Betterplace Till Behnke Start-up-Helden

„Startup-Held“ Till Behnke im Interview

Till Behnke ist Gründer und Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Betterplace (www.betterplace.org). Die Online-Plattform vermittelt Spendenwillige seit 2007 an soziale und ökologische Projekte, rund zehn Millionen Euro für den guten Zweck hat das Unternehmen bereits vermittelt. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft beschäftigt derzeit rund 40 Mitarbeiter. Bei Gründerszene spricht Till Behnke in der Reihe „Startup-Helden“.

Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Till, 34 Jahre alt und ich lebe mit meiner Freundin und unseren zwei Kindern in Berlin. 2006 habe ich gemeinsam mit Freunden die Online-Plattform Betterplace.org gegründet, auf der wir soziale Projekte aus 146 Ländern mit einigen hunderttausend Spendern und Ehrenamtlichen zusammenbringen. Wir sind ein Non-Profit-Unternehmen und vermitteln jedes Jahr einige Millionen Euro Spendengelder ohne Abzug an die Projekte.
Was macht Betterplace einzigartig? Wir ermöglichen jedem, der eine Initiative startet, sich vorzustellen und um konkrete Unterstützung in Form von Geld- oder Zeitspenden zu werben. Egal ob drei Studenten in einem Bergdorf in Panama eine Zisterne bauen, oder UNICEF 1.000 Schulen in Afrika baut. Dabei können bei uns die kleinen Projekte dieselbe Aufmerksamkeit bekommen wie die Großen.

Anzeige
Das Ganze ist nicht nur für Spender und Empfänger kostenlos, sondern wir zahlen 100 Prozent der Spende aus. Zahlungs- und Bankgebühren übernehmen wir genauso wie den Versand von Spendenquittungen. Wir refinanzieren uns über Trinkgelder, die manche Spender bewusst obendrauf legen und über Services für Unternehmen und Medienpartner, die mit ihren Mitarbeitern, Kunden oder Lesern gemeinsam etwas bewegen wollen. Profit haben wir genauso ausgeschlossen wie einen Verkauf des Unternehmens.

Wie bist Du auf die Idee zu Betterplace gekommen?

Ich war eine Zeit lang in Südafrika und habe dort miterlebt, wie kleine lokale Initiativen, zum Beispiel von Studenten, mit wenig Geld die eigenen Lebensbedingungen und die der Menschen im direkten Umfeld verbessern können. Das Internet hat es möglich gemacht, diesen Tausenden kleinen Projekten ein Gesicht zu geben. In Summe bewegen sie mindestens ebensoviel Gutes wie die wenigen großen Organisationen oder die staatliche Entwicklungszusammenarbeit. Der Long Tail of Doing Good wird hier erstmals sichtbar. Übrigens nicht nur für Projekte am anderen Ende der Welt: Tausende tolle Initiativen in Deutschland werden auch ständig übersehen. Wir machen sie jetzt sichtbar, mit unserer neuen iOS-App „Betterplace Mobile“, die wir gemeinsam mit Vodafone entwickelt haben.

Was wünschst Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland?

Ich freue mich sehr über die Dynamik, die das Startup-Umfeld hier gerade bekommt. Aber Deutschland ist spät dran und insbesondere bei der Politik fällt der Groschen erst jetzt und immer noch zu langsam. Aber ich habe Hoffnung und beobachte, wie jüngere Leute in allen Sektoren an die Hebel kommen und mehr Ältere das Potenzial der Digitalisierung sehen – und nicht nur die Risiken. Ansonsten ist für mich der Trend des sozialen Unternehmertums noch viel wichtiger: Gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischen Lösungen angehen. Dabei kann man im Gegensatz zu uns sogar manchmal Profit machen – aber die erste Motivation ist der soziale Benefit. Für diesen Bereich wünsche ich mir deutlich mehr Risikokapital von Stiftungen, Privatpersonen, Unternehmen und auch vom Staat, die in soziale Rendite investieren.

Welche Trends siehst Du im Internet?

Die Digitalisierung bietet unserer Informationsgesellschaft viel mehr Transparenz über die Ungerechtigkeit in der Welt und darüber, welche Auswirkungen unser Konsum- und sonstiges Verhalten auf andere Menschen hat. Gleichzeitig zeigt das Internet, wie viele kleine Taten Großes bewegen können. Das wird zu Umdenken und Verhaltensänderungen führen: beim Konsum, beim Energieverbrauch, beim Engagement für andere.

Bild: Betterplace