Serie Personalmarketing X.O: Twecruitment – Twitter als neues Recruitment-Tool
Im letzten Beitrag unserer Serie Personalmarketing X.0 haben wir mit dem Recruitingvideo ein erstes mögliches Marketing-Instrument des Employer Brandings beschrieben. Im heutigen Beitrag möchten wir ein weitaus innovativeres und noch junges Recruitment-Instrument vorstellen: Twitter. Diese Form des Microbloggings kann insbesondere für junge StartUps ein interessantes und authentisches Tool sein, um Bewerber direkt anzusprechen.
Twitter wird zurzeit gehypet. Ob im TV, im Radio – überall ist die Rede vom Gezwitscher. Mittlerweile wird das Wort fast schon selbstverständlich gebraucht – sogar von den eher konservativen Medien. Der ursprünglich in den USA entwickelte Microblogging-Dienst gewinnt auch in Deutschland zunehmend mehr Nutzer außerhalb der Early Adopters. Schätzungen zur Nutzeranzahl variieren stark, da Twitter selbst jegliche Stellungnahme hierzu kategorisch ablehnt. Marktforschungen zufolge sollen es weltweit etwa sechs Millionen Nutzer sein, von denen allerdings nur etwa die Hälfte ihren Account aktiv nutzen. Viele, vorrangig medienorientierte und urbane User, haben das Twittern als neues Kommunikations- oder Selbstdarstellungs-Tool für sich entdeckt. Auch die ersten Unternehmen nutzen Twitter als neue Form eines Corporate (Micro-)Blogs. Dennoch polarisiert das Medium immer noch: Skeptiker halten es für bloße Selbstdarstellung und Zeitverschwendung, Befürworter erkennen Chancen in dem Kommunikationsmittel.
Wie funktioniert Twitter?
Die meisten Gründer kennen es zwar, aber wir greifen es dennoch noch einmal auf. Twitter fragt: „What are you doing?“ und von „ich mach jetzt Mittagspause“ bis hin zu „schaut Euch diesen Link mal an“ wird alles kommuniziert. In maximal 140 Zeichen teilen Twitterer mit, was Sie gerade tun, was sie bewegt. Und zwar in Echtzeit. Wer’s doch noch nicht kennt: Hier findet man eine nette Erklärung zu Twitter.
Auch, oder vor allem, mobil werden die Kurzmitteilungen eingestellt. So war Twitter auch das erste Medium, das über den Flugzeugabsturz auf dem Hudson River in New York berichtete. Ein Augenzeuge hat nicht etwa die Nachrichtendienste oder Fernsehsender informiert, sondern das Geschehen direkt ins Twitter-Universum gepostet. Spätestens seitdem die Twitterer diese beinahe Katastrophe fast live miterleben konnten, ist klar, dass sich die Kommunikation im Netz verändert hat: Kurz, prägnant und in Echtzeit wollen User informieren und informiert werden.
Twitter im Recruitment
Unter den geschätzt rund 30.000 aktiven deutschen Twitterern sind derzeit relativ wenige Unternehmen. Und von den twitternden Unternehmen nutzen noch relativ wenige das Tool zu Recruiting- oder Personalmarketingzwecken. Zwar werden es mehr, aber noch experimentieren die meisten mehr oder weniger. Beispiele für erste Unternehmen, die sich im Recruitment via Twitter versuchen, sind die Deutsche Bahn und Unister. Auch wir sind aktiv für Recruiting und für PR. Erste direkte Erfolge beim Recruitment stellen sich schon ein, wobei wir nicht unbedingt die Kandidaten direkt erreichen, sondern eher passende Multiplikatoren, die uns empfehlen. Erwiesen ist allerdings, dass man mit relativ geringem Aufwand Kontakte schnell aufbauen, pflegen und vor allem Informationen gezielter verbreiten kann. Wie weit die eingestellten Informationen streuen, hängt in erster Linie von der Anzahl der Follower ab. Bei echten News, wie dem Flugzeugabsturz am Hudson, oder jüngst dem Nordamerika-Virus, greift das Schneeballprinzip. Follower nehmen Nachrichten auf und verbreiten sie ihrerseits im Netzwerk.
Wie aber agiert ein Unternehmen, das nicht mit solchen Nachrichten aufwarten kann, sondern spannende Joboptionen verbreiten möchte? Gerade für junge Unternehmen bietet der Ansatz über Twitter Chancen. Wichtig ist eine gelungene Mischung aus Professionalität und Authentizität – also wie gemacht für junge Gründer. Kandidaten, die bei jungen, innovativen Unternehmen arbeiten möchten, sind naturgemäß medienorientiert, offen für Neues und somit auch die ideale Twitter-Zielgruppe. Zwar sind direkte Erfolge im Recruitment über Twitter noch schwer einzuschätzen, aber wie bei sämtlichen Online-Neuheiten gilt es auch hier einige Regeln zu beachten, um tatsächlich einen echten Mehrwert zu generieren. Andernfalls investiert man Zeit ohne qualitative Resonanz.
Größter Kritikpunkt ist derzeit der Information-Overload: Die User stellen zu viele unbrauchbare Informationen zu „Banalitäten“ ein. Ein Grund mehr, seine Kontakte sorgfältig auszuwählen und seinerseits den Followern einen Mehrwert zu bieten. Hier die ersten Schritte zum erfolgreichen twecruiten:
Checkliste für’s Twecruitment
- Bevor es losgeht: Analysieren Sie genau, was Sie als Arbeitgeber kommunizieren möchten, wen Sie erreichen möchten. Schauen Sie sich um: Was machen Wettbewerber im Recruitment?
- Sichern Sie sich einen Twitter Account unter Ihrem Unternehmensnamen, um Ihre Arbeitgebermarke zu schützen. Wenn Sie als Unternehmen twittern, dann erstellen sie einen weiteren account, bei dem Sie das Kürzel HR hinzufügen.
- Überlegen Sie, welche Person(en) aus Ihrem Unternehmen mit dem HR-Account twittern soll(en). Lassen Sie auch Ihre Mitarbeiter sprechen. Sie können aktuelle Vakanzen einstellen oder Hinweise auf Veranstaltungen posten (wie z.B Recruiting-Tage etc.). Employer Branding kann über das Medium wirkungsvoll vorangetrieben werden. Was kann für Kandidaten reizvoller sein, als live Teile des Büroalltags mitzuverfolgen? Egal, ob der Chef selbst oder die Mitarbeiter zwitschern – wie kann man authentischer für das Unternehmen werben?
- Achten Sie auf die Qualität Ihrer Inhalte, denn Sie stellen das Image als Arbeitgeber dar. Bleiben Sie sympathisch und authentisch, jedoch nicht zu unbekümmert.
- Schaffen Sie eine Balance: Ausschließlich Jobs zu posten, verprellt mögliche Follower. Wechseln Sie die Inhalte Ihrer Tweets. Mal Jobposts, mal News zum Büroalltag, gerne auch mal etwas privater.
- Bauen Sie Ihr Follower-Netzwerk gezielt aus. Sprechen Sie auch Ihre Kunden an. Per E-Mail können Sie über Twitter Follower gezielt einladen. Weisen Sie auf Ihrer Website auf Ihren Twitter-Account hin. Auch so können Sie Follower generieren.
- Verbessern Sie die Auffindbarkeit Ihrer Kurzmitteilungen über Hashtags. Kennzeichnen Sie Schlagworte mit dem #-Zeichen, so werden Sie über die Twittersuche besser gefunden.
- Bedenken Sie, dass der Micro-Bloggingaccount regelmäßig gefüttert werden will. Und das kostet Zeit. Selbst wenn die Kommunikation im Netz vermeintlich locker ist: Die Kommunikation als Arbeitgeber kostet mehr Zeit und sollte eine langfristige Employer Branding Strategie verfolgen.
- Erwarten Sie keine kurzfristigen Erfolge, bringen Sie ein wenig Geduld mit.
- Anstatt selbst Stellenangebote zu zwitschern: Es gibt bereits erste Dienste, die das Schalten von Werbung ermöglichen.
- Analysieren Sie über Monitoring-Tools, ob Sie einen messbaren Erfolg erzielen. Wie viele beziehungsweise welche User kommen via Twitter auf Ihre Unternehmenswebsite?
Noch ist Recruitment bei Twitter relativ neu, die Erfahrungen jung. Im englischsprachigen Raum allerdings, wird Twitter schon heute häufiger dafür genutzt. Accounts, die Stellenanzeigen twittern, gibt es relativ viele. Wie erfolgreich diese tatsächlich sind, bleibt offen. Deutsche Unternehmen müssen die Akzeptanz von Twitter noch testen. Aber geschickt eingesetzt, kann das Medium in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen – insbesondere auch im Recruitment
Über die Autoren:

Lutz Altmann ist Geschäftsführer von humancaps consulting Ltd. Als Personalberatung bietet human-caps consulting Unterstützung bei der Suche nach Top-Kandidaten aus den Branchen New Media, Online, E-Commerce und Mobile an. Des Weiteren unterstützt die Beratung vor allem junge StartUps beim Aufbau einer individuellen und authentischen Personalmarketing-Strategie. Michaela Schröter ist bei humancaps consulting zuständig für den Bereich Marketing & PR. Sie berät und unterstützt Kunden bei der Umsetzung von Employer PR-Maßnahmen.
Folgen Sie gerne auch den Twitter-Accounts von humancaps: http://twitter.com/humancaps_pr und http://twitter.com/humancaps_jobs.
Achtung! Workshop-Aktion von humancaps:
“humancaps consulting bietet exklusiv bei gruenderszene.de für ein Unternehmen einen kostenlosen halbtägigen Workshop zum Thema Personalmarketing an. Schildern Sie uns, gerne auch nur in 140 Zeichen, warum ein gemeinsamer Informationsaustausch zum Personalmarketing für Ihr Unternehmen interessant sein könnte. Wo sehen Sie Ansatzpunkte eines crossmedialen Personalmarketings für Ihr Unternehmen? Senden Sie uns einfach bis zum 20. Mai 2009 eine E-Mail mit dem Stichwort gruenderszene an schroeter@humancaps.com. Wir werden aus den eingegangenen Vorschlägen dann unsere Auswahl treffen.”



Als Angestellter Follower eines Personalvermittlers zu werden ist aber auch nicht ganz ungefährlich, zumindest wenn der eigene Chef auch twittert.
Nach der Überschrift hat man schon keine Lust mehr weiterzulesen. Kann man so ein Artikel nicht auch mit weniger Anglizismen schreiben?
Ein sehr interessanter Artikel und Beitrag!
Nur der guten Form halber möchte ich darauf hinweisen, dass mein Arbeitgeber, die BearingPoint Deutschland GmbH, seit Mitte Januar 2009 unter dem Kanal http://www.twitter.com/consultingjobs ebenfalls zum Zwecke des Recruitings twittert.
Als Senior Recruiter, der das Angebot angestoßen hat, kann ich mir diesen Hinweis einfach nicht entgehen lassen ;-)
Beste Grüsse
Heiko Schomberg.
[...] zusehend auch ein Instrument für FIrmen und professionelle Internetakteure, wie Gründerszenes Artikel zum Recruiting über Twitter oder entsprechende Monetarisierungspläne von Twitter selbst ja [...]
geschätze 6 Mio user auf twitter? wo ist denn die zahl her? meine mich erinnern zu können, dass es wenselich mehr waren… eher 60 mio oder mehr…
Also meiner meinung nach macht Twittern für das Employer Branding nur Sinn, wenn man es über die Accounts der Mitarbeiter macht. Denn wer folgt schon aktiv einem Unternehmen. Viel spannender ist es doch wenn Mitarbeiter über Twitter ab und zu mal von ihrer Arbeit berichten und dann auch gleich noch einen Job über diesen Kanal empfehlen.
Die Angaben zu den Userzahlen sind in den verschiedenen Medien sehr unterschiedlich. Es können nun gut und gerne 60 Mio oder mehr weltweit sein. Die geschätzten 6 Mio User haben wir als aktive User verstanden.
Doch die reine Anzahl der User wird ständig anwachsen und dies macht Twitter weiter noch interessanter für Unternehmen. Und dies ist unbestritten, oder?
Employer Branding direkt und authentisch über die Mitarbeiter ist ein sehr guter Ansatz. Doch wir denken, auch Accounts von Unternehmen, wie HR oder Geschäftsführung, können eine persönliche Kommunikation für ein glaubwürdiges Personalmarketing aufbauen.
Beides geht!
[...] (Gründerszene): Zehn Tipps, wie Gründer Twitter zur Suche nach Mitarbeitern nutzen [...]
[...] hat für Unternehmen, die den Einstieg in die „Twitter-Welt“ wagen möchten, in einem Artikel eine kurze, lesenswerte Checkliste [...]
[...] “Gründerszene”: Serie Personalmarketing X.O: Twecruitment – Twitter als neues Recruitment-Tool: http://www.gruenderszene.de/hr/serie-personalmarketing-xo-twecruitment-twitter-als-neues-recruitment... [...]
Die Überschrift des Beitrages ist Euch gut gelungen: Serie Personalmarketing X.O: Twecruitment – Twitter als neues Recruitment-Tool
: )
Wir suchen unsere Leute fast ausschließlich über Twitter. Dort sind sie ja alle versammelt die Entwickler, Texter, Kreativen. Es gibt unserer Meinung kein besseres Medium neue Stellen zu besetzen als über Twitter oder Twecruitment, wie ihr das nennt. Ach stop, über die Gründerszene geht es natürlich schneller. Wir suchen: Entwickler (PHP, Flash), Texter mit journalistischer Ausbildung, Journalisten (investig. Jour), Webdesigner der Hochschule Halle oder Berlin.
Sommerliche Grüße!
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