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Neuigkeiten vom spannenden Markt der Musik-Streaming-Dienste: Während das in Schweden beheimatete Spotify (www.spotify.com) nur langsam im DACH-Raum Fuß fasst, konnte sich der Kölner Mitbewerber Simfy (www.simfy.de) immerhin hierzulande auf Grund fehlender Konkurrenz entspannt zurücklehnen. Das ändert sich nun schlagartig. Das bereits 2007 gegründete und überaus erfolgreiche französische Startup Deezer (www.deezer.com) kommt seinem schwedischen Konkurrenten mit dem Deutschland-Launch Anfang dieser Woche zuvor und buhlt nun neben Simfy und dem letzte Woche gestarteten Londoner Musik-Streaming-Dienst Rara (www.rara.com) um die Vorherrrschaft. Deezer-CEO Axel-Dauchez im Interview.

Hallo Axel, bitte stelle dich einmal kurz vor.

Gerne – ich bin seit Januar 2010 CEO von Deezer. In meinem Leben vor Deezer habe ich verschiedene Medien-/Web-Unternehmen geleitet. Eines meiner Lieblings-Alben bei Deezer ist Getz/Gilberto.

Der Deutschlandeintritt von Deezer kommt für viele überraschend. Warum Deutschland und warum gerade jetzt?

Deezer will die Produktion von Musik weltweit vorantreiben und unterstützen – und zwar nachhaltig. Um das zu erreichen, haben wir uns entschieden international zu expandieren; gleichzeitig mit der Globalisierung der Musikindustrie: Wachstum entsteht in Zukunft deutlich stärker im Rest der Welt, nicht mehr in den USA und Japan, den führenden Wachstumsmärkten der Vergangenheit. Analysten rechnen in den USA mit einer jährlichen Wachstumsrate von circa vier Prozent. Für den Rest der Welt prognostizieren sie eine Wachstumsrate von mehr als 15 Prozent pro Jahr.

Deutschland ist einer der spannendsten Märkte. Bei einem Umsatzvolumen von ca. 1,6 Milliarden Dollar im Musik-Einzelhandel (physische Verkäufe), ist Deutschland weltweit der dritt größte Markt. Mit Blick auf die digitalen Verkaufszahlen hinkt Deutschland jedoch hinterher: Sie erreichen nur 20 Prozent der physischen Verkäufe. In Frankreich ist das Volumen von digitalen Verkäufen bereits auf 30 Prozent und in Großbritannien auf 60 Prozent gestiegen. In den USA übersteigen die digitalen Musikverkäufe sogar die Verkaufszahlen von physischen Formaten.

Sollte auch Spotify demnächst in Deutschland launchen, stehen sich vier große Musik-Streaming Dienste gegenüber. Warum denkst du, werdet ihr das Rennen machen und wie siehst du die Chancen der anderen drei Dienste Spotify, Simfy und Rara?

Wir starten unseren Streamingdienst in Deutschland mit hohen Erwartungen. Deezer hat mit ungefähr 2.000 Musik-Label und Rechtevermarktungsunternehmen Verträge abgeschlossen. Darunter sind auch die großen vier: Universal Music, Sony Music, Warner Music and EMI. Damit können wir einen Musikkatalog von mehr als 13 Millionen Titeln anbieten.

Wir bringen zudem eine starke redaktionelle Komponente, die auf den deutschen Markt zugeschnitten ist, mit. Deezer ist internet-basiert und richtet sich so viel mehr an den Massenmarkt im Vergleich zu Anbietern, die sich auf eine bestimmte Software stützen. Außerdem haben wir eine Kooperation mit Facebook abgeschlossen.

Generell sind die Wachstumsperspektiven für Musikstreamingdienste wie Deezer, Spotify, Simfy und rara gleichermaßen sehr vielversprechend. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel – nämlich die Nutzungsquoten von Musikstreamingangeboten zu erhöhen. Die Hauptwettbewerber für Anbieter wie Deezer und Spotify bleiben die dominierenden Anwendungsmethoden wie beispielsweise one-off-downloads oder Musikpiraterie.

Insgesamt soll Deezer in den nächsten Monaten in über 100 Ländern verfügbar sein. Wie erreicht ihr diese riesige Abdeckung in einer derart kurzen Zeit?

Wir werden bis Juni 2012 in mehr als 200 Ländern unseren Service anbieten. Die web-basierte Technologie von Deezer macht es möglich, den Massenmarkt zu erreichen. Gerade in Entwicklungsländern, wo der vorhergehende Download einer bestimmten Software nicht üblich oder nur schwer zu bewerkstelligen ist, bietet unser einfacher Zugang große Vorteile. Bei seiner internationalen Wachstumsstrategie kann sich Deezer auch auf eine Vielzahl lokaler Partner wie zum Beispiel große Telekommunikationsunternehmen stützten, um weltweit den besten Service anzubieten.

Unter diesen Ländern werden sich aber weder die USA noch Japan finden. Warum?

Die USA und Japan sind ohne Zweifel heute die Hauptmärkte für die digitale Musikindustrie. Die Musikindustrie ist vor allem in den folgenden sieben Ländern ein starker Wirtschaftszweig: USA, Japan, Kanada, Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Hier werden 80 Prozent aller Umsätze aus physischen Verkäufen weltweit generiert. Die Digitalisierung des Musikmarktes mischt jedoch die Karten neu – und zwar auf globaler Ebene.

Wir sind fest davon überzeugt, dass die Globalisierung des Musikmarktes voranschreitet und dass wir bis 2016 mit unseren Gebieten 75 Prozent des Musikmarktes darstellen.

Wo wird Deezer Ende 2012 stehen und wie wird sich die digitale Musikbranche bis dahin entwickelt haben?

Ende des nächsten Jahres wird Deezer in mehr als 200 Ländern vertreten sein. Die Globalisierung bietet uns hervorragende Wachstumsmöglichkeiten, insbesondere außerhalb der USA. Wie gesagt, die jährlichen Wachstumsraten für den Musikmarkt liegen weltweit bei über 15 Prozent, außer in den USA und in Japan. In den Entwicklungsländern liegen die Prognosen noch höher. Diese Wachstumspotenzial wollen wir ausschöpfen.