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Heutzutage passiert gefühlt alles in der Cloud. Dass das auch so bleibt hat sich cloudControl (www.cloudcontrol.de) mit ihrem hauseigenen Cloud-Dienst auf die Fahne geschrieben. Das 2009 gegründete Berliner Tech-Startup konnte dafür erst kürzlich die beiden Investoren Creathor Venture und IBB Beteiligungsgesellschaft (www.ibb-bet.de) als Finanzpartner gewinnen – erstere beglückten bereits im vergangenen Jahr den Cloud-Computing-Anbieter Zimory. Laut cloudControl-Gründer Thomas Ruland handelt es sich bei der Höhe der Finanzierungsrunde um einen „signifikanten Betrag“. Konkretere Antworten – etwa zu Fördermitteln, der Standortfrage oder der Wandlung von der der UG zur GmbH – gibt er indes im folgenden Interview.

Hallo Thomas, stelle dich doch bitte einmal kurz vor.

Hi, ich bin Thomas Ruland und habe zusammen mit Philipp Strube und Tobias Wilken vor zwei Jahren cloudControl gegründet. Bei ihrem ersten Startup hatten Philipp und Tobias das Problem, dass Entwicklern die richtigen Tools fehlen, um Applikationen für die Cloud zu entwickeln. So sind wir auf die Idee gekommen mit cloudControl eine Cloud-Hosting-/PaaS-Lösung anzubieten.

CloudHosting und PaaS sind die Fachwörter, die cloudControl beschreiben. Für alle Nichtinformatiker, beschreib doch einmal kurz, was cloudControl eigentlich macht.

Wir ermöglichen es Webentwicklern, schneller coole Webseiten und Anwendungen zu entwickeln. Dafür stellen wir den Entwicklern unsere Plattform zur Verfügung, auf der die notwendige Software läuft, um ihre Webseiten oder Webanwendungen zu betreiben. Wir bieten den Entwicklern eine vorkonfigurierte Umgebung, in welcher Sie sofort loslegen können und sich nicht mehr um Setup, Konfiguration oder Wartung der Server kümmern müssen. Zudem haben wir einen Marktplatz für Drittanbieteraddons.

Dies sind Zusatzdienste, die man für den Betrieb von Webanwendungen benötigt, wie zum Beispiel Application Monitoring, und die dann über einen Klick direkt hinzugefügt werden können, ohne dass man mehrere Stunden in das Aufsetzen des Services verwendet. Dies ermöglicht es Entwicklern noch einmal schneller ihre eigenen Anwendungen zu verbessern und der Konkurrenz eine Nasenlänge vorraus zu sein.

Und was ist jetzt der Unterschied zu der Cloud von Amazon und anderen Cloud-Anbietern?

Cloud ist ein zu einem mega Buzzword avanciert. Jeder macht inzwischen Cloud, deswegen muss man genau hinschauen, in welchem Segment man unterwegs ist. Grundlegend gibt es im Cloud Computing drei Segmente: IaaS (Infrastructure as a Service), PaaS (Platform as Service) und SaaS (Software as Service). Amazon ist hauptsächlich im IaaS-Segment unterwegs. IaaS ist die Bereitstellung von nackter Hardware, also Rechnern, die ich als Entwickler selbst aufsetzen und konfigurieren muss.

Im Gegensatz dazu gibt es PaaS, wo schon der Großteil der Administration für den Kunden vorbereitet ist und der Kunde den Code seiner Anwendung nur noch aufspielen muss, damit er läuft. Wir als PaaS Anbieter verwenden selbst IaaS Angebote um die Rechenleistung für unsere Kunden abzubilden. Ganz oben sitzen dann die SaaS Anwendungen, das heißt browserbasierte Anwendungen wie zum Beispiel Google Docs oder SalesKing, welche eben auf IaaS oder PaaS Lösungen laufen. Wir sind mit PaaS in der Position, dass der Kunde sich ein Minimum um Systemadministration kümmern muss um ein Maximum in die Entwicklung seiner Anwendung stecken kann.

Bevor du zusammen mit Philipp Strube und Tobias Wilken 2009 cloudControl gründetest, warst du größtenteils in der Finanzbranche tätig. Was reizt dich aus Finanzsicht an cloudControl und Technologieunternehmen im allgemeinen?

Ich habe die Bankenwelt immer als etwas arg einseitig und schnöde empfunden, obwohl sich meine Vorliebe für Finanzthemen schon durch mein ganzen Leben zieht. Außer der Bezahlung hat mich da eigentlich wenig gehalten. Als ich Philipp und Tobias damals wiedergetroffen habe, war die Idee cloudControls genau die Herausforderung, nach der ich gesucht hatte. Ein Startup gibt zwar nicht die Sicherheit, die einem die Bank bietet, aber es bietet viele spannende Aufgaben und gleichzeitig ein sehr diverses Feld an Tätigkeiten.

Ich schätze, dass inzwischen nur noch etwa 30 Prozent meiner Zeit mit wirklichen Finanzthemen verbringe. Der Rest der Zeit geht in Marketing, Kundentermine, Gespräche mit Kooperationspartnern oder sonstiger Orga auf, was mir Spaß macht, da man daran merkt dass man alle Zügel in der Hand hält und im wahrsten Sinne des Wortes seines eigenen Glückes Schmied ist. In Großunternehmen ist man doch eher nur ein kleines Zahnrad einer großen Maschine.

In einem euer Blogeinträge, der auf den 23. Februar 2010 datiert, begründetet ihr eure Standortentscheidung für Potsdam unter anderem mit der Unterstützung durch Fördermittel. Nun zog es euch nach Berlin. Passen Fördermittel und cloudControl nicht zusammen?

Das würde ich so generell nicht sagen. Fördermittel sind für jedes Startup sinnvoll, sie müssen nur zu dem passen, was mach macht. Bei uns war es der Fall, dass wir uns für ein Förderprogramm bekommen hatten, was nicht so ganz mit der Flexibilität eines Startups zusammen passt. Die Fördermittel wurden immer erst nach einem Jahr der Vorleistung zur Verfügung gestellt. Das bedeutet für uns, dass wir die Fördermittel erst vorfinanzieren müssen, was als Startup generell eher eine schwierige Sache ist, da der Cash Flow nicht immer so üppig daherkommt.

Von daher kann ich jedem Gründer nur raten genau abzuwägen. Im Endeffekt hat es uns nicht geschadet, mal davon abgesehen, dass etwas Zeit verloren gegangen ist. Wir haben aber auch andere Förderprogramme in Anspruch genommen, die durchaus sinnvoll waren. Mein Ratschlag für Mitgründer an dieser Stelle ist, sich für so etwas einen Berater zu suchen. Die wissen meist recht schnell, was zum Unternehmen passt und wie welche Dokumente auszufüllen sind.

Im selben Blogeintrag sprecht ihr von der besseren Verfügbarkeit hochqualifierter Softwareentwickler in der Hauptstadt. Wurde eure Nachfrage nach Entwicklern in Brandenburg nicht gestillt?

Wir hatten das Glück gute Entwickler in Potsdam zu finden, was oft damit begründet wurde, dass wir ein technisch spannendes Thema anbieten. Nichtsdestotrotz sind aber des öfteren auch an das Problem gestoßen, dass manchen Entwicklern der Weg Berlin-Potsdam für den Arbeitsalltag zu weit ist. Ein starker  Nachteil Potsdams war, dass es nicht für jeden mit der Nähe zu Berlin in Verbindung gebracht wurde, obwohl es nur ein paar Kilometer entfernt liegt.

Wir merken dies deutliche aufgrund unserer neuen Stellenausschreibungen, auf welche wir unglaublich gute Bewerbungen aus aller Welt erhalten. Für die ist die Marke Berlin einfach viel bedeutsamer als es Potsdam jemals hätte werden können. Ein weiterer Riesenvorteil ist für uns auch, dass wir in der Hauptstand häufiger auf Meetups anwesend sein können und dort Kunden sowie potentielle Mitarbeiter treffen.

Vor kurzem konnte man euch zu einer erfolgreichen Finanzierung durch Creathor und die IBB beglückwünschen. Wie kam der Kontakt zu den Investoren zustande und was war im Endeffekt der ausschlaggebende Punkt für die erfolgte Kapitalerhöhung?

Danke. Der Kontakt kam über einen befreundeten VC zu stande, der uns mit der IBB und Creathor in Kontakt gebracht hat. Bereits nach dem ersten Treffen haben wir gemerkt, dass neben dem fachlichen Interesse für unser technologielastiges Thema auch ein “Fit” auf der Teamseite bestand. Das war für uns ein sehr wichtiges Thema, da wir die Investoren nicht nur als Geldgeber sehen, sondern als Sparingspartner mit Erfahrung im Aufbau von Firmen.

Was wird sich nach der Finanzierungsrunde im Hause cloudControl ändern? Oder bleibt alles beim alten?

Alles wird größer, toller, schöner ;). Natürlich haben wir uns mir dem Umzug direkt vergrößert, da wir weiter neue Mitarbeiter einstellen wollen. Wir suchen vor allem noch Entwickler die uns dabei helfen unsere Plattform entsprechend unserer Roadmap für mehrere Sprachen anzubieten. Darüber hinaus arbeiten wir gerade daran eine Vielzahl neue Addon Partner zu integrieren, das heißt für den Entwickler dass er in Zukunft Dienste wie Lasttest, andere Datenbanktypen und so weiter. einfach über unsere Schnittstelle zum Drittanbieter hinzubuchen kann.

Ursprünglich als UG gegründet, ist cloudControl eine waschechte GmbH. Wie lief diese Umwandlung ab und welche Vor- und auch Nachteile brachte sie mit sich?

Endlich GmbH kann ich dazu nur sagen. Wir hatten die UG damals gegründet um die Markenrechte von Anfang an dort einzubringen und von vornherein einen rechtlichen Rahmen zu haben, der sich dazu eignet Anteile zu verteilen und eine Finanzierungsrunde irgendwann einmal aufzunehmen. Dazu war die UG genau das richtige Konstrukt, da es wirklich unkompliziert und kostengünstig zu gründen ist. Bei der Angelfinanzierung haben wir es vernachlässigt die Wandlung durchzuführen.

Das würde ich heute anders machen. Die UG hat ganz klar den Nachteil, das die Firmierung oft nicht bekannt ist oder man generell als eher wenig kreditwürdig erscheint, egal ob dies der Fall ist oder nicht. Grundlegende Dinge, wie das beschaffen einer Kreditkarte, werden zum Problem und machen einem nur unnötig das Leben schwer.

Rückblickend auf die letzten zweieinhalb Jahre. Würdest du alles noch einmal so machen?

Ja, ich würde aber vieles schneller machen und nicht versuchen über längere Zeit alles durchzuplanen. Das Förderprogramm war zum Beispiel etwas, wo ich im Nachhinein sagen würde, dass ich das anders machen würde. Am Anfang zählt nur  “Fokus! Fokus! Fokus!”, viele Dinge verändern sich sowieso mit der Zeit von daher sollte man drauf achten “Product/Market Fit” zu erreichen und von da an an der Skalierung arbeiten. Auch wenn das simpel klingt treffe ich jeden Monat bei acht von zehn Startups auf Gründer, die sich um allerlei Nebensächlichkeiten Gedanken machen anstatt sich ums wesentliche zu kümmern.

Thomas, vielen Dank für das Gespräch!