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Ann-Carolin Helmreich

Ann-Carolin Helmreich baute zunächst Employer Branding-Kampagnen bei studiVZ, bevor sie sich mit einer kleinen Unternehmensberatung für e-Recruiting und Employer Branding zusammen mit ihrem Kollegen Sascha Kubak selbstständig machte. Mittlerweile leitet sie bei der Jobbörse Absolventa (www.absolventa.de) den Bereich Services, der maßgeschneiderte Lösungen rund um das Recruiting von Absolventen und Young Professionals anbietet.

Ann-Carolin, Ihr seid ja wahre Twitter-Promoter. Was ist so spannend am twittern und warum kann es für Unternehmen interessant sein?

Twitter ist schneller, direkter und aggregierter als andere Social Media Tools. Am Anfang ist es allerdings wirklich verwirrend und es braucht ein paar Tage, bis man zwischen Sinn und Unsinn unterscheiden kann. Danach gibt es zwei Kategorien von Usern. Die einen bleiben und werden mehr oder minder süchtig, die anderen nutzen es nie wieder. Für Unternehmen ist es interessant, weil man unkompliziert Kontakt zur Zielgruppe aufbauen kann, innovativ auftritt und Trends sich über Twitter schnell erkennen lassen.

Gibt es eine Unternehmensphase, in der die extensive Nutzung von Twitter besonders sinnvoll ist bzw. eignet es sich eher für StartUps oder doch für große Unternehmen?

Für alle gleichermaßen – nur unter verschiedenen Voraussetzungen. Als StartUp kann man schon während der Gründungsphase twittern und so schnell zur Zielgruppe vordringen und auf sich aufmerksam machen. Das läuft meist in einer lockeren Tonalität und ohne große Vorgaben. Sobald man größer wird oder es schon ist, gibt es ein Problem, das Twitter verfolgt – die Kommunikationsabteilung. In vielen mittelständischen und großen Unternehmen will die Kommunikationsabteilung alles absegnen, ein wahrer Tod für Twitter. Hier sollte man sich also Guidelines bauen anstatt jeden Tweet absegnen lassen zu müssen – dann kann man es nämlich gleich bleiben lassen.

Für welche Aufgaben oder Bereiche im HR-Management ist Twitter konkret nutzbar?

Ganz klar Employer Branding. Hier zeigt man schon durch die pure Anwesenheit, dass man den Trendzug nicht verpasst hat. Wer jetzt noch spritzig kommuniziert und den direkten Dialog mit anderen Usern nicht scheut, kann eigentlich nur gewinnen. Abwechslungsreiche Tweets über Arbeitsalltag, Themenreihen wie „Bewerbertipps“ und live twittern von Messen oder Vorträgen haben sich bewährt. Was Twitter im direkten Recruiting für einen Nutzen bringt, also wie viele Bewerber sich durch Twitter erzielen lassen, ist noch unklar. Natürlich ist das auch stark abhängig von der Onlineaffinität der Zielgruppe eines Unternehmens. Sollte man nur deshalb einen Twitter-Account anlegen, dürfen die Erwartungen nicht zu hoch sein bis man sich einen ansehnlichen Followerstamm zugelegt hat, der das eigene Gesuch verbreitet.

Wird Twitter da nicht überschätzt?

Gut möglich. Bis heute kann keiner genau sagen, wie der Twittertrend sich in der Personalerwelt verfestigen wird. Dass Twitter aber schon in großen Medien häufig erwähnt wird, zeigt, dass es an Bedeutung gewinnt. Vor ein paar Wochen hat sich meine Großmutter von mir erklären lassen, was Twitter eigentlich ist, weil sie davon so oft in den Nachrichten gehört hat. Klar spricht Twitter nur einen sehr onlineaffinen Zweig an, aber der wächst immer weiter und in Twitter wird er bestimmt durch Leute mit hohem Bildungsabschluss und Berufslevel – vielleicht ein Zeichen, das Zwitschern ernst zu nehmen.

Viele – man muss leider sagen oft leidenschaftslose – Versuche Twitter für das eigene Unternehmen, insbesondere fürs Recruiting, zu nutzen scheitern. Was sollten Unternehmen also beachten und wie oder was sollten sie twittern?

Erst denken, dann twittern. Purer Aktionismus mündet oft in einem stillgelegten Twitteraccount. Zunächst sollte man sich Gedanken darüber machen, was man erreichen will. Twittert man nur für’s eigene Image, um neue Bewerber auf sich aufmerksam zu machen oder beides? Ist es sinnvoll einen Corporate-Account zu machen oder einen Mitarbeiter-Account? Am besten holt man sich, wenn man selbst nicht viel Erfahrung mit Social Media hat, einen Experten ins Haus. Das muss gar nicht teuer sein und hilft oft, die Sache schnell und gekonnt auf die Schiene zu bringen.

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Es fordert ein Umdenken. Das aktive Zugehen auf die Zielgruppe fällt vielen Personalern immer noch schwer. Man hat sich so ein bequemes Nest gebaut und möchte da nicht wirklich in neue Gefilde eintauchen – das kennt ja jeder von sich selbst. Aber im viel zitierten „war of talents“ bleibt bald nichts anderes mehr übrig als neue Wege zu gehen. Geld für teure Recruitingevents oder riesige Messestände wird gestrichen, also muss man erfinderisch werden. Social Media kostet ja „nur“ Arbeitszeit, aber sonst sind keine Investitionen nötig. Der Personaler 2.0 ist in einigen Dax-Unternehmen bereits zu finden, aber Du hast schon recht, viele sind es nicht, die meisten kenne ich mittlerweile persönlich und viele Hände braucht es nicht, sie zu zählen.

Ihr habt ja, um die komplette Branche an das Thema Social Media heranzuführen, die Veranstaltung ‚Twitter meets HR‘ ins Leben gerufen – eine sehr gute Idee wie ich finde! Natürlich waren die onlineaffinen Vorreiter der Branche dabei. Gab es auch schon Teilnehmer der Offline-Welt, sozusagen den vorhin erwähnten klassischen Personaler?

Die Teilnehmer sind bunt gemischt. Bei jedem Treffen gibt es Teilnehmer, denen ich erstmals erklären muss, was Twitter eigentlich ist und welche, die bereits sehr erfolgreich twittern. Wir wollen eine möglichst heterogene Veranstaltung, da das den Austausch fördert. Ein Impulsvortrag von einem bereits twitternden Unternehmen regt die Diskussion dann zusätzlich an. Welche Unternehmen so teilnehmen und wann unsere nächsten Veranstaltungen sind, kann man natürlich auf Twitter verfolgen: www.twitter.com/TmeetsHR. Für die nächsten Veranstaltungen haben sich u.a. die Deutsche Bahn, die Hypo Vereinsbank, Siemens und BMW angemeldet.

Der Umbruch im Denken und vor allem im Tun der meisten Personaler wird sicher noch einige Zeit auf sich warten lassen. Wie sieht Euer Plan für die kleine Kulturrevolution denn aus?

Missionieren! Mittlerweile sprechen sich unsere Veranstaltungen gut herum. Nicht nur, weil sie kostenlos sind, sondern auch, weil sie in lockerer Atmosphäre per Du die Möglichkeit geben, sich ungezwungen auszutauschen. Wir touren jetzt einmal durch Deutschland. Nach Hamburg, Berlin und Köln sind nun Düsseldorf, Stuttgart und München dran, für weitere Städte bin ich offen. Danach läuft es dann wohl auf einen Arbeitskreis hinaus mit denen, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen wollen.

Was glaubst du, wann bzw. wodurch es dann den spürbaren Ruck in der Branche geben wird?

Schwer zu sagen. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder er wird durch ein konsequentes Umdenken in den Personalabteilungen ausgelöst, weil irgendwann nicht mehr genügend geeignete Bewerber generiert werden können oder er kommt mit einer neuen Generation an Personalern 2.0, die an den Unis gerade ausgebildet werden und Digital Natives sind.

In jedem Fall ist es allerdings sinnvoll, sich schon jetzt, egal ob die HR-Welt die Nutzbarkeit anerkennt, mit dem Thema zu beschäftigen und die Vorteile, die Twitter bieten kann, mitzunehmen.

Ann-Carolin, vielen Dank für das Interview.

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