Alive Interview

Martin Strunk (l.) und Kajetan v. Armansperg

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Jeder Mensch hat Ziele und Träume – sei es das Erlernen einer neuen Sprache, der Marathonlauf oder die Reise um die Welt. Allerdings werden viele dieser Ziele allzu oft nicht erreicht. Dieses Problem liegt oft weniger in mangelnden Ressourcen, sondern vielmehr in mangelndem Fokus und fehlender Motivation begründet.

Wir lösen dieses Problem mit Alive (www.alive.do), einer sozialen App, die beim Erreichen persönlicher Ziele hilft. Unser Ansatz: Langfristige Ziele werden in kleine Schritte zerlegt – der Erfolg ist damit täglich greifbar. Das Teilen des eigenen Fortschritt mit Freunden und Gleichgesinnten wirkt dabei nicht nur motivierend, sondern kann auch ungeahnte Unterstützung freisetzen. Zudem verwandeln wir den oft mühseligen Weg zum Erfolg in ein motivierendes Spiel – man kann Punkte verdienen, sich im Wettbewerb mit Freunden messen, auf ihren Erfolg wetten und schließlich Preise gewinnen.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Zwei Eindrücke haben zur Idee von Alive geführt: Zunächst haben wir – wie viele andere Studenten – während des Studiums immer wieder gemerkt, wie viel es noch zu lernen und entdecken gibt. Am Ende des Studiums kam dann die Frage auf, was man im Leben eigentlich noch alles sehen, tun und erreichen möchte – wir brauchten eine Art “Bucket List”. Der zweite Eindruck betrifft die Umsetzung dieser Pläne: Bei der Vorbereitung eines Marathonlaufs haben wir festgestellt, wie viel einfacher die Bewältigung eines großen Ziels wird, wenn man sich kleine, erreichbare Schritte vornimmt und die Herausforderung gemeinsam mit Freunden angeht.

Aus diesen beiden Eindrücken entstand die Idee zu Alive – einer sozialen App zum Erreichen persönlicher Ziele. Wir glauben, dass menschliches Potenzial zu oft ungenutzt bleibt – und dass dieses Potenzial mit der Fokussierung auf wichtige Ziele und dem richtigen Mechanismus zur Umsetzung freigesetzt werden kann.


Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Wir sind zu zweit: Kajetan und Martin. Kajetan hat schon zu Schulzeiten programmiert, seinen Zivildienst in Guatemala geleistet, anschließend VWL in Mannheim studiert und Praktika unter anderem in der Beratung und in der Entwicklungszusammenarbeit gemacht. Martin hat Economics in Maastricht und Hongkong studiert und Erfahrung im Investment Banking und Business Development gesammelt. Kennengelernt haben wir uns beim Master-Studium an der HEC Paris.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Es gibt eine Reihe von Apps, die Sekunden- und Meter-genaues Tracking der persönlichen Leistung ermöglichen, insbesondere im Fitness-Bereich. Wir wählen bewusst einen anderen Ansatz und setzen statt technischer Kontrolle auf soziale Motivation. Wie viel genau gelaufen wurde, ist weniger wichtig als die Tatsache, dass der innere Schweinehund überwunden und überhaupt gelaufen wurde.

Von zentraler Bedeutung ist für unsere App daher ein spielähnliches Punktesystem: Man kann sich nicht nur mit Freunden auf “Challenges” messen, sondern auch einen Teil der verdienten Punkte auf den Erfolg anderer “wetten” – sobald sie den nächsten Schritt machen, erhält man seinen Einsatz samt eines Bonuses zurück. Das soziale Umfeld des Freundeskreises hält unsere Nutzer übrigens auch davon ab, (grobe) Falschangaben zu machen. Zudem haben wir einige technische Barrieren implementiert, die dies verhindern.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Für viele der Ziele auf unserer Plattform benötigt man bestimmte Dinge – ein Marathonläufer braucht beispielsweise Schuhe. Wir schließen Partnerschaften mit Unternehmen ab, die als Belohnung für die verdienten Punkte Rabatte auf diese Dinge gewähren – mögliche Partner sind beispielsweise Sportartikelhersteller, Hersteller von Outdoor-Bekleidung, Reiseanbieter, Fitnessstudios oder Sprachschulen.

Aus Sicht der Partner ist dies interessant, da unsere Nutzer sehr aktiv an bestimmten Zielen arbeiten (und damit ein Signal senden, welches deutlich stärker ist als beispielsweise ein einfaches “Like” auf Facebook ). Für unsere Nutzer ist dies interessant, da sie diese Dinge zum Erreichen ihrer Ziele tatsächlich benötigen. Eine Win-Win-Situation.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Alive ist von den Gründern selbst finanziert. Nachdem wir das Produkt an den Markt gebracht und bisher sehr positives Nutzerfeedback erhalten haben, sollte die Finanzierung für eine schneller Expansion nun ausgebaut werden.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Unser Team ist für die derzeitigen Anforderungen vollständig besetzt. Ein Investor und ein zusätzlicher App-Entwickler würden uns helfen, das Projekt schneller voranzubringen.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Edmund Hillary, der erste Mensch, der den Mount Everest bestiegen hat, ist für uns und das Konzept von alive ein großes Vorbild. Hillary hat gezeigt, dass ein ganz normaler (und in seinem Fall sehr bescheidener) Mensch in der Lage ist, Unvorstellbares zu erreichen, wenn er nur ausreichend motiviert ist.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Wir sind immer an neuen Kontakten interessiert – zur Zeit insbesondere an Business Angels, die unser Konzept als Mensch und als möglicher Investor spannend finden.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?



In einem Jahr werden wir die Arbeit an unseren ersten mobilen Anwendungen abgeschlossen, lokalisierte Versionen des Dienstes an den Markt gebracht und eine Schnittstelle zu anderen Produktivitäts-Diensten implementiert haben. Wichtiger noch: In einem Jahr werden mit Hilfe von Alive unzählige spannende Ziele erreicht worden sein!

Bild: Alive