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Unternehmer und Investor: Andreas Etten

Andreas Etten ist Unternehmer und Investor der Beteiligungsfirma Grey Corp. Zu seinen Jobstationen zählen unter anderem die Boston Consulting Group, mehrere Jahre an der Spitze der Scout24-Gruppe und Unternehmen wie die Dating-Seite Be2, wo er als COO agierte. Auf der Heureka Conference spricht Andreas zum Thema „Good start-up advice – What really works“.

Hallo Andreas, stelle dich bitte kurz vor.

Ich bin Unternehmer und habe seit 1996 mehrere Firmen im Internet-Umfeld gegründet und aufgebaut. Davor hatte ich bereits eine Firma gegründet und nach drei Jahren verkauft.
Seit 2005 investiere ich zusammen mit meinen beiden Partnern Jan Becker und Robert Wuttke auch in ausgewählte Startups.

Das ganze passiert über Grey Corp?

Grey ist unser Investment-Vehikel, über das wir gemeinsam unsere Beteiligungen halten.

Worin investiert ihr, zu welchem Zeitpunkt, mit welchem Einsatz und wie viel Prozent geben Gründer dafür?

Unser Kern sind Internet- oder Technologie-basierte Geschäfte, die man gut internationalisieren kann und bei denen unsere Erfahrungen relevant sind, meistens im B2C- oder im SME-Bereich. Wir selber betreiben verschiedene Unternehmen in über 30 Ländern und versuchen, unseren Beteiligungen auch über diese Business-Infrastruktur zu helfen.

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Wir engagieren uns meist früh, Pre-Seed und Seed, oder wir gründen gleich mit den Initiatoren zusammen. Manchmal stoßen wir auch selbst eine Idee an und suchen für die Umsetzung die richtigen Unternehmer. Darüber hinaus haben wir uns aber auch schon bei bereits erfolgreich etablierten Unternehmen beteiligt, wenn wir zur weiteren Entwicklung einen Beitrag leisten können. Nur selten haben wir das Erstinvestment im Rahmen einer Series A oder B gemacht.

Kannst du Beispiele eures Portfolios nennen?

Jüngere Beispiele in Deutschland sind Navinum (Online-Weinempfehlung) oder Everbasics (Mode für Männer) bei denen wir mit den Unternehmern eng zusammenarbeiten. Typischere Angel-Investments sind zum Beispiel Kreditech (Online-Kredite), Justbook (Last-Minute-Hotel). Insgesamt halten wir zirka 15 Investments (neben unseren Kerngeschäften).

Du titelst dich selbst eher als Co-Unternehmer denn als Investor. Wie ist das gemeint?

Wir sind keine VCs oder typische Angels, sondern Mit-Unternehmer oder Beiräte, denn wir bringen uns intensiv ein und versuchen den Gründern unsere Erfahrungen „bereit zu stellen“. Bei Unternehmen, in denen wir stärker engagiert sind, passiert es auch, dass wir phasenweise mitarbeiten – beispielsweise bei Strategie, Markteintritt in neue Länder, Marketing, interne Organisation oder natürlich externe Finanzierungsrunden. Das haben wir selbst ja alles schon rauf und runter gemacht. Aber selbstverständlich müssen die Unternehmer das wollen. Da gibt es ein klares „Pull-Prinzip“.

Außerdem investieren wir nur unser eigenes Geld.

Beispiele dafür sind Bonusbox (Social Loyalty Program, Berlin und Sao Paolo), Medx (Diagnoseplattform für Ärzte, Berlin) oder Climate Partner (SaaS-Lösung für Unternehmen zur Berechnung und Kompensierung von CO2-Emissionen, München).

Du warst jahrelang in der Szene unterwegs. Wie siehst du die Entwicklung der letzten Jahre?

Was sich sicher in unserem Umfeld geändert hat, ist der Aufwand, der nötig ist, ein Unternehmen zu starten. Heute gibt es Tools, Technologien und Plattformen, die den Start viel einfacher, schneller und kostengünstiger machen.

Zum anderen hat sich in den letzten Jahren eine „Angel-Szene“ entwickelt, die recht aktiv ist. Allerdings ist der VC zugleich quasi ausgetrocknet, was ein ziemliches Problem für Folgefinanzierungen ist.

Sind Startups heute so professionell wie „damals“?

Ich denke, es gibt heute wie damals professionelle und weniger professionelle Startups. Ich sehe da keine Unterschiede. Allerdings scheint mir, dass es heute mehr junge Gründer gibt, was vermutlich auch an den oben erwähnten niedrigeren Barrieren für den Start liegt.