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Felix Oldenburg von Ashoka im Interview

Ashoka (www.ashoka.org) ist nach eigenen Angaben das größte Netzwerk für Social Entrepreneure und derzeit in 70 Ländern aktiv. Mit dem Fellowship-Programm prämiert und fördert die Organisation Problemlöser weltweit. Felix Oldenburg ist der Hauptgeschäftsführer von Ashoka in Deutschland. Vor dem Netzwerk war er unter anderem Politikberater, arbeitete als Managementberater bei McKinsey und publizierte Werke zu den Themen Social Entrepreneurship, Bürgerbeteiligung, Governance und Corporate Social Responsibility.

Hallo Felix, stelle dich bitte kurz vor.

Ich konnte mich nie für einen Sektor entscheiden, und mein Lebensweg entspricht wahrscheinlich nicht dem, was man bei der Berufsorientierung hört: Als Teenager habe ich eine politische Jugendgruppe gestartet und als Philosophiestudent und Computer-Geek ein Online-Startup sowie das Netzwerk der Studienstiftler (vielleicht eines der ältesten Social Networks) mitgegründet. Nach dem Abschluss habe ich bei McKinsey gearbeitet und danach Bürgerbeteiligungsverfahren in ganz Europa hochgezogen, bevor ich den Anruf zu Ashoka bekam. Das hörte sich nach gleichen Teilen Unternehmertum, Charity und Politik an, war also genau mein Ding.

Was ist Ashoka?

Ashoka macht Venture Capital für soziale Gründer. Nur, dass wir unser Geld nicht zurück wollen.

Ashoka bietet auch in Deutschland das sogenannte Fellowship-Programm an. Wer kommt als „Fellow“ in Frage und was erwartet den/die Auserwählte/n?

Zuerst suchen wir nach einer neuen Idee zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems, die sich wenigstens schon im Kleinen bewährt hat. Wenn dann noch eine unternehmerische Persönlichkeit dahinter steht, die aus dieser Innovation eine große Sache machen will, dann schlagen wir zu. Wer nach einem intensiven Auswahlprozess dann lebenslang als Ashoka Fellow gefördert wird, erhält ein bedarfsorientiertes Stipendium, Pro-Bono-Beratung von McKinsey und vielen anderen sowie ein weltweites Netzwerk von Gleichgesinnten und Investoren. Heute fördern wir über dreitausend führende Social Entrepreneurs in 70 Ländern, darunter 45 in Deutschland.

Thema Social Entrepreneurship im Allgemeinen: Wie defininierst du es? Was sind bekannte und erfolgreiche Beispiele? Wohin geht der Trend?

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Social Entrepreneurs hat es schon immer gegeben – in Deutschland zum Beispiel der Erfinder der Genossenschaftsbanken, Raiffeisen, oder in Italien die Bildungspionierin Montessori -, aber erst seit Kurzem verstehen immer mehr Gesellschaften, dass es eine gewaltige Wirkung hat, ihre Ideen systematisch zu erkennen und zu fördern, und zwar nicht erst, wenn sie es geschafft haben und die Gründer tot sind. Ich glaube, wir haben in Deutschland einen Trend gestartet, aber jetzt kommt es darauf an, dass wir ein richtiges Wachstumsumfeld schaffen. Und da sind die Themen oft ähnlich wie bei anderen Gründern: Der Ashoka Fellow Frank Hoffmann zum Beispiel bildet blinde Frauen zu überlegenen Brustkrebs-Vorsorge-Untersucherinnen aus und sucht eine passende Wachstumsfinanzierung. Oder der Ashoka Fellow Klaas Glenewinkel braucht für seine Media-Agentur für Postkonfliktländer einen Geschäftsführer, um dort für die Wirtschaftlichkeit unabhängiger Medien zu sorgen.

Es scheint mehr Offline- als Online-Social-Entrepreneure in euren Reihen zu geben. Was ist der Grund? Ist es leichter offline direkt zu helfen, als online nach einer Lösung zu grübeln?

Das Problem bestimmt die Lösung, nicht anders herum. Und Lösungen kommen eben aus allen Ecken der Gesellschaft und haben unterschiedlichste Geschäftsmodelle. Aber auch Offline-Lösungen brauchen immer mehr Online-Fähigkeiten, und dafür bringen sich im Ashoka Support Network auch deutsche Online-Unternehmer wie Alex Samwer (Rocket), Christian Vollmann (eDarling), Florian Seubert (Zooplus) oder Arne Bleckwenn und Hinrich Dreiling (Wimdu) ein.

Auf den Apex Powersessions sprichst du zum Thema, ob Startups wirkliche Probleme lösen. Wie ist deine Haltung dazu? Gibt es zu wenige Problemlöser?

Klar, es gibt erst dann genug Problemlöser, wenn jeder einer ist. Uns ist egal, ob sich eine Lösung für ein gesellschaftliches Problem heute schon lohnt, so dass sofort ein profitables Unternehmen daraus entsteht, oder ob eine Lösung ihren Markt erst aufbauen muss und sich erstmal aus Fördermitteln finanziert. Meine Erfahrung ist, dass es immer mehr Menschen auch so geht, dass sie Karriere und Engagement nicht mehr trennen, sondern zusammen denken wollen. Es wird immer mehr hybride Organisationen und Lebenswege geben, die sich nicht mehr nach Wirtschaft oder Sozialsektor trennen lassen, sondern die einfach eine positive Wirkung haben wollen.

Wie ist Deutschlands Social-Entrepreneurship-Szene im internationalen Vergleich aufgestellt?

Was Social Entrepreneurship angeht, kommt Deutschland etwas spät zur Party, bringt aber dafür viel mit. Das Land der Ideen kann ganz schnell ein Land der erfolgreichen Social Entrepreneurs werden, wenn wir jetzt auch eher traditionelle Geldgeber und Sozialwirtschaft mitreißen.

Was kann getan werden, um das zu ändern? Kann die Politik oder gesellschaftliches Umdenken helfen?

Jeder Unternehmer freut sich, wenn die Politik mitzieht, lässt sich aber auch nicht davon abhalten, wenn sie es nicht tut. Genauso mit dem Umdenken: Da kann jeder bei sich und seinem Umfeld anfangen. Nicht fordern, einfach machen!

Vielen Dank für das Gespräch.

Felix Oldenburg ist auch Speaker auf der nächsten Power Session von Apex und VentureVillage und spricht zu dem Thema, ob Startups Probleme lösen.

 

 

 

 

Bild: IESE/Felix Oldenburg