cloud, cloud-computing, Enterprise-Microblogging-Dienst, swabr, lukas pfeiffer, interview

Die Cloud und Cloud-Computing sind allgegenwärtig und dennoch zögern viele Unternehmen, den Umstieg zu wagen. Was sind Vorteile, was die Hindernisse, für wen kommt die Cloud in Frage und was ist bei der Umstellung zu beachten? Lukas Pfeiffer, Mitgründer des Enterprise-Microblogging-Dienstes Swabr (www.swabr.com), gibt im Gespräch mit Gründerszene Einblick in die Welt der Wolken.

Lukas, stelle dich und dein Unternehmen bitte kurz vor.

Hallo, ich bin Lukas und Mitgründer von Swabr, einem Enterprise-Microblogging-Dienst, der die interne Kommunikation in Unternehmen und Organisation revolutioniert. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Enterprise 2.0 und Cloud-Computing. Zudem habe ich meine Abschlussarbeit an der School of Management and Innovation über Enterprise-Microblogging verfasst. Cloud-Computing ist mein Alltag.

Wie siehst Du den aktuellen Stand von Cloud-Computing in Deutschland?

In vielen Ländern weltweit gehört Cloud-Computing bereits zum Arbeitsalltag. Hierzulande sind Unternehmen immer noch ein wenig vorsichtig, wenn es um den Einsatz cloud-basierter Anwendungen geht. Cloud-Computing ist keine technische Revolution, aber eine neue Kombination aus Bekanntem und Neuem. Jeder, der eine GMail-Adresse hat, Microsoft Office 365 nutzt, Musik über Streaming-Dienste wie Spotify hört oder Filme via Netflix schaut, nutzt bereits (unbewusst) Cloud-Computing.

Dennoch gibt es freundliche Aussichten für die „Wolke in Deutschland“. Mehr und mehr Unternehmen erkennen die Vorteile, wie eine Steigerung der Flexibilität und Produktivität bei einer signifikanten Reduzierung der Kosten (keine eigene Hardware, teure Software-Lizenzen entfallen). Viele Ängste gegenüber Cloud-Computing sind dabei unbegründet, findet auch Cordelia Krooß von BASF. Das deutsche Traditionsunternehmen aus Ludwigshafen ist mit einer eigenen Inhouse-Collaborations-Suite Vorreiter auf diesem Gebiet.

Warum sollten Gründer eher auf Cloud-Computing als auf Outsourcing setzen?

Cloud-Dienste in ihrer reinsten Form sind Outsourcing. Auftraggeber vergeben die Verantwortung für eine Dienstleistung an einen Drittanbieter. Sobald man dieses Prinzip annimmt, muss man Cloud-Dienste ähnlich bewerten wie Outsourcing. An erster Stelle geht es um das richtige Umfeld, es bedarf der Offenheit gegenüber neuen Methoden. Dabei geht es insbesondere für Gründer besonders um Wettbewerbsfähigkeit in puncto Kosten, Leistungsfähigkeit und Performance. Besonders mit seinen wirtschaftlichen Vorzügen wird Cloud-Computing einen beträchtlichen Teil der traditionellen IT-Leistungsangebote ergänzen und das Outsourcing-Volumen zurückdrängen.

Beispiele sind etwa Easybill (www.easybill.de) für die Erstellung von Rechnungen, Evernote zum Speichern von Inhalten verschiedener Art oder der Klassenprimus Dropbox, der bei Startups einen eigenen Fileserver überflüssig macht. Cloud-Computing ist ähnlich dem klassischen IT-Outsourcing, verschiebt aber die Gewichtung der problematischen Aspekte. Die Frage, die sich für Gründer stellt: Kaufe ich Dienstleistungen für mehrere Jahre beziehungsweise gebe diese komplett aus der Hand oder miete ich mir genau die Angebote für exakt die Zeit, in denen ich sie brauche?

Was muss man beachten, wenn ein Unternehmen vor hat, in die „Cloud“ zu gehen?

Gerade im Mittelstand machen sich Unternehmen nur zögerlich mit dem Thema Cloud-Computing vertraut. Unternehmen sollten ein Set zusammenstellen, das jede einzelne IT-Aufgabe als einen Geschäftsprozess beschreibt und je nach Bedürfnissen einordnet. Danach können alle Aufgaben auf Cloud-Fähigkeit geprüft werden.

Fall 1: Aufgabe kann in einer Cloud erledigt werden. Fall 2: Aufgabe kann zwar noch nicht als Cloud-Service gesourced werden, es ist aber schon absehbar, dass dies bald der Fall sein wird. Fall 3: Aufgabe kann nicht und wird in absehbarer Zeit nicht als Cloud-Leistung bezogen werden können (egal ob aus technologischen Gründen oder weil das Unternehmen die Aufgabe als Kernaufgabe betrachtet).

Dieses Set sollte regelmäßig neu bewertet werden. Man wird sich wundern, wie sich die Einstufungen schon nach einem Jahr ändern. Die Frage ist vielmehr, warum sollte man beispielsweise seinen Help Desk (Beispiel zendesk) nicht in die Cloud verlegen, um damit Zeit, Kosten und Nerven zu sparen?

Was sollten Startups und KMUs bei der Auswahl von Tools beachten?

Mit Cloud-Computing können gerade KMUs massiv Kosten sparen und trotzdem von innovativer Technologie profitieren – ohne die IT-Kompetenz im Haus extra aufbauen zu müssen. Man ist sicher gut beraten, eine allgemeine Strategie zu entwickeln – sei es im Hinblick auf den Mix der Anwendungen, sei es im Hinblick auf die Anbieter. Unser Tool Swabr revolutioniert die interne Unternehmenskommunikation und bekämpft die lästige Email-Flut.

Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Cloud-Tools für nahezu alle erdenklichen Probleme. Für junge Unternehmen ist es besonders wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und danach die benötigten Cloud-Dienste auszuwählen. Viele Anbieter bieten dabei mehrere Preismodelle an, wie man am Beispiel SoundCloud (www.soundcloud.com) – der Name ist Programm – gut sehen kann. Aktuell finde ich TestCloud (www.testcloud.de) besonders spannend.

Eignet sich Cloud-Computing uneingeschränkt für jeden?

Cloud-Computing wird in vier Dimensionen betrachtet: Wirtschaftlich ist Cloud-Computing sehr attraktiv. Technisch birgt Cloud-Computing für den Anwender nur we­nig neue Herausforderungen. Rechtlich ist Cloud-Computing vor allem auf nationaler Ebene geregelt. Organisatorisch erfordert Cloud-Computing teilweise neue Ab­läufe, die gegebenenfalls im Unternehmen erst noch einzufüh­ren sind. In großen Unternehmen ist die Entwicklung einer Cloud-Strategie auf Managementebe­ne eine essentielle Voraussetzung für jedes Cloud-Projekt.

Weltweite Untersuchungen von HP und Microsoft zeigen: Unternehmen, die auf Cloud-Dienste setzen, erzielen messbare Umsatzsteigerungen. Und: Kleine und mittelständische Unternehmen profitieren besonders vom Cloud-Computing, auch weil die Bereitschaft von KMUs, solche Cloud-Dienste einzusetzen, deutlich stärker ausgeprägt ist. Das Marktforschungsunternehmen Techaisle etwa verkündet: „KMUs lieben Cloud Computing“. Dem kann ich mich nur absolut anschließen.

Lukas, vielen Dank für das Gespräch.