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Es ist schon ein bisschen ironisch, dass eine Meldung zu Massenentlassungen gerade von einem Jobdienstleister ausgeht. Aus unterschiedlichen Quellen erreichten Gründerszene Gerüchte über den hohen Stellenabbau bei 1000Jobbörsen in der Zeit von November 2011 bis Februar 2012. 1000Jobbörsen-CEO Florian Behn stellt sich den Vorwürfen im Gründerszene-Interview.

Florian Behn über den Stellenabbau bei 1000Jobbörsen

Seit Juni 2009 hat sich 1000Jobbörsen (www.1000jobboersen.de) der Aggregation von Jobportalen verschrieben; Arbeitgeber können über die Plattform Stellenanzeigen breit schalten. Seitdem flossen dem Berliner Unternehmen zweimal sechs– bis siebenstellige Eurobeträge durch Neuhaus Partners (www.neuhauspartners.com), den High-Tech Gründerfonds (www.htgf.de) und Hamburg for Mobile zu. Kürzlich erfuhr nun Gründerszene aus gut unterrichteten Kreisen, dass sich das Startup im vergangenen halben Jahr von rund 26 Mitarbeitern getrennt haben soll.

Das Vorgehen soll dabei teilweise „unschön“ gewesen sein. So soll ein kurz nach der zweiten Finanzierungsrunde im September 2011 neugeschaffener Marketingbereich wenige Monate später fast vollständig wieder eingestampft worden sein. Auch im Servicebereich soll es zu größeren Entlassungen gekommen sein. Es stellt sich die Frage, ob ein gewünschtes Umsatzwachstum ausblieb? Grund genug für Gründerszene, einmal bei der Geschäftsführung des Stellenportals nachzuhaken. Gegenüber Gründerszene bestätigt 1000Jobbörsen-CEO Florian Behn die Entlassung von mindestens zehn Prozent der Belegschaft und gibt sich bedauernd.

Nachdem das Team ab September 2011 von zirka 80 auf rund 100 Mitarbeiter angewachsen war, sollen Ende 2011 etwa zehn und Ende Februar 2012 noch einmal sechzehn Mitarbeiter aus dem Back-Office von 1000Jobbörsen entlassen worden sein. Stimmt das?

Vor rund drei Jahren, Ende 2009, sind wir mit fünf Leuten an den Start gegangen. Es folgte 2010 der kontinuierliche Aufbau und 2011 sind wir dann innerhalb kürzester Zeit mit der Dynamik und Nachfrage im Markt richtig stark gewachsen. Da blieb es nicht aus, weitere Mitarbeiter einzustellen, um so den Kunden auch weiterhin eine exzellente Dienstleistung bieten zu können. Dieses Wachstum war, im Nachhinein betrachtet, jedoch auch unser größtes Problem. Wir haben dadurch einen Überhang an personellen Kapazitäten geschaffen, dem wir nur mit der Freisetzung von Mitarbeitern Ende 2011 begegnen konnten. Das war eine schwere Entscheidung.

Die andere – die Entlassung von Mitarbeitern im Februar 2012 ist davon gesondert zu betrachten. Seit letztem Jahr haben wir unsere operativen Prozesse kontinuierlich automatisiert und mit einer neuen Systemeinführung in diesem Frühjahr komplett umgestellt. Der Kunde erhält nun einen schnelleren effizienteren Service. Sicherlich war auch schon vor sechs Monaten klar, dass Veränderungen folgen würden, doch nicht die Reichweite.

Als Learning für andere Startups können wir nur mit auf den Weg geben: Nehmt euch lieber am Anfang etwas mehr Zeit für die internen Prozesse, auf denen ein rasantes Wachstum aufbauen kann und überlegt bei jeder Einstellung, ob dieser Mitarbeiter sich auch mittel- und langfristig mit dem Unternehmen entwickeln kann.

In welchen Bereichen wurden die Entlassungen vorgenommen und warum?

Die Freisetzungen erfolgten vor allem im Service. Im Februar wurden fünf Abteilungen im Zuge der Umstrukturierung zu zwei Bereichen zusammengelegt. Ein Mitarbeiter ist nun jeweils Ansprechpartner für einen Kunden und verantwortet alle Aufträge des Kunden von A bis Z. Das hat zum Vorteil, dass die internen Absprachen und Wege verringert werden, jeder Mitarbeiter vielfältigere Aufgaben erhält, der Service effizienter ist und nicht zuletzt die notwendigen Anpassungen der Kosten möglich sind. Die Mitarbeiter und das Unternehmen profitieren davon zukünftig, auch wenn die Einschnitte in der Vergangenheit schmerzhaft waren.

Wie ist die Performance von 1000Jobbörsen derzeit und wie war sie im Laufe des vergangenen Jahres? Ist wie erhofft Wachstum nach der zweiten Finanzierungsrunde im September 2011 eingetroffen beziehungsweise inwiefern nicht?

Wir setzen unseren Wachstumskurs von 2011 weiter fort und haben einen Riesenschritt in Richtung Automatisierung und Customer-Happiness gemacht. Die zweite Finanzierungsrunde letztes Jahr war ein essenzieller Bestandteil, um diese Leistung und Durchschlagkraft aufzubauen. Was sicherlich für uns am herausforderndsten war, sind jeweils die Phasen nach den Freisetzungen. Denn egal, wie gut man es gestaltet: Deine Mitarbeiter sind die Basis deines Unternehmens und eine solche Entscheidung hinterlässt zeitweilig Spuren.

Waren die Kündigungen absehbar? Welche Fehler hätte die Geschäftsführung vermeiden können?

Wie schon weiter oben erwähnt, die Kündigungen waren so nicht absehbar. Als Unternehmer ist man stets dabei, die nötigen Stellschrauben für zukünftige Entwicklungen frühzeitig zu ziehen, Trends abzuschätzen. Ich habe es vorher nicht glauben wollen, aber es gibt tatsächlich diese magische Grenze von 100 Mitarbeitern, ab der sich eine gewisse Trägheit ins Unternehmen bringt, die Entscheidungen langsamer und die Führungsaufgaben intensiver werden.

Erreicht man diese Grenze auch noch katapultartig, hat man erst mal was zu verdauen. Das zu verhindern, kann man leider nicht theoretisch lernen. Ich würde mich freuen, wenn allein durch dieses Interview anderen Entrepreneuren der Schritt erspart bleibt. Heute weiß ich, dass wir die entsprechende Struktur frühzeitiger hätten implementieren oder auf die Bremse treten müssen.

In welcher Form sind die Entlassungen vorgenommen worden?

Es gibt nur zwei Wege: kurz und schmerzlos oder verteilt und langgezogen. Ich bevorzuge Ersteres. Die Entlassungen im Februar haben wir an einem Tag in Einzelgesprächen durchgeführt. Uns war es wichtig, allen Mitarbeitern die Nachvollziehbarkeit und Fragen zu ermöglichen. Alle Mitarbeiter haben ein Paket aus Abfindung, Bewerbungstraining, Freistellung und Unterstützung bei der Jobsuche vor allem durch unsere emsige Personalabteilung erhalten. Uns war es wichtig, unsere Mitarbeiter zu befähigen, so schnell wie möglich wieder Fuß zu fassen. All das, was wir in unserer Position als Startup ermöglichen konnten.

Stimmt es, dass aktuell auch Veränderungen im Management oder bei Investoren stattgefunden haben – wenn ja, welche?

Seit der ersten Finanzierungsrunde im Juli 2010 hat sich an der Zusammensetzung der Investoren nichts geändert. Im Gegenteil, mit den bestehenden Investoren arbeiten wir weiterhin sehr eng zusammen. Zum Managementteam: Das Management war von der Umstrukturierung ausgenommen. Allerdings bedingt das starke Wachstum der Gesellschaft auch Erweiterungen im Management-Team, die wir gemeinsam mit den Investoren gerade planen und kurzfristig umsetzen werden. Neben dem Head of Finance gehört hier auch ein erfahrener Operations-Manager dazu – vielleicht kennen Sie ja einen guten ;)?

Florian, danke für das Gespräch.