Ralph Eric Kunz, Catagonia, Interview

Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses mal: Ralph Eric Kunz von der Catagonia Capital GmbH (www.catagonia.com).

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Ich heiße Ralph Eric Kunz, und war in früheren Leben sowohl als Gründer und Manager aktiv. So habe ich tyntec Ltd (www.tyntec.com) gegründet, inzwischen führender Infrastruktur Dienstleister im Bereich mobile Interaktion mit über 200 Leuten. Als Manager habe ich den Karten- und Navigationsbereich von Nokia (www.nokia.de) aufgebaut (Ovi Maps) und Nokia über die Akquisition von Gate5 nach Berlin gebracht (mit inzwischen über 700 Mitarbeitern).

Seit 2009 investiere ich über mein Vehikel Catagonia Capital GmbH in early stage Firmen mit der Philosophie, die Erfahrungen, die ich als Gründer und Manager gemacht habe, an die Portfoliofirmen weiterzugeben.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Wir investieren gegenwärtig aus einem zehn Millionen-Euro-Fond, und zwar prinzipiell breit im ICT-Bereich. Schwerpunktthemen im Internetbereich ranken sich um „mobile, local und social“.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht.

Wir investieren in Seed- und A-Runden, in der Regel zwischen 100.000 und 300.000 Euro. Dafür erwarten wir mindestens zehn Prozent der Anteile.

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Der gesamt Fond stammt aus meinem eigenen Vermögen. Insofern trage ich auch das gesamte Risiko, aber auch die volle Upside.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Die Vielfalt der Themen, die Möglichkeit immer wieder an der Wertschöpfung in einem neuen Umfeld beteiligt zu sein und meinen Betrag zu leisten, Industriesegmente umzukrempeln. Die Chance mit dynamischen und gestaltungwilligen Leute zusammenzuarbeiten.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung?

Als ich tyntec gegründet habe, stand ich vor einem finanziellen Fiasko: ich hatte in dem Intenetbubble 1999/2000 Firmenbeteiligungen gekauft und diese kreditfinanziert; als der Bubble platzte waren die Beteiligungen wertlos, der Kredit leider nicht. Trotz der hohen Schuldenlast haben ich mit einem weiteren Kredit tyntec finanziert und damit den Grundstein für ein extrem erfolgreiches Unternehmen geschaffen, dass seit seiner Gründung Profite im zweistelligen Millionenbereich erwirtschaftet hat.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Ganz klar: das Team. Denn wenn die Idee daneben liegt, dann ist das Venture bei einem schlechten Team tot. Bei einem guten, ändern sie das Geschäftsmodell und das Team findet etwas, das läuft.

Gibt es das ideale Gründerteam?

Aus meiner Erfahrung maximal drei Leute. Werden es mehr, ist die Teamdynamik oft schwierig, die Teams zerfallen oft zu Grüppchen. Außerdem ist die Gefahr groß, dass keiner der Gründer nach mehreren Finanzierungsrunden ausreichend finanziell inzentiviert ist.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei Startups für Dich?

Authentisch und überzeugend sein Konzept vermitteln. Zeigen, dass er ausreichend Energie hat, um es zu verwirklichen. Und uns glaubhaft machen, dass er gute Leute um sich scharren kann.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Am Anfang Wachstum mit ausreichendem Deckungsbeitrag, das spätere Profitabilität ermöglicht.

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von Startups in Deutschland?

  1. Zu wenig „ambition level“ der Idee.
  2. Unterfinanzierung, da zu viel Sorge, dass man zu stark verwässert wird.
  3. Unternehmertum als Modeerscheinung und nicht als Berufung.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Ja, trotz des momentanen Gründertrends im Internetbereich. Vieles davon rührt daher, wie viele von uns geprägt sind. In der angelsächsischen Welt (und davon kann ich aus Erfahrung sprechen, ich bin schließlich in den USA aufgewachsen) ist persönliche Freiheit verbunden mit materiellem Erfolg ein hohes erstrebenswerte Gut – nicht umsonst steht in der Verfassung „Pursuit of Happiness“, das eben dies zum Ausdruck bringt. Ein erfolgreicher Unternehmer wird mit Respekt gesehen und hat Vorbildfunktion. Der Deutsche ist bodenständiger erzogen, wird häufig auf die Risiken seiner Aktivitäten hingewiesen. Beim Unternehmer schaut man eher darauf, ob es dunkle Seiten seiner Vergangenheit gibt, ob er also seinen Erfolg ermogelt haben könnte, anstatt sich über seinen Erfolg zu freuen und daran eventuell selbst zu partizipieren.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Das Zusammenwachsen von Internet und der klassischen Mobilfunkwelt. Sozusagen SaaS für Telkoservices. Wir haben zum Beispiel gerade in die Potsdamer Fima Jamii (www.jamii.de) investiert, die effiziente Gruppenkommunikation über alle Kanäle ermöglicht. Amerikanische Vorbilder wir GroupMe (www.groupme.com) sind extrem hot. Aber auch das neue Produkt von tyntec, „Unified Inbound Communications“, dass es jedem Internetplayer ermöglicht, ohne Ahnung von Telekommunikationstechnik Kunden anzubinden, die offline sind und nur per Handy zu erreichen sind. Damit kann zum Beispiel ein Datinganbieter es seinen Kunden erlauben, miteinander zu telefonieren, ohne dass sie die Platform verlassen oder ihre wahre Identität preisgeben müssen.

Wie stehst Du zu Copycats?

Opportunistisch. Wir bevorzugen originäre Geschäftsideen, finanzieren aber auch Teams, die erfolgreiches kopieren wollen.

Auf welchen Startup-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Wir sitzen mitten im Berliner Startup-Kiez, nämlich Neue Schönhauer Straße, Ecke Münzstraße. Unternehmer sind immer willkommen. Ansonsten richten wir dieses Jahr im Mai die DACH Tech Tour aus, bei der aus hunderten Bewerbungen die besten Startups aus der Region ausgewählt werden. Zu Blogs und Zeitungen: neben den üblichen Verdächtigen sicher auch die Startup Section der New York Times.

Ralph Eric, danke für das Gespräch.

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