Startup Praktikum

In vielen Branchen ist es heutzutage eine Notwendigkeit, ein Praktikum absolviert zu haben, bevor man eine Festanstellung erhält. Für Praktikanten bieten Startups eine hervorragende Gelegenheit, einmal Mäuschen und bei noch jungen Startups auch kurzfristig “Co-Founder” zu spielen. Nicht zuletzt wurden auch aus Praktikanten wie Christian Vollmann und Ehssan Dariani sehr schnell selbst erfolgreiche Gründer. Nicht jedes Startup ist aber ein geeignetes für einen zielstrebigen Praktikanten. Wie findet man nun das richtige?

Startup-Praktikum suchen: am besten gar nicht

Wer sucht, der findet. Wer gefunden wird, der muss nicht suchen. Am besten organisiert man selbst etwas Interessantes und wird unwiderstehlich für einen Unternehmer. Selbstverständlich darf man hier nicht das Marketing vergessen. Auf Messen und Events trifft man Gründer. Weiß man, wie man sich in 60 Sekunden optimal vorstellt, so hat man schnell einen Vertrag in der Tasche. Denn genau solche Verkäufertypen sind es, die auch ein Produkt an den Kunden bringen können.

Oder wie wäre es mal mit einer guten Idee, wie man ein Produkt eines Startups verbessern könnte? Einfach mal ansprechen lautet die Devise. Dadurch kann sich so manch ein Kontakt entwickeln und vielleicht wird dann auf einen die Verantwortung übertragen. Man muss sich ebenfalls in die Idee, Philosophie und Kultur des jeweiligen Startups verlieben. Man arbeitet nur dort am besten, wo man sich am glücklichsten und nützlichsten fühlt. Außerdem muss man von einem Produkt erst selbst überzeugt sein, ehe man andere davon überzeugen kann.

Es geht also nicht darum, ein Praktikum bei einem Startup zu machen (und womöglich Dutzende fast identische Bewerbungen abzusenden), sondern das Praktikum zu meistern.

Ziele setzen: wissen, was man im Praktikum will

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So wie man seine Stärken kennen muss, ist es auch notwendig, seine eigenen Präferenzen zu kennen. Es geht hierbei nicht nur darum zu unterscheiden, ob man lieber ein Programmierer, Berater oder ein Verkäufer ist – einige dürften alle Abteilungen in einem Startup durchwandern – viel wichtiger ist es, die Erwartungen an das Praktikum zu kennen und dadurch auch das geeignete Unternehmen auszuwählen.

Will ich selbst Gründer werden, kann es von Vorteil sein, in einem sehr kleinen Team anzuheuern. Will man hingegen nur “reinschnuppern”, so sollte man sich einen Platz aussuchen, der keine übermäßige Hyperaktivität verlangt, wie dies sonst bei sehr neuen Teams der Fall ist. Will man seinen Lebenslauf aufpolieren, so sucht man sich einen großen Marktführer heraus. Will man sein persönliches Netzwerk erweitern, so sind wiederum andere Startups gefragt. Auch ist es wichtig zu wissen, ob man eher der Technikfreak ist oder kleine Einstiegsbarrieren bevorzugt.

Ganz wichtig ist es also Ziele zu formulieren. Statt quantitativer sind hierbei qualitative oftmals besser. Sich als Ziel zu setzen, 100 neue Kunden zu gewinnen, ist leistungsorientiert. Leistung sollte zwar nie zu kurz kommen; trotzdem ist es besser, wenn man sich als Ziel setzt, Kunden besser zu verstehen und überzeugen zu können. Dies sind nämlich Fähigkeiten, die man auch nach dem Praktikum behält.

Ein Ergebnis an sich hilft einem nicht wesentlich weiter, sondern sieht nur schick aus. Erworbene Fähigkeiten kann man hingegen auch noch später in eigenen Projekten anwenden. Selbstverständlich können Fähigkeiten als Ursachen und Ergebnisse als Wirkungen zeitlich in einem Praktikum einhergehen. So lernt man etwas und hilft gleichzeitig dem Unternehmen: eine optimale Win-Win-Situation.

Startup-Praktikum: Falltüren vermeiden

So wie ein guter Gründer nicht nach der erstbesten Idee sein Startup ausrichtet, sollte auch ein Praktikant nicht das erstbeste Unternehmen wählen. Nicht alles was momentan „hot, hot, hot“ aussieht, wird sich auch in den zwei bis drei Monaten Praktikum so anfühlen. Da es oft vorkommt, dass bis zum Praktikumsbegin einige Monate verstreichen können, sollte man auch nicht die Unternehmen wählen, die bis dahin möglicher Weise Mitarbeiter entlassen, sondern die, die dynamisch bleiben.

Auch werden Praktikanten – unabhängig von der Branche – manchmal als Kaffeekocher eingesetzt. Obwohl Startups keine komplexen Hierarchien und versnobte Vorgesetzte kennen, ist dennoch Vorsicht geboten. Man will schließlich nicht das gesamte Praktikum im Call-Center verbringen – noch dazu bei einer kleinen Vergütung.

Und das führt gleich zum nächsten Punkt, dem Geld. Banken, Wirtschaftsprüfer und Beratungen bieten Praktikanten ähnliche Arbeitszeiten wie Startups aber dafür oft ein Vielfaches der Vergütung. Wieso sollte man dann nicht zu ihnen gehen? Einen Startup-Praktikanten reizt nicht so sehr das Geld an seinem Praktikum, sondern vielmehr die Chancen, die Kreativität und Kultur. Die Vergütung darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Startups haben wenig Geld und zahlen kleine Gehälter. Dennoch sollte man als Praktikant darauf achten, dass man nicht selbst im Endeffekt Lehrgeld dazuzahlt.

Abschließend kann man sagen: ein Praktikum soll sowohl Spaß als auch eine lehrreiche Erfahrung bereiten. Einem Praktikum, das dies nicht erfüllt, sollte man nicht nachlaufen, nur um ein Praktikum absolviert zu haben.

Bild: Martin Schneider / pixelio.de
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