Constanze Köpp

Constanze „Conni“ Köpp ist Gründerin ohne Netz und doppelten Boden. Trotz nichtvorhandener Ausbildung und ihrem Status als alleinerziehende Mutter zweier Kinder verschlug es sie in die Selbstständigkeit. Als freiberufliche „Wohnkosmetikerin“ geht sie seit fünf Jahren erfolgreich ihrer Berufung nach, „Räume und Menschen glücklich zu machen“, und verschönert die Häuser, Wohnungen und Läden ihrer Kunden. Daneben ist sie Autorin zweier Bücher und schreibt regelmäßig Kolumnen.

Hallo Conni, stelle dich bitte kurz vor.

Conni Köpp, geboren Juni 1969, zweifach-Mami, Gründerin der Wohnkosmetik, Buchautorin (rororo/droemer knaur), Kolumnistin, Kämpfende, Glaubende, Fördernde, Schulende, Unterstützende, Lesende, Liebende, Lachende, Optimistin.

Beschreibe kurz deine Arbeit als Wohnkosmetikerin. Ein Kunde kontaktiert dich, du kommst in dessen Wohnung. Und dann?

Ein Kunde ruft mich. Für eine Beratung (Farbe, Möbel, Stell- und Verschiebemöglichkeiten) oder für einen Powertag (gemeinsam Loslassen, Ausmisten, Zaubern mit Vorhandenem.). Ich mache aus Räumen ein Zuhause und will, dass Raum und Mensch wieder atmen können. Meine Powertag-Kunden sind bereits am Telefon vorgewarnt, dass so ein Tag mit mir sehr anstrengend sein kann.

„Meine Kunden sollen schwitzen, fluchen, weinen, lachen.“

Aber meine Kunden sollen ja auch schwitzen, fluchen, weinen, lachen. Sie sollen spüren, wie viel Arbeit in ihrem Chaos steckt. Beim Powertag ist alles erlaubt, da kommt das ganze Gefühlsrepertoire aus einem raus – aber am Ende wird drauf angestoßen: auf ein neues, ein schönes Zuhause: einladend, kuschelig, atmosphärisch. Es darf dort endlich (wieder) empfangen, geliebt, verführt, geträumt und entspannt werden!

Half dir dieser Blick auf die Reduzierung auf das Wesentliche auch bei deinem Weg in die Selbstständigkeit?

Ich habe nur eines geliebt als Kind: eine verrückte Idee nach der anderen zu erspinnen. Irgendwann war ich ziemlich verknotet, war auch schnell das verrückte schwarze Schaf der Familie. Als ich auch noch in so jungen Jahren anfing, meine Möbel im Kinderzimmer zu verrücken, traurige Lieder vor mich hin zu komponieren, nahm mich wohl niemand mehr richtig ernst. Man hat mich leider nicht gefördert in meiner Kreativität, hat meine Fantasien allerdings auch nicht kastriert.

Aber was ich machen wollte, dafür gab es damals keinen Namen: Räume und Menschen glücklich machen, sie bewegen, sie berühren. Ich flog von der Schule, wiederholte eine Klasse, wechselte Schulen. Später ging ich ins Ausland, und selbst dort riss der rote Faden nie ab: ich verschob und bewegte Möbel weiterhin. Später schrieb ich dann die Idee für mein erstes Buch nieder.

„Aus einer Berufung ist mein Beruf geworden, durch den ich meine Kinder und mich ernähren kann. „

Alleinerziehend, zwei Kinder, kein Abschluss und nun seit mehr als fünf Jahren erfolgreich selbstständig. Das klingt eher nach Berufung als Beruf.

Ja, aus einer Berufung ist mein Beruf geworden, durch den ich meine Kinder und mich ernähren kann. Ich hatte lediglich diese tiefe Überzeugung in mir, dass die Menschen unbedingt erfahren müssen, was es heißt, das Außen zu bewegen, um das Innen zu bewegen. Ich liebe die Geschichten in den Wohnungen, die Geschichten hinter dem Chaos, hinter dem Festhalten, hinter den Menschen.

Dass es meine Berufung war und ist, soll auch mein HH-Projekt „HH-HZ 2010“ deutlich machen. Ich spende an HHer arme Familien im Chaos einen Powertag. Und manchmal gewinne ich sogar eine Firma als Sponsor. Als Autorin schenke ich Schulklassen meine Lesung zu „Frannys Reise“, weil die Themen Leben und Tod so dicht beisammen liegen, dass man nie früh genug damit beginnen kann, sich damit auseinander zu setzen. Da geht eine Art Magie aus bei meinen Lesungen. Nächstes Ziel: Lesung in einer großen Kirche, am liebsten im Michel!

„Ich bin mutig, auch wenn ich manchmal einen hohen Preis dafür zahle.“

Gab es Momente, in denen du dich nach einer Absicherung, etwa einer Festanstellung in einem großen Unternehmen, gesehnt hast?

In mir drin wohnt manchmal auch ein kleiner Spießer, der große Angst vor Unsicherheit hat. Ich war fünf Jahre in Festanstellung im Verlag, bevor ich die Ketten sprengte. Manchmal vermisse ich schon noch den Spaß mit Kollegen und den Stress vor Redaktionssitzungen. Und manchmal natürlich auch den Scheck am Ende des Monats, der mir diktieren konnte, womit ich im Monat rechnen, zählen und leben kann.

Doch heute bin ich frei! Erfolg wird aus Mut gemacht. Ich bin mutig, auch wenn ich manchmal einen hohen Preis dafür zahle: wer wird in diesem Monat mich buchen wollen? Finden mich auch wieder genügend neue Kunden? Wo ist das Chaos der anderen, das sehnlichst auf mich wartet? Wie kann ich Menschen davon überzeugen, mit mir zu arbeiten, obwohl ich eine Fremde bin?

Du arbeitest gerade nebenher an deinem dritten Buch. Worum wird es da gehen? Und ist bereits der nächste TV-Einsatz geplant?

Ja, nach „Frannys Reise“ (droemer knaur) und „Die Kunst des Aufräumens“ (rororo) schreibe ich nun ein zweites Wohnbuch, und dieses Mal ganz ohne Co-Autor. Es wird 2013 in einem großen Verlag erscheinen. Schwerpunkt: LOSLASSEN! Jeden Tag lassen wir das Wertvollste los, das wir neben unserer Gesundheit haben: ZEIT. In welcher Relation stehen dann noch Chaosberge, denen wir so viel Aufmerksamkeit zollen, obwohl wir das nicht wollen? Wir haben gerade wieder für das Format „30 Minuten Deutschland“ gedreht. Mich stört die Kamera nie, und so konzentriere ich mich stets nur auf das Daumendrücken, dass jeder Einsatz abgesegnet wird.

„Jede große Geschichte begann einmal bei Null.“

Gibt es Dinge, die du anderen Gründern mit auf den Weg geben möchtest?

Wenn du eine Idee hast, die zündet, die langsam Feuer gefangen hat – dann schafft mit der Zeit einen Flächenbrand! Eure Überzeugung könnt ihr daran ablesen, wie standhaft ihr bleibt, wenn euch die Stachel und Bremsen von außen nichts mehr anhaben können. Wenn ihr gut seid, fair und optimistisch, dann steckt ihr andere mit eurem Feuer ebenfalls an und setzt sie in Brand! Und die anderen fragen dann nach keinem Zeugnis mehr, nicht nach Diplomen noch nach Ausbildungen. Viele gute Schauspieler besuchten nie die Schauspielschule.

Ich weiß nur, wenn du liebst, was du tust, werden es andere auch lieben können, denn Liebe bahnt sich immer und überall einen Weg! Und wenn du es auch noch für Menschen tust, die du liebst (deine Familie), dann ist es auch nicht mehr so schwer, die Sache anzugehen. Aber: seid schnell, denn da draußen kann es immer jemand geben, der noch schneller ist, die gleiche Sache umzusetzen. Und denkt an die Trittbrettfahrer, die dich kopieren wollen. Ich habe erst spät lernen können, dass Neid ein Kompliment sein kann. Ich habe immer gesagt: Umarmungen statt Ellenbogen! Nur so schafft man sich gute Netzwerke, die auch fruchten können. Einzelgänger sind immer in der Minderheit!

Ich möchte den Großen noch was sagen: jene, die bereits gewachsen sind: Helft den „Kleinen“, damit auch sie groß werden können. Auch euch gab es am Anfang nur als Idee. Und gewachsen seid ihr, weil andere (wir) an euch geglaubt haben. Jede große Geschichte begann einmal bei Null.

Wie sieht dann dein Ziel für die Zukunft aus?

Ich möchte gern ein kleines Wohnkosmetik-Imperium schaffen. Ich möchte weiter Kolumnen für Magazine schreiben. Und ich will mit weiteren Büchern Menschen berühren.  Gern will ich auch mit meiner Stimme arbeiten, weil ich es liebe, mit ihr zu spielen. Derzeit liegen auch schon Angebote vor, Literatur zu vertonen.

Conni, vielen Dank für das Gespräch.

Sehr gern! Ich habe euch zu danken! Auch nach fünf Jahren braucht man die Presse, um wachsen zu können! Sie kann heiligen (wenn sie da ist) und kreuzigen (wenn sie fehlt) zugleich.