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Die Idee ist da, das Geschäftskonzept geschrieben, nur das nötige Kapital zur Umsetzung meist schwer auffindbar. Sollte es an eigenen Mitteln fehlen, sind Bankredite neben Business Angel- oder Venture Capitalist-Finanzierug eine Option. Für viele Jungunternehmer führt dieser Weg jedoch ins Leere, da es Banken meist an Expertise fehlt, um Geschäftsmodelle und deren Risiken einzuschätzen. Zumindest Startups aus Frankfurt am Main können nun aufatmen. ConCap bietet mit dem Frankfurter Gründerfonds (www.frankfurter-gruenderfonds.de) einen neuen Weg an, um an die begehrten Mikrokredite zu gelangen. Frankfurter Gründerfonds-Projektmanager Andreas Küppers erklärt wie.

Hallo Andreas, stelle dich doch einmal bitte kurz vor.

Ich bin Projektmanager für den Frankfurter Gründerfonds bei der ConCap Connective Capital GmbH, ein Tochterunternehmen der Frankfurt School of Finance & Management mit dem Schwerpunkt Finanzierung. Ich habe die Prozesse für den Frankfurter Gründerfonds entwickelt und implementiert. Gemeinsam mit meinem Kollegen Nils Hafa führe ich die Interviews mit den Antragstellern und empfehle Bürgschaften an die Bürgschaftsbank Hessen.

Die Arbeit ist vielfältig, herausfordernd und macht zudem noch viel Spaß, weil ich mit den unterschiedlichsten Menschen und Ideen in Berührung komme. Zudem ist das Arbeitsumfeld bei ConCap international geprägt, die Mitarbeiterstruktur diversifiziert mit dem angenehmen Nebeneffekt, inmitten einer Hochschule zu arbeiten. Ursprünglich komme ich aus der Existenzgründungs- und Strategieberatung mit zehn Jahren Erfahrung als Berater und Dozent.

Kannst du den Frankfurter Gründerfonds etwas genauer vorstellen und dabei das Konstrukt aus den verschiedenen Beteiligten entstricken?

Der Frankfurter Gründerfonds ist aus einer bis ins Jahr 2008 zurückreichenden Initiative verschiedenster Akteure in Frankfurt heraus entstanden, die erkannt haben, dass die Finanzierung von Gründern ohne Unternehmenshistorie eine Lücke im weit diversifizierten Förderdschungel darstellt. Diese Initiative hat die Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH aufgegriffen und die Frankfurt School of Finance & Management beauftragt, eine Mikrofinanzstudie für die Stadt Frankfurt zu erstellen.

Ziel war, herauszufinden, ob die Nachfrage nach Mikrokrediten in Frankfurt groß genug ist, um einen Gründerfonds aufzulegen. Insgesamt 100 Unternehmen wurden nach ihren Erfahrungen mit der Finanzierung für den Unternehmensstart befragt. Sie empfanden den Zugang im Kreditsegment bis 50.000 EUR als besonders problematisch. Die Banken auf der anderen Seite bemängelten die unzureichenden Businesspläne und fehlenden Sicherheiten. Die Ergebnisse der Mikrofinanzstudie beschleunigten die Taufe des Frankfurter Gründerfonds.

Die Konzeptprüfung wird mit Haushaltsmitteln der Stadt Frankfurt finanziert und ist somit kostenfrei für Gründer und Jungunternehmen bis zu drei Jahren am Markt. Der Gründerfonds ermöglicht somit bis zu drei Jahre alten Startups den Zugang zu Krediten zwischen 2.500 und 50.000 EUR. Mein Kollege und ich prüfen die Geschäftskonzepte der Antragsteller und geben eine Empfehlung für eine Bürgschaft an die Bürgschaftsbank Hessen. Mit der Bürgschaftszusage können die Antragsteller dann eine unserer sechs Kooperationsbanken aufsuchen und den Kredit beantragen.

Mittlerweile ist das Verfahren bis zur Auszahlung sehr schlank. Vom Zeitpunkt unserer Empfehlung an die Bürgschaftsbank bis zur Auszahlung des Kredits vergehen in der Regel knapp vier Wochen. Eine Besonderheit unseres Konzeptes ist die Einbettung vierteljährlicher Unternehmenschecks im Zeitraum der Kreditlaufzeit, um so frühzeitige Fehlentwicklungen zu erkennen und geeignete Maßnahmen gemeinsam mit dem Gründer treffen zu können.

Wichtig zur Abgrenzung unserer Tätigkeit gegenüber anderen Beratungseinrichtungen ist zu sagen, dass wir keine Existenzgründungsberatung leisten, sondern an diese Beratung nahtlos mit der Finanzierung des Vorhabens und kreditmateriellen Betreuung des Gründers anschließen. Daher ist eine Voraussetzung, um am Frankfurter Gründerfonds teilzunehmen, ein fertiges Geschäftskonzept einzureichen.

Seht ihr den Frankfurter Gründerfonds dann als eine staatliche oder private Institution?

Weder noch. Die Wirtschaftsförderung hat die ConCap beauftragt, den Frankfurter Gründerfonds zu managen. Warum gerade wir? Weil die ConCap von der Bundesfinanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassen ist zur Finanzportfolioverwaltung. Der Frankfurter Gründerfonds selbst ist, wenn Du so willst, ein Gemeinschaftsprodukt von Wirtschaftsförderung und Privatunternehmen.

Ist der Fonds eine Alternative zur „klassischen“ Venture Capitalist- oder Business Angel-Finanzierung?

Wir haben mit dem Frankfurter Gründerfonds eine Lücke geschlossen in einem für Gründer schwierigen Finanzierungssegment und sehen an den zahlreichen Anfragen das große Nachfragepotenzial. Ob Venture Capital oder die Beteiligung von Business Angels eine Rolle spielen, hängt individuell von den Zielen des Gründers oder Jungunternehmers ab.

Während Venture Capital bereits in einer sehr frühen Phase des Unternehmensaufbaus vor dem Start zum Beispiel für die Produktentwicklung in Form von Seed-Money eingesetzt werden kann, beginnt die Finanzierung durch den Frankfurter Gründerfonds in der Start- und Gründungsphase des Unternehmens. Auch Jungunternehmen bis zu drei Jahren am Markt fördert der Frankfurter Gründerfonds. Daher stellt dieses Modell weniger eine Alternative als eine Ergänzung des Finanzierungsinstrumentariums dar.

Welche Leistungen können Gründungswillige vom Frankfurter Gründungsfonds erwarten?

Eine Gründerin hat uns einmal gesagt, dass für sie sehr hilfreich war, Berater an der Seite zu haben, die ein schlankes Verfahren von der ersten Kontaktaufnahme bis hin zur Auszahlung des Kredits und Begleitung darüber hinaus anbieten. Ohne ConCap hätte es nach ihrer Aussage viel länger gedauert, sei es dass sie die Kontakte zu den Banken nicht hatte, sei es dass sie keinen Sparringspartner kannte, der vor dem Bankgespräch Feedback zum Geschäftskonzept geben kann oder sie die Wege hin zur Finanzierung einfach nicht kennt. So vergeht viel Zeit neben den vielen anderen Themen, die in der Gründungsphase anstehen.

Und genau das zeichnet uns aus. Wir unterstützen aktiv mit einem schnellen und schlanken Verfahren und nehmen dem Gründer so eine Menge Arbeit ab. Aber, und das möchte ich an dieser Stelle auch betonen, wir verlangen auch einiges von den Gründern. Sie müssen uns ein ordentliches Konzept vorlegen und uns davon überzeugen, dass sie die Richtigen sind, das Konzept umzusetzen. Wir fragen kritisch nach. Viele schätzen das, weil wir Fragen stellen, die so sonst niemand stellt.

Ihr seid erst 2010 gestartet. Kannst du trotzdem bereits von Erfolgsgeschichten unter den Kapitalempfängern berichten?

Wir erkennen an der zunehmenden Nachfrage die Steigerung unseres Bekanntheitsgrades. In den vergangenen zwölf Monaten hatten wir 140 Anfragen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Ein Vorteil sicherlich ist, dass mein Kollege und ich die Gründungsszene sehr gut kennen und über ein dementsprechend großes Netzwerk verfügen. Überrascht hat uns die Vielfalt der Gründungsideen, die an uns herangetragen werden. Diejenigen, die bereits einen Kredit erhalten haben, sind auch in sehr unterschiedlichen Branchen unterwegs. Das freut uns, weil es auch die vielfältigen Lebensentwürfe in Frankfurt am Main widerspiegeln.

Einige Beispiele von geförderten Gründungen sind auf unserer Homepage beschrieben.

Bisher kommt der Frankfurter Gründerfonds nur für in Frankfurt ansässige Unternehmen in Frage. Das Konstrukt aus Beratung, Bürgschaft und Bankenkredit ist sicherlich auch für andere deutsche Städte und Unternehmer interessant. Was ist diesbezüglich in der Planung?

Ein sehr guter Punkt. Das Modell des Frankfurter Gründerfonds gilt nur für das Frankfurter Stadtgebiet, ist aber replizierbar und in anderen Städten umsetzbar. Aber nicht nur Städte sind interessant, sondern auch Unternehmen, die bestimmte Cluster unterstützen wollen, zum Beispiel Biotechnologie oder Banken, deren flächendeckende Struktur ideal ist, um ein solches Produkt zu vertreiben oder natürlich auch andere Hochschulen. Wir sind hier in intensiven Gesprächen mit allen genannten Zielgruppen.

Andreas, vielen Dank für das Gespräch.