Unternehmenswachstum

Nach einem Jahr war der nette Marian plötzlich nicht mehr da. Der engagierte Alleskönner: Von einem Tag auf den anderen durch einen Marketingfachmann ersetzt, die PR verantwortete jetzt eine Agentur. Seitdem die Geschäftsführung alles neu strukturierte, hatte sich auch das Arbeitsklima verändert. Auf der einen Seite die Mitarbeiter der ersten Stunde, auf der anderen die Neuen. Es hatten sich Cliquen gebildet und statt freundschaftlichem Gründergeist herrschten Reibereien und Machtkämpfe. Teamgeist ? Ausgehaucht!

Von Generalisten zu Freiraum mit Vorgaben

Diese Szene beschreibt eine typische Situation in Unternehmen, deren Strukturen sich aufgrund schnellen Mitarbeiterwachstums plötzlich verändern. Während in der Gründungsphase handlungsorientierte Gestalter und Generalisten gefragt sind, die sich selbst steuern und organisieren, erfordert die Wachstumsphase eine strukturierte Herangehensweise und klare Führung – Handeln mit Freiraum, aber nach Vorgaben. Während am Anfang Freundschaft und Arbeiten auf Augenhöhe Erfolgsprinzip war, dämpfen jetzt Einschränkungen die Motivation.

Nun ist es die schwierige Aufgabe der Führung, neue Ziele und Werte zu definieren und vorzuleben, denn die Mitarbeiter müssen sich in neuen Rollen und Teams zusammenfinden. Das ist nicht anders als bei einer Fußballmannschaft: Wenn neue Spieler dazukommen, gerät die Mannschaft aus den Fugen, denn die Rollen müssen sich jetzt neu finden. Fußballfans können das jede Woche in der Bundesliga beobachten: Bei Spielerveränderungen braucht es fast immer eine längere Zeit, bis das Team wieder Tore schließt und Siege einfährt.

Veränderung der Rollen in einem Unternehmen

Da reicht es nicht, einen neuen Kapitän als formellen Führer aufzustellen – dieser muss sich auch bewähren. Im Unternehmen ist dies genauso: Jede personelle Veränderung führt dazu, dass sich alte Rollen auflösen, bevor sich neue finden. Wenn die Führung jetzt klare Orientierung gibt, kann neuer Teamgeist entstehen. Wenn nicht, wird hohe Fluktuation die Folge sein.

Tipps für Inhaber und Führungskräfte von StartUps:

  • Welche Eigenschaften brauchen neue Mitarbeiter? Besetzen Sie neue Stellen nicht nur nach fachlichen Anforderungen, sondern auch nach persönlichen. Persönlichkeitstests wie das Reiss-Profil oder auch der Meredith-Belbin-Test helfen dabei.
  • Führen Sie Zielvereinbarungen für Teams ein. Legen Sie mit dem Team gemeinsam fest, was erreicht werden soll. Dabei müssen die Ziele eindeutig und messbar sein – und schriftlich niedergeschrieben.
  • Trennen Sie sich zur Not von Mitarbeitern, die in der Aufbauphase wichtig waren, aber sich in der Professionalisierungphase nicht einfügen wollen. Jede Unternehmensphase braucht andere Persönlichkeiten.

Als Mitarbeiter

  • Wachstum ist eine tolle Chance, um sich zu positionieren: Bringen Sie sich für Funktionen ins Spiel, die Sie interessieren.
  • Wachstum bringt auch neue Projekte: Engagieren Sie sich dabei, das Unternehmen voran zu treiben.
  • Gehen Sie locker damit um, dass es nicht mehr ganz so freundschaftlich zugeht. Studien besagen: Teamarbeit ist bei einem mittlerem Streitniveau am effektivsten. Also: Ein paar Konflikte sind durchaus gut für die Firma.
Bildmaterial: Phaewilk