Oleg Teschltzoff, interview, kkp, fotolia, bilddatenbank, fotodatenbank, videodatenbank

Die in Deutschland mit fast 60 Prozent Marktanteil beliebte amerikanische Bilddatenbank Fotolia (www.fotolia.de) hat eine millionenschwere Finanzierung abgeschlossen: Das Konsortium KKR Kohlberg Kravis Roberts (www.kkr.com) investiert 150 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Fotolia wurde 2005 in New York gegründet und führt mittlerweile über 17 Millionen Bilder und Videos. Der neue Private-Equity-Investor will die Weiterentwicklung und das Wachstum von Fotolia mit vorantreiben. Der Fotolia-Gründer Oleg Tscheltzoff im Interview.

Hallo Oleg, stelle dich bitte kurz vor.

Ich sehe mich als Internet-Unternehmer. Bevor es mit Fotolia losging, war ich einer der Mitgründer des französischen Webhosting-Unternehmens Amen.fr. Neben meiner operativen Führungsrolle bei Fotolia investiere ich zudem in viele europäische Startups. Das Internet ist meine Leidenschaft und ich finde es großartig, dass durch das Web über alle Industrien hinweg immer wieder disruptive, also neuartige, Geschäftsmodelle entstehen.

Fotolia hast du als klassisches Startup mitgegründet. Hast du bei der Gründung Fotolias vor sieben Jahren mit einem derartigen Erfolg, wie ihr ihn heute verzeichnet, gerechnet? Was war das Erfolgsrezept?

Bei unserem vorherigen Webhosting-Unternehmen ist mir aufgefallen, dass es einen großen Bedarf an Bildern und Fotos gibt. Viele Leute, die eine Webseite gekauft haben, haben nach Bildern gefragt, mit denen sie ihre Seite kostengünstig illustrieren können. In Europa gab es dafür – insbesondere mit Blick auf den Preis – keine attraktiven Anbieter. So ist die Idee für Fotolia entstanden. Ich konnte mir jedoch nicht vorstellen, dass der Bedarf mal so groß werden würde.

Würdest du rückblickend Dinge anders machen?

Ich denke, wir haben vieles richtig gemacht. Allerdings hatten wir auch eine Portion Glück: Wir waren mit den richtigen Produkten zur richtigen Zeit auf dem Markt. Außerdem hatten wir ein starkes Netzwerk in der Webhosting-Industrie, das es uns ermöglicht hat, mit verschiedenen Partnern, wie beispielsweise Strato, zusammenzuarbeiten. Das hat uns sehr dabei geholfen, mit Vollgas unseren Marktplatz zu schaffen.

Gerade konnte sich Fotolia über eine 150 Millionen US-Dollar Finanzierung freuen. Glückwunsch dazu. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit KKR und was waren die Beweggründe für die Zusammenarbeit?

Fotolia wächst kontinuierlich seit sieben Jahren. Es war nun an der Zeit, einen neuen Partner mit an Bord zu holen, der mehr als nur Kapital mitbringt. Dass die Wahl auf KKR gefallen ist, war für uns nur logisch: KKR verfügt über ein großes Netz an Unternehmen, die alle für Fotolia neue Geschäftspartner sein können. Das wird unser Wachstum maßgeblich vorantreiben.

KKR ist zudem einer der weltweit führenden Investoren. Falls wir also mal Kapital für weitere Wachstumsschritte, wie zum Beispiel Akquisitionen brauchen, haben wir mit KKR einen starken Partner, der uns sowohl finanziell als auch dank seiner M&A- und Business-Building-Expertise bei der Umsetzung solcher Projekte unterstützen kann.

Vor Fotolia warst du an verschiedenen Gründungen beteiligt. Momentan bist du aktiver Business-Angel. Ist es für dich spannender, ein Unternehmen aufzubauen, als es im Tagesgeschäft zu leiten?

Ich liebe das „Startup-Gefühl“ – alles passiert schnell und ist innovativ. In meinen Augen ist Fotolia immer noch ein Startup. Wir müssen noch einiges tun, um weltweit der Marktführer für Microstock-Bilddatenbanken zu werden. Gleichzeitig sind wir aber bereits ein ziemlich großes und komplexes Unternehmen, daher müssen wir bestimmte Strukturen und Prozesse jetzt professionalisieren. Das macht den Job bei Fotolia so wahnsinnig interessant und aufregend.

Auf der einen Seite eine große Unternehmen notwendige systematische Herangehensweise, auf der anderen Seite das flexible und agile Agieren wie bei Startups. Das ist die Kultur, die ich unserem Team täglich näher bringe.

Als Business-Angel investierst du in disruptive Geschäftsmodelle. Lässt sich daraus schließen, dass du Copycats eine klare Absage erteilst?

Für einen Investoren gibt es zwei Risikotypen: Das Produkt-Risiko und das Markt-Risiko. Man sollte besser nicht beide Risiken gleichzeitig in einem Investment eingehen. Wenn man nun das Produkt-Risiko eingeht, weil man innovative Produkte auf den Markt bringt, sollte man besser in große Märkte wie den USA oder Deutschland einsteigen. Wenn man hingegen das Markt-Risiko eingeht, indem man in kleinere Märkte vorstößt, dann sollte man lieber mit funktionierenden Produkten wie Copycats arbeiten.

Du bist ein bekennender Freund des Bootstrappings. Dennoch würde es viele (wenn nicht die meisten) der heute erfolgreichen Startups ohne frühes Venture-Capital nicht geben. Wie ist deine Meinung hierzu?

Geschäftsmodelle mit negativem Betriebskapital, bei denen man Wachstum über die Zahlungseingänge der Kunden finanziert, faszinieren mich. Wenn Startups zu viel Geld über Investoren einsammeln, kann das schnell zum Problem werden, da sich die Gründer schnell an „easy cash“ gewöhnen. Das muss sehr sorgfältig gemanagt werden – am besten so, dass das Startup so gebaut ist, dass es in der ersten Phase noch keinen positiven Cashflow generiert.

Du hast die erste Blase 2000 miterlebt. Mit dem misslungenen Börsenstart Groupons und dem holprigen Start an der Börse von Facebook prognostizieren viele die nächste Blase. Bist du derselben Meinung?

Das Internet ist heute in einem ganz anderen Stadium als noch vor zehn Jahren. E-Commerce generiert Umsatzerlöse in Milliardenhöhe, Web-basierte Geschäftsmodelle haben sich durchgesetzt und Unternehmen wie Groupon und Facebook wachsen schneller als Unternehmen aus allen anderen Branchen. Einige Firmen mögen überbewertet sein, aber generell bin ich davon überzeugt, dass die genannten Unternehmen auch langfristig über signifikante Wachstumspotenziale verfügen und wir daher noch viel und lange von ihnen hören werden.

Oleg, vielen Dank für das Gespräch.