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Pro Woche erscheinen auf Gründerszene bis zu drei Videointerviews, bei denen zumeist Joel Kaczmarek vor und ich, Georg Räth, hinter der Kamera agieren. Im diesem Jahr wohnte ich dabei ungefähr 100 Videoaufnahmen bei, war an Vor- und Nachgesprächen beteiligt und lernte von Oliver Samwer bis Klaus Wowereit die spannendsten Persönlichkeiten kennen. Dass dabei kein Dreh wie der andere war, verrät dieses Videointerview-behind-the-scenes-Jahresrückblick-2011-Special.

Lukasz Gadowski bricht alle Rekorde, Suggy vermeintlich jugendgefährdend, Jens Begemann strahlt

Wenn es bei Gründerszenes Videointerviews einen standardisierten Ablauf gäbe, sähe der etwa so aus: Vorgespräch, Equipmentaufbau, Interview, Verabschiedung. Lukasz Gadowski hielt ersteres nicht für notwendig und ging gleich zu Punkt drei über. Dementsprechend viel hatte er dann aber im Interview zu sagen. Das Problem: Da wir normalerweise mit maximal zehn Minuten Interviewlänge planen, war auf dem Kameraband auch nur etwas mehr als diese Zeit frei. Insgesamt ging das Interview dann 33 Minuten und endete mit der letzten Minute des Bandes.

Ominöse Fantasienamen gehören bei Startups oft zum guten Ton. Folgender sächsischer Startup-Besuch erfreute die Redaktion aber auch noch Tage nach dem Interviewtermin: „Hallo ich bin Matthias Schneider von Sucky.“ „Sucky?“ „Ja. ‚Sucky‘. S. U. G. G. Y. Von ‚to suggest‘.“ Sachsen sollten eindeutig mehr Bedacht auf die Wahl ihres Produktnamens legen.

Ich habe durch die Interviews viele Unternehmer getroffen. Und verständlicherweise sind diese zu Medienvertretern immer besonders freundlich. Aber es gibt niemanden, der so viel lächelt und gute Laune verbreitet wie Jens Begemann von Wooga. Selbst Sätze wie „Wir machen keinen Umsatz“ bringt er mit einem Lächeln hervor. Dann gibt es einen Kaffe serviert, natürlich pesönlich von Jens zubereitet, mit einem Lächeln. Es muss nicht immer nur knallhartes Unternehmertum sein.

Airbnb lässt Büro glänzen, Coffe Circles Bestechungsversuch, Brands4Friends-Modelshooting

Gerade, als die Airbnb-Welle nach Deutschland schwappte, erhielten wir die Möglichkeit eines Interviews mit einem der Gründer. Was Joe Gebbia nicht wusste. Das Gründerszene-Büro sollte nie wieder so repräsentativ glänzen wie an diesem Tag. Was man nicht alles für ein Interview tut.

Oftmals versuchen Startups vor, nach oder bei den Interviews mit netten Giveaways zu punkten. Coffee Circle, gerade mit einer Finanzierungsrunde gesegnet, versuchte es nach dem Interview bei Joel mit einem frisch aufgebrühten Kaffee aus der eigenen Produktreihe. Der chronische Kaffee-Antagonist lehnte dankend ab. Ich ließ mich auf den Bestechungsversuch ein, der Kaffee schmeckte ausgezeichnet und der Artikel fiel zehn Prozent positiver aus als ursprünglich geplant. Im Interview musste Joel übrigens ein von uns vorher festgelegtes Wort unterbringen. Findet ihr es?

Hausbesuche sind bei Interviews nichts Besonderes. Wo es aber sonst meist nur Räume mit vor Computermonitoren arbeitenden Menschen zu bestaunen gibt, erwartete uns bei Brands4Friends unter anderem ein Fotostudio. Und noch besser: Models. Joel ließ es sich nicht zwei mal sagen, ergriff die einmalige Gelegenheit und posierte für das Video mit einer der Damen.

Beyer & Söhnes Top-Secret-Kosename, Klaus Wowereit mit Zeitdruck, Piratenpartei mit Kinderspielplatz

Die meisten Interviewpartner werden uns von Bekannten vorgeschlagen. Beim Kosmetik-Startup Beyer & Söhne lockte uns vorrangig der nicht jugendfreie Kosename, den befreundete Startups den beiden Brüdern gaben. Welcher das ist? Das bleibt besser streng geheim!

Zugegeben: Das Interview, auf das ich mich 2011 am meisten freute, war  das Abgeordnetenhauswahl-Startupspecial mit Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. Stundenlanges Telefonieren mit den verschiedensten Personen im Vorfeld und etliche Ab- und dann doch Zusagen später kam es zum großen Moment. Der war dann weniger pompös als gedacht: Wowereit tritt vor unsere Kamera und wir kommen mit wenigen Sekunden Videomaterial nach wochenlanger Arbeit wieder nach Hause.

Ganz anders die Piratenpartei. Ich rufe direkt beim Spitzenkandidat Andreas Baum auf der öffentlich zugängigen Handynummer an. Verabrede sofort einen Termin. Wir drehen fast eine Stunde auf einem Hinterhof neben einer roten Kinderrutsche. Industrieelektroniker Andreas zieht eine Woche später ins Berliner Abgeordnetenhaus ein und ist fortan Vollzeitpolitiker.

Denglzösisches-Interview mit Alexis Hue, Mr. Evil Oliver Samwer, Google-Einblicke mit TestCloud

Englisch bei Interviews ist keine Seltenheit. Englisch mit einem Franzosen wie etwa Alexis Hue von Wein der Woche dann aber doch eine Herausforderung. Da Joel erst später zum Interviewtermin dazustieß, führte ich das Vorgespräch auf Engzösisch und war froh, die Sprachbarriere erfolgreich gemeistert zu haben. Joel erscheint wenige Minuten später am Interviewort, schnappt sich das Mikrofon und hält das Interview zusammen mit Alexis Hue knapp neun Minuten lang in fast perfektem Deutsch.

Kein anderer Dreh war im Vorfeld mit so viel Angstschweiß verbunden wie der mit Oliver Samwer. Nicht nur, dass Oli die gruseligsten Greueltaten nachgesagt werden, nein, Joel und ich waren auch noch unangemeldet und mit einer Videokamera bewaffnet im Reich des Bösen unterwegs. Als wir dann mit angstverzerrten Gesichtern in Olis Büro eintraten, lächelte uns der sofort breit an, war ausgesprochen freundlich, hatte eine hohe, aber angenehme Stimme und hinterließ einen extrem positiven Eindruck. Wer hätte das gedacht.

Joel und ich zu Besuch beim Crowdsourcing-Testanbieter TestCloud. Das Vorgespräch ist gelaufen. Der Bildhintergrund perfekt drapiert und dann: fehlt die Kamera. Spontan fährt uns TestCloud-Gründer Thomas Gruderich zurück ins Büro, das fehlende Equipment holen, und beschert uns während der Fahrt mit spannenden Erzählungen über seinen früheren Arbeitgeber Google (nie mehr selber kochen, atemberaubende Bewerbungsverfahren, lebenslanger Arbeitsvertag, …) die angenehmste Fahrzeit der letzten Monate.