alle rennen mit Schlips rum. Der Arbeitsplatz in einem Startup ist meist viel cooler.“

6. Den Kuchen verteilen – Investition in die Zukunft

Gute Leistung – gute Bezahlung: Nicht selten ein Problem für Startups, die noch keinen gesunden Cash-Flow haben. Als Ausgleich können Unternehmer ihren Mitarbeitern Anteile anbieten: So bleibt das Team motiviert, die volle Leistungsfähigkeit in die Zukunft des Unternehmens einzubringen. Natürlich sollten solche Angebote schriftlich fixiert und auch tatsächlich eingelöst werden.

Sinkende Leistung trotz hoher Motivation? Die stärksten Leistungsstifter

Ein Startup-Mitarbeiter kann noch so motiviert sein – hängt er übermüdet nach zwölf Stunden vor seinem Rechner, nimmt die Leistungsfähigkeit ab. Fehlende Bewegung und mangelhafte Ernährung tun da ihr Übriges. Tim Berry, Gründer von Palo Alto Software, bezeichnet die Diskussion über Arbeitszeiten in Startups als „war between worlds“. „Work and Life Balance? Das ist was für große Konzerne und nicht für Startup-Leute. Für echte Enthusiasten gibt es keinen Gegensatz zwischen Leben und Arbeit“, glaubt Promny.

Groß hingegen ist anderer Meinung. Es gehe nicht darum, möglichst viele Stunden im Büro zu verbringen, sondern jene, in denen man am produktivsten sei. Und Laick sagt: „Work-Life-Balance in einem Startup hängt maßgeblich von den Gründern ab. Je nach deren Philosophie ist dies möglich oder nicht.“ Prinzipiell lasse sich aber erkennen, dass gerade junge Gründer für sich selbst Work-Life-Balance in Anspruch nähmen und dies als wichtigen Motivationsfaktor für ihre Angestellten ansehen würden.

1. Work-Life-Balance: Bio-Rhythmus und Flexibilität

Natürlich erfordert ein Startup volles Commitment aller Beteiligten und heißt eben auch öfters, dass 40 Stunden nicht ausreichen. Aber wenn schon lange Arbeitszeiten, dann flexibel und auch mal im Home Office – nach dem Abendessen mit der Familie zum Beispiel. „Durch die Technologisierung lassen sich Aufgaben meist an jedem Ort der Welt zu nahezu jeder Tages- und Nachtzeit erledigen“, glaubt Laick.

Und auch der eigene Bio-Rhythmus sollte beachtet werden. Denn: Jeder kennt seine produktivsten Phasen am besten. Wichtig ist aber – und da sind sich alle Interviewpartner einig – dass die Ergebnisse regelmäßig kontrolliert werden. Freiraum kann verleiten – und einen gewissen Performance-Druck sollten die Mitarbeiter durchaus spüren.

2. Vitamine und ausreichend Sport

Dass sich regelmäßige Bewegung und Vitamine positiv auf die menschliche Leistungsfähigkeit auswirken, ist nicht neu. Sponsoring von Beiträgen für Fitness-Studios und aktives Promoten von Sportmöglichkeiten können da eine gute Möglichkeit sein, den Geist im Unternehmen frisch zu halten. „Am besten solltest Du als Chef einen aktiven Stil vorleben, also ruhig mal deine Kollegen zum Jogging nach dem Essen einladen“, meint Groß. Und Obst und Getränke sind in den meisten Startups ohnehin für alle Mitarbeiter frei zugänglich.

War for Talents: Motivation und Leistung gezielt fördern

Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) wird sich der Kampf um die besten Talente weiter verschärfen. Bis 2025 werden dem deutschen Arbeitsmarkt 3,5 Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen – trotz jährlicher Nettozuwanderung von 100.000 Personen. Künftig wird es also noch schwerer, qualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren und zu halten. Gerade als junges Unternehmen sollte man daher gezielt daran arbeiten, die Startup-typischen Vorteile für Motivation und Leistung der Mitarbeiter auszunutzen, um lange Arbeitszeiten und geringe Anfangsgehälter zu kompensieren und die besten Köpfe ans Unternehmen zu binden.