Die überfällige Innovation: Onlinezahlungen nun auch bei Lieferdiensten. Die Enttäuschung: Pizza.de erwirkt vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen seinen Mitbewerber Lieferheld und deren Onlinezahlungsoption. Die Rechtslage: Ungewiss. Worauf sich Startups nach dem BaFin-Urteil einstellen müssen, ob Pizza.de rechtens handelte oder sich letztendlich nur selbst ins Bein schnitt, erklärt Lieferheld-CEO Fabian Siegel im Interview.
Das BaFin-Urteil kam für die meisten überraschend. Ein Grund hierfür ist sicherlich die undurchsichtige Rechtslage?
Im Rahmen der 2009er Novelle des ZAG (Gesetz über die Beaufsichtigung von Zahlungsdiensten) hat sich die Rechtslage für Anbieter von Zahlungsdienste geändert. Ziel der Novelle, womit eine entsprechende EU-Richtlinie umgesetzt wurde, ist eine verbesserte Bekämpfung von Geldwäsche und dem Schutz von Bankeinlagen. Gleichzeitig sind in der Novelle Ausnahmetatbestände vorgesehen, da die BaFin nicht jeden uns alles beaufsichtigen will und kann. In erster Linie möchte die BaFin eben Banken, E-Geld-Institute und andere Zahlungsverkehrsanbieter beaufsichtigen.
Es gibt jedoch bis heute so gut wie keine Aufsichtspraxis durch die BaFin, das heißt die BaFin hat sich zu den meisten Fragen die die Novelle aufwirft noch gar nicht geäußert.
In unserem Fall hat das Landgericht Köln im Rahmen eines Einstweiligen Verfügungsverfahren vorläufig entschieden, dass das juristische Modell, mit welchem wir die Onlinezahlung vertraglich geregelt hatten, einzustellen sei. Wir haben dem dann entsprochen, das juristische Modell entsprechend angepasst und waren somit in der Lage, ohne Einschränkungen weiterhin Onlinezahlung anzubieten. Wir sind aber der Meinung, dass die Entscheidung des Landgerichts Köln falsch ist und sind in Berufung gegangen.
Übrigens war sich das Landgericht Köln selbst nicht ganz sicher und hat in der Urteilsbegründung angegeben, dass falls die BaFin sich äußern würde, man das Urteil ja wieder aufheben könne. Die BaFin hat aber leider viel zu tun und es dauert Monate bis diese sich äußern kann.
Ist Onlinezahlung bei Lieferdiensten also doch komplett rechtens?
Wie bereits erwähnt konnte man bei Lieferheld immer – ohne Unterbrechung – bei teilnehmenden Restaurants und Lieferservices online bargeldlos bezahlen. Das war deshalb möglich, da wir nach dem Urteil des Landgerichts Köln auf ein anderes Vertragsmodell umgestiegen sind, welches unserer Meinung nach genauso wie unser vorheriges Modell keine Lizenz nach ZAG benötigt.
Wie sieht diese sogenannte Anpassung des juristischen Modells aus?
Ich bin kein Experte des ZAG, aber das Stichwort hier heißt “Vertreter mit Abschlussvollmacht”. Details sind über unsere AGBs ja jedermann zugänglich.
Wie würdest du dir eine moderne Umsetzung der BaFin-Regelungen vorstellen? Und warum werden diese nicht umgesetzt?
Da die Zielrichtung des ZAG in Richtung Geldwäsche und Einlagensicherung geht und ich auf dem Feld kein Experte bin, kann ich dazu nichts sagen. Ich bin aber sicher, dass es nicht zielführend ist, jegliches Startup, Technologienunternehmen oder sonstigen Mittelständler, der unter anderem im Rahmen seiner Tätigkeit etwas bezahlen lässt, unter Aufsicht der BaFin zu stellen. Das ist vermutlich auch nicht im Interesse der BaFin.
Gerichtlich durchgesetzt wurde das Urteil auf Anregung von Pizza.de. Schneidet sich der langjährige Marktführer damit nicht selbst ins Bein?
Uns hat es schon gewundert, dass anstelle Innovation im Sinne des Kunden voranzutreiben – unsere Kunden lieben Onlinezahlung – Pizza.de Onlinezahlung einfach verbieten wollte. Das ist Pizza.de glücklicherweise auch nicht gelungen. Interessanterweise bietet Pizza.de nun selber Onlinezahlung an – ohne eine Lizenz der BaFin zu besitzen. Es scheint, dass nach dem Lesen unserer Verteidigungsschrift Pizza.de nun auch verstanden hat, dass unser Modell nicht Lizenzpflichtig ist.
Hätte Pizza.de einfach zum Hörer gegriffen und gefragt, hätte man sich viel Zeit und Kosten sparen können – ganz zu schweigen von der Verunsicherung in der Branche, die Pizza.de erzeugt hat.


” Worauf sich Startups nach dem BaFin-Urteil einstellen müssen, ob Pizza.de rechtens handelte oder sich letztendlich nur selbst ins Bein schnitt, erklärt Lieferheld-CEO Fabian Siegel im Interview.”
Bei dieser Einleitung kann man ja nichts anderes als ein PR-Interview erwarten. Habt ihr auch Pizza.de um ein Interview gebeten? Oder ist sowas nur TEV-Beteiligungen vorbehalten?
Gründerszene wird leider immer mehr ein Sprachrohr von themenrelevanten News rund um TEV-Beteiligungen. Es lohnt sich schon fast gar nicht mehr hier reinzuschauen, da es ja kaum noch unabhängige Berichterstattung gibt.
Wie “Der Nick” schon schrieb, gehört zu einer ordentlichen Berichterstattung auch mal die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Auch ein Statement der Bafin lässt sicher nicht so lange auf sich warten. Nach einem informativen Telefonat und anschliessender E-Mail Anfrage zu dem Thema hatte ich bereits nach nicht ganz zwei Wochen ein Antwort von denen…
Und das sich Lieferheld hier als armes Opfer hinstellt ist auch lustig, kämpft TEV doch genauso mit harten Bandagen. Wenn LH seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, müssen sie sich halt an die eigene Nase fassen. So ist das Business halt.
[...] 5 Fragen und Antworten zum kontroversen BaFin-UrteilGründerszene.deDie Enttäuschung: Pizza.de erwirkt vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen seinen Mitbewerber Lieferheld und deren Onlinezahlungsoption. Die Rechtslage: Ungewiss. Worauf sich Startups nach dem BaFin-Urteil einstellen müssen, ob Pizza.de rechtens … [...]
Fände es auch gut, wenn hier mal wieder etwas mehr kritische Fragen gestellt würden und alle Seiten zu Wort kommen. Wie schon der Artikel zu testCloud vor ein paar Tagen ist auch der hier nur PR.
@Der Nick & Marie:
Ja, natürlich haben wir auch Pizza.de um ein Interview gebeten. Bisher blieben unsere Anfragen allerdings ohne Resonanz. Wir würden Pizza.de gerne die Möglichkeit der Gegendarstellung geben.
Also liebe Braunschweiger: Hiermit mochmal der Aufruf an euch, da unsere Anfragen an euch per Telefon und EMail bisher unbeantwortet blieben, vielleicht spricht euch ja dieses Kommentar an mal mit uns in Kontakt zu treten. :-)
@Thomas:
Natürlich ist Berichterstattung füber ein Startup immer PR. Denn schlechte PR gibt es bekanntlich nicht. Aber gerade bei jungen Startups (und testCloud war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gelauncht) wollen wir einfach auch mal nur einen ersten Einblick in die Unternehmensvielfalt geben, die es da draußen so gibt und damit Gründungsinteressierten Appetit auf die eigene Gründung geben. Sollten Fragen zu testCloud offen sein (und das sind sie anscheinend), dann kannst du dich gerne an einer Diskussion unter dem Artikel beteiligen :-)
“Ja, natürlich haben wir auch Pizza.de um ein Interview gebeten. Bisher blieben unsere Anfragen allerdings ohne Resonanz.”
Also ich würde auch keine Stellungnahme abgeben, wenn das Medium der Konkurrenz gehört.
@ Georg Räth:
Dass Pizza.de nicht antwortet ist zwar unsouverän, aber verständlich. Ich würde auch keinem Medium ein Interview geben, dass dem Gründer (TEV) meines Hauptkonkurrenten (Lieferheld) gehört.
Ich will ja gar nicht in Abrede stellen, dass ihr versucht, möglichst unabhängig zu berichten. Aber: Alleine der Verdacht der Voreingenommenheit macht eine neutrale Berichterstattung unmöglich (wie hier im Artikel).
Die Lösung: Kauft TEV/Lukasz doch deren Anteile an Gründerszene ab, wenn ihr von eurem Geschäftsmodell überzeugt seid…
Danke für das Update – allerdings hätte ich mir bei dem Teaser (“Worauf sich Startups nach dem BaFin-Urteil einstellen müssen, ob Pizza.de rechtens handelte oder sich letztendlich nur selbst ins Bein schnitt, erklärt Lieferheld-CEO Fabian Siegel im Interview.”) gern ein wenig mehr Substanz und weniger blabla gewünscht.
die antwort zu der spannenden frage:
“Wie sieht diese sogenannte Anpassung des juristischen Modells aus?”
Ist ja leider mehr als dürftig
“Ich bin kein Experte des ZAG, aber das Stichwort hier heißt “Vertreter mit Abschlussvollmacht”. Details sind über unsere AGBs ja jedermann zugänglich.”
Danke für das Feedback, es wäre schon sehr hilfreich gewesen, einfach freiwillig dazuzuschreiben, das pizza.de nicht auf Eure Anfragen antwortet, was ich auch durchaus nachvollziehen kann, Ihr gehört halt zur Konkurrenz.
Und das ist auch Euer Dilemma, kaum einer geht noch von unabhängiger Berichterstattung aus, wenn Ihr TEV mit drin habt. Ihr solltet Euch echt überlegen, ob Ihr nicht wirklich unabhängig agieren wollt und somit keine Rücksicht nehmen müsst. Aber ich weiß auch, das dies natürlich einzig am Geld hängt und dafür müsstet genug davon haben um zu überleben ohne einen so potenten Finanzier wie TEV im Rücken zu haben.
Jetzt hat Fabian Siegel nach langer Zeit endlich festgestellt, was alle schon vorher wussten. Es gibt das ZAG (Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz). Das hat er wohl vorher nicht gewusst und nun stellt er sich im Interview als Experte für Zahlungssysteme dar. Darin verweist er auf seine neuen AGB’s mit dem Passus “Vertreter mit Abschlussvollmacht”. Na, darauf sind aber schon alle anderen vor ihm gekommen. Ein Hoch auf den Experten!
TEV erzählt doch immer sie hätten die besten Anwälte und würden Ihren Starups unter die Arme greifen. Da haben Sie den Fabian Siegel aber hängen lassen.
Hallo zusammen, na das ist ja mal wieder eine spannende Diskusion. Auch ich würde eine neutrale Berichterstattung bevorzugen. Aber seien wir doch mal ehrlich jedes Medium hat seine Präfferenzen. Ob die an einer Beteiligung festzumachen sind, halte ich für fraglich. Wenn´s dann doch so ist muss sich eben ein anders Medium aufschwingen und die andere Seite darstellen.
Nur Vollexperten kürzen Allgemeine Geschäftsbedingungen mit “AGBs” ab!
O.K. so weit alles verstanden, aber: Where is the beef?
Sprich: wie ist denn jetzt die Lösung?
_Denn schlechte PR gibt es bekanntlich nicht._
Aha. Naja wer es glaubt.
Wie kann ein Unternehmen innovations-unfreundlich sein, wenn sie die Ersten auf dem Markt waren?!?! Das zeigt doch, dass pizza.de gerade innovativ ist. Ich bin der Meinung, dass die Redakteure der Gründerszene (TEV Knechte) den Begriff Innovation falsch anwenden! Wieso sollte gerade Lieferheld innovativ sein?! Weil Lieferheld die Onlinezahlung anbietet?!?! Diesen Service haben die anderen Anbieter viel früher angeboten! Pizza.de hat sich an Gesetze gehalten und davon sollte sich mal Lieferheld eine Scheibe abschneiden! Wahrscheinlich ist Lieferheld so innovativ, weil die Mitarbeiter das Kopieren der Textinhalte von pizza.de beherrschen ;)
Und leider hat Joel Urlaub und wird nichts dazu schreiben. Kritik ist auch nicht seine wahre Stärke.
Mit diesen Antworten ist das Interview dann schon ein wenig… “grenzwertig”.