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Social-Business ist die Lösung sozialer Probleme mit unternehmerischen Mitteln. Soziale Probleme gibt es freilich genug. Ein gängiger Lösungsweg: Mit Spendengeldern eine Hilfsorganisation unterstützen, die sich wiederum des spezifischen sozialen Problems annimmt. Ein alternativer Lösungsweg: Nichts zahlen, trotzdem spenden. Klingt merkwürdig, aber funktioniert mit Clicks4charity (www.clicks4charity.net). Wie das Dortmunder Unternehmen mit drei Klicks Einkäufe in Spendengelder verwandelt, erklärt Clicks4charity-Gründer und -Geschäftsführer Tobias Raschke.

Hallo Tobias, stelle dich bitte einmal kurz vor.

Ich bin Tobias Raschke, diplomierter Medienberater und Politologe, Mitgründer und Geschäftsführer der Clicks4charity GmbH i.G.. Zuvor war ich freiberuflich als Medien- und Partizipationsberater tätig. Seit meiner Jugend engagiere ich mich ehrenamtlich und habe während dieser Zeit oft erlebt, dass gemeinnützige Organisationen Projekte nicht durchführen können, weil ihnen die Mittel fehlen. In diesem Bereich wollen wir nun mit Clicks4charity Abhilfe schaffen.

Mit Clicks4charity nutzt ihr den E-Commerce, um gemeinnützige Organisationen zu unterstützen. Wie funktioniert das im Detail?

Clicks4charity setzt auf einfachen Bedienkomfort: Um im Online-Shop loszushoppen, muss sich der User auf dem Portal nicht anmelden. Er sucht nur auf Clicks4charity zuerst die gemeinnützige Organisation aus, die er unterstützen möchte. Anschließend kauft er im Online-Shop ein – ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn der Shop zahlt für jeden vermittelten Einkäufer eine Provision an Clicks4charity, die zu 80 Prozent an die gewählte Hilfsorganisation weitergegeben wird. Die restlichen 20 Prozent braucht unsere Plattform, um Organisatorisches zu klären und die Plattform stetig weiter auszubauen. So kann jeder mit nur drei Klicks ganz einfach Gutes tun.

Natürlich können das Prinzip auch Firmen nutzen, zum Beispiel für ihre Corporate-Social-Responsibility-Aktivitäten.

Der Online-Shop weiß also gar nicht, dass er Gutes tut. Warum präferiert ihr ein Affiliate-Programm vor direkten Kooperationen mit den jeweiligen Shops? Könnten sich diese mit ihrem sozialen Engagement nicht brüsten?

Das Affiliate-Programm erlaubt uns – und den Shops – eine einfachere Handhabung und eine geprüfte Abrechnung. Für direkte Kooperationen mit einzelnen Shops sind wir offen. Langfristig hoffen wir, dass sich Shops engagieren und zum Beispiel höhere Provisionen für Charity-Shopper bezahlen. Social Shopping wird zunehmen, und User achten schon heute auf das ehrliche soziale Engagement eines Shops. Da liegt Clicks4charity voll im Trend.

Im Gegensatz etwa zum Online-Spenden-Platzhirsch betterplace setzt ihr nicht auf Transparenz und Unmittelbarkeit, sondern Konsum. Sieht so Spenden im 21. Jahrhundert aus?

Wir kommunizieren offen mit unseren Usern und wollen so ein Vertrauensverhältnis schaffen. Sowohl auf Facebook (facebook.com/clicks4charity), als auch bei Twitter (twitter.com/clicks4charity) sind wir mit unserem Unternehmen vertreten und halten unsere Besucher so auf dem Laufenden. Namhafte Hilfsorganisationen wie Aktion Deutschland hilft, Greenpeace oder Foodwatch können den Usern bestätigen, dass die Hilfe der Clicks4charity-Nutzer auch dort ankommt.

Ohne Transparenz könnten wir das Projekt gleich aufgeben, denn nur Transparenz schafft Vertrauen. Clicks4charity garantiert, dass wir 80 Prozent der Provisionen auszahlen, egal wie hoch unsere Kosten sind. Die an Hilfsorganisationen ausgezahlten Beträge werden wir veröffentlichen. Außerdem steht neben fast jedem Shop, wie hoch die Provision beim Einkauf ist. Transparenter geht es kaum.

Konsum als Mittel zur Spende sollte in diesem Falle nicht negativ konnotiert sein – Konsum gehört zum Alltag. Und Clicks4charity ermöglicht somit im Alltag, ohne Mehrkosten Gutes zu tun. Wir ersetzen die direkte Spende an Hilfsorganisationen nicht, sondern eröffnen eine neue Methode, diese zu unterstützen. Viele Menschen würden gerne helfen, haben aber schlichtweg nicht das nötige Einkommen, um zu spenden. Wir möchten mit Clicks4charity eine neue Möglichkeit schaffen, unkompliziert Gutes zu tun.

23 Milliarden Euro werden voraussichtlich allein im Jahr 2011 im Online-Handel umgesetzt, davon alleine 8,2 Milliarden während der Weihnachtszeit. Und das Umsatzpotential wächst stetig weiter an. Insgesamt ist das einfach eine gigantische finanzielle Möglichkeit, um anderen zu helfen.

Social-Business ist in aller Munde. Dennoch bleibt der wirtschaftliche Erfolg vieler Unternehmen aus. Auch auf eurer Webseite heißt es, dass Sozialunternehmen noch immer eine Nische darstellen. Wie erklärst du dir das?

In Deutschland wird bei Problemen im sozialen Bereich nach dem Staat gerufen oder nach Vereinsstrukturen. Die Vorteile der Nachhaltigkeit durch unternehmerisches Denken und Handeln von Social-Business haben sich – außer im Bereich Mikrokredite dank dem Friedensnobelpreis für Mohammed Yunus – noch nicht ausreichend herumgesprochen. Für die einen ist man als Sozialunternehmer zu wenig sozial und gemeinnützig, für die anderen zu wenig Unternehmer.

Tobias, vielen Dank für das Gespräch.

Gerne. Und nicht vergessen, beim Weihnachts-Shopping Gutes zu tun!