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Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal, ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses Mal: Benedict Rodenstock von Astutia (www.astutia.de).

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Mein Name ist Benedict Rodenstock, ich komme aus München. Früher habe ich unter anderem operativ in der Internetbranche gearbeitet, bei einem Startup im Umfeld von Web.de (www.web.de) und bei Hubert Burda Media (www.hubert-burda-media.com). 2005 habe ich, nach dem Verkauf unseres Familienunternehmens, dann mein erstes Angel-Investment gemacht. 2006 habe ich die Astutia als Holding gegründet. Mittlerweile sind wir ein Team von fünf Leuten und betreuen ein Portfolio von circa 15 Investments. Wir erhalten mehrere hundert Finanzierungsanfragen pro Jahr.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Wir sind kein Fonds, sondern ein unternehmerisches Family-Office. Daher legen wir den Umfang unserer Mittel nicht offen. Unser Schwerpunkt liegt in Direktbeteiligungen in aussichtsreiche Unternehmen der Internetbranche, die sich in der Früh- beziehungsweise Wachstumsphase befinden. Ein Proof-of-Concept sollte möglichst schon vorhanden sein. Die Investmententscheidungen treffen wir mit einem Vier-Augen-Prinzip zwischen meinem Partner Bernd und mir. Aktuelle Beteiligungen sind: Mister Spex (misterspex.de), MySportGroup (www.mysportgroup.de), Fashionette (www.fashionette.de), InterNations (www.internations.org), V-Bank (www.v-bank.com), … Daneben haben wir ein strategisches Portfolio von Venture-Fonds aufgebaut und halten damit Anteile an weiteren Erfolg versprechenden Firmen.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht.

Normalerweise investieren wir einen sechsstelligen Betrag, mit der Option, in späteren Runden nachzuinvestieren. In der Regel syndizieren wir mit anderen Investoren, denen wir vertrauen. Wir streben einen Anteil von mindestens fünf Prozent an.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Man trifft viele interessante Leute – solche, die was bewegen wollen oder schon viel bewegt haben. Und man wird ständig mit neuen Ideen konfrontiert, kein Tag ist wie der andere. Allerdings muss man die hohen Leistungsstandards in der Branche auch bei sich selbst anwenden.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung?

Einige unserer Beteiligungen haben sich sehr schön entwickelt. Da muss man als Investor nicht viel eingreifen und freut sich über stetig wachsende Zahlen. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen. Wir hatten auch schon weniger erfolgreiche Investments. Da lag es letzlich immer am Management.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Das Team ist eindeutig wichtiger. Generell heißt es, die Idee ist zehn Prozent und die Ausführung (Execution) macht 90 Prozent des Erfolgs aus. Das heißt nicht, dass es trivial ist, eine gute Idee zu haben. Aber ein gutes Team kann bei Bedarf das Geschäftsmodell anpassen, falls sich die ursprüngliche Idee als doch nicht so gut erweist. Ob es eine schlechte Idee ist, dazu mag man sich schnell eine Meinung bilden; man braucht länger, um herauszufinden, ob es sich um ein gutes Team handelt.

Gibt es das ideale Gründerteam?

In der Praxis gibt es das „ideale“ Gründerteam sicherlich selten, das ist die knappste Ressource. Ideal ist, wenn die Gründer gut qualifiziert und motiviert sind und sich von den Skills und den Persönlichkeiten her gut ergänzen. Sie sollten auch in schweren Zeiten ausreichend Standvermögen beweisen. Mindestens eine Person sollte in der Branche Erfahrung haben. Die IT sollte möglichst von Anfang an intern abgedeckt sein.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei Startups für Dich?

Es gibt keine Checkliste, die man einfach abarbeiten kann. Wir achten sehr stark auf die Qualität des Managements. Daneben müssen das rechtliche Setup und die anderen Investoren passen. Für uns ist auch wichtig, dass das Management durch ausreichend Anteile incentiviert ist. Das Unternehmen sollte auch schon einiges vorzuweisen haben – nur in eine Idee oder einen Businessplan investieren wir nicht. Manchmal liegt es aber auch einfach an uns – wir machen nur 1-3 Engagements pro Jahr.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

In einer frühen Phase ist Wachstum sicher wichtiger. Irgendwann muss sich das Unternehmen aber überlegen, wieviel Geld es noch verbrennen will. Letztendlich ist eine Firma zum Geldverdienen da. (Im Venture-Bereich kommt mit Glück der Exit manchmal vor dem Break-Even).

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von Startups in Deutschland?

1. Es gibt oft zu viele Wettbewerber in einem Segment, ohne dass kritische Masse entsteht. 2. Die Bewertungen sind vielfach schon am Anfang zu hoch – die Gründer wollen nichts abgeben. 3. Es wird beim erstbesten Angebot verkauft. So werden die Firmen meist nicht richtig groß.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Ganz klar, im Vergleich zu den USA sind wir ein Entwicklungsland. In den USA gibt es 300 Venture-Fonds, die grüßer als 150 Millionen USD sind (DACH: fünf Fonds) und hunderte von organisierten Angels, inklusive einige Super-Angels. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft wird in den USA zehn mal soviel Kapital in Venture-Capital investiert wie in Deutschland (0,027 Prozent). Die Gründer sind vielfach professioneller und auch ehrgeiziger. Die wollen wirklich die Welt verändern und ihre Firmen groß machen. In Europa tun wir uns allerdings auch schwerer aufgrund der fragmentierten Natur unseres Kontinents. Das ist nicht leicht zu überwinden. Vielleicht wird ja jetzt Berlin ein Standort mit kritischer Masse auch für ausländisches Venture Capital.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Das Internet entwickelt sich ständig weiter: Derzeit interessante Trends sind die App-Economy, Gamification und die Cloud sowie Crowd-basierte Modelle oder Kombinationen davon.

Wie stehst Du zu Copycats?

Bei Copycats ist das Risiko sicher geringer als bei hundertprozentigen Innovationen. Bei letzteren ist es hier zu Lande wohl sehr schwer, auf kritische Masse zu kommen. Ein gut exekutiertes Copycat hat sicher auch seine Berechtigung. Der Anspruch sollte aber letztendlich sein, mit der Zeit innovativer zu werden.

Auf welchen Startup-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

In Q4 2011 war ich fast jede Woche zwei Tage unterwegs, unter anderem auf: Echtzeit (www.deutsche-startups.de/echtzeit), Online Stammtisch (www.online-stammtisch.com), Dmexco (www.dmexco.com), European Venture Market (www.europeanventuremarket.com), White Bull Conference (www.whitebull.com), und so weiter. Dann gibt es noch Veranstaltungen nur auf Einladung von einzelnen Investoren. Ich versuche, meine Präsenz zu mischen zwischen offenen und exklusiven geschlossenen Events, zwischen lokalen, nationalen und internationalen Kreisen. Für dieses Jahr habe ich mir aber vorgenommen, weniger Veranstaltungen zu besuchen. Zwei Formate, die ich letztes Jahr nicht geschafft habe und die ich dieses Jahr gerne mitnehmen möchte, sind: Pirate Summit (www.piratesummit.com) und Noah Conference (www.noah-conference.com).

Zu lesen empfehle ich: Internet World Business (www.internetworld.de), VC Magazin (www.vc-magazin.de), Deutsche Startups und natürlich Gründerszene.