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„Startup-Held“ Frank Thelen im Interview

Rechnungen, Tickets, Mahnungen, Zeugnisse, verteilt in einhundert verschiedenen Ordnern, on- und offline – von diesem Papierkrieg hatte Frank Thelen die Nase voll. Sein Startup Doo (www.doo.net) bündelt alle Dokumente an einem Ort und digitalisiert bei Bedarf auch analoge Werke. In der Serie „Startup-Helden“ spricht Doo-Gründer Thelen über Ordnung, die Risikoaversion der Deutschen und die Zukunft des Internets.

Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Gründer und Investor, mit großer Leidenschaft für Technologie und Design. Seit meinem 18. Lebensjahr gründe ich Startups, die versuchen, neue Technologien in revolutionäre Produkte zu verwandeln. Hierbei habe ich extrem harte Rückschläge und unglaubliche Erfolge erleben dürfen. Aktuell versuche ich, mit Doo Dokumente neu zu denken. Als Investor bin ich bei 6Wunderkinder (www.6wunderkinder.com) und Mytaxi (www.mytaxi.de) aktiv. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist unglaublich: Ich habe mit Multimedia-CD-ROMs gestartet, dann kam das Web, jetzt sind es Apps und es fühlt sich an, als wäre das Web über Nacht gestorben.

Was macht Doo einzigartig?

Doo verbindet meine Dokumente aus allen Quellen (EMail, Dropbox, Google Drive, Evernote, …) und bezieht auch die analoge Welt über Scanner-Integration und Partner mit ein. Alle Dokumente werden von unserer Data Intelligence analysiert und als Rechnung, Vertrag oder Mahnung erkannt. Dann verbinden wir Personen, Firmen, Orte und vieles mehr. Und alles automatisch und zuverlässig; meine bisher größte Herausforderung in 20 Jahren Software-Entwicklung.

Wie bist Du auf die Idee zu Doo gekommen?

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Ich habe mich immer wieder darüber geärgert, Dokumente verloren zu haben, oder in verschiedenen Quellen nach der aktuellen Version zu suchen. Dokumente haben nach der Erfindung von Office und dem Netzwerklauf keine wirkliche Innovation mehr erfahren. Nach einigen Monaten intensiver Prüfung von möglichen Konzepten und aktuellen Technologien wusste ich: Die Zeit, Dokumente zu revolutionieren, ist gekommen. Dann habe ich Doo mit Marc Sieberger und Alex Koch gegründet.

Was wünschst Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland?

Technologie, Design und Produkt getriebene Gründer und Investoren. Deutschland liebt erprobte Geschäftsmodelle mit klaren Excel-Tabellen. Daher haben wir Erfolg in Bereichen wie E-Commerce, Re-Commerce, Rabatt-Clubs und anderen Marketing-Startups. Riskante Technologie-Innovationen wie ein MyTaxi oder Doo sind Ausnahmen in Deutschland und oftmals höre ich: „Damit solltet Ihr ins Valley gehen.“ Meine Hoffnung: Ich kann hier bleiben und Deutschland ändert sich.

Welche Trends siehst Du im Internet?

„The web is dead“ ist die größte Veränderung für Konsumenten und Startups. Meine Mutter verwendet keinen Browser und tippt nicht beispielsweise www.toller-service.de ein, sondern Sie verwendet ein Tablet mit einem App Store von iOS, Android oder Windows 8. Viele wollen dies nicht wahrhaben, weil die Entwicklung von Apps deutlich komplexer und teurer ist als die einer Website. Auch Brücken-Lösungen wie HTML5-Apps funktionieren nicht. Diese Versuche werden nach und nach alle eingestellt.

Bild: Doo