NOAH-Konferenz, Marco Rodzynek, NOAH Advisors, Mergers & Acquisitions, M&A

Auf der NOAH-Konferenz in London treffen Web-Startups seit 2009 einmal im Jahr auf Internet-Konzerne und Investoren auf Gründer – das Ziel: sich in der europäischen Internetszene vernetzen und neue wie alte Internet-Modelle besser kennen lernen. So auch wieder im kommenden November. Initiator Marco Rodzynek spricht mit Gründerszene über das anstehende Ereignis, allgemeine Marktentwicklungen sowie sein Beratungsunternehmen NOAH Advisors (www.noah-advisors.com).

Lass uns nochmal eine kleine Geschichtsstunde machen: Wie bist Du zur NOAH-Konferenz gekommen und was ist ihr Anspruch?

Banker haben den Ruf, selten was Gutes zu tun, das wollten wir ändern. NOAH Advisors hat zahlreiche wertvolle Kontakte aus verschiedenen Bereichen rund um das Internet. Diese alle einmal im Jahr in einen Raum zu bringen, schien eine gute Idee und der Erfolg der Konferenz zeigt, dass das Interesse von unserem Netzwerk geteilt wird.

Unser Anspruch ist es, die größte und qualitativ hochwertigste Konferenz für die Internet-Industrie in Europa zu werden. Erfolgreiche Geschäftsmodelle und profitable europäische Unternehmen sollen im Vordergrund stehen. Wir sind auf einem guten Weg, freuen uns aber natürlich über Vorschläge und Anregungen zur Verbesserung; das bringt uns schneller voran.

An wen richtet sich die NOAH-Konferenz denn primär? Was wird geboten?

Wir möchten Menschen zusammenbringen, die sonst nicht häufig aufeinandertreffen – Startups, etablierte Internet-Unternehmen, Medienkonzerne, Investoren, aber auch Besucher aus dem stationären Handel. Wir freuen uns ebenso über Wettbewerber aus der Corporate-Finance-Branche, da sie genauso zum Ecosystem gehören.

Eines haben alle Besucher gemeinsam: Sie sind erfolgreich. Wir sind sehr stolz, eine so große Gruppe an erfahrenen Top-Executives und Entscheidungsträgern aus der Industrie und von der Investorenseite für unsere Konferenz begeistern zu können. Eine Liste der Besucher der letzten zwei Jahre ist auf unserer Internetseite öffentlich einsehbar.

Wir bieten den Besuchern: Ausweitung und Vertiefung ihrer Kontakte, Informationen zu Trends und „heißen“ Sektoren und Unternehmen sowie jede Menge Spaß. Dieses Jahr werden über 90 Sprecher aus fast 20 Ländern dafür sorgen, dass für jeden Besucher etwas Interessantes dabei sein wird.

Ist die NOAH eher ein Vortrags-Event oder gibt es ein interaktives Format? Wie wird genetzwerkt?

Die dritte NOAH-Konferenz wird erstmals über zwei Tage gehen. Das erlaubt eine Auflockerung des Programms im Vergleich zu den eintägigen Veranstaltungen der letzten zwei Jahre. Wir haben gelernt, dass Vorträge zwar spannend für Finanzinvestoren sind, aber nicht unbedingt die Unternehmer ansprechen. Daher haben wir dieses Jahr einen guten Mix von Panel-Diskussionen, Vorträgen und Unternehmenspräsentationen. Das vorläufige Programm haben wir übrigens ebenfalls diese Woche veröffenlicht und es ist auf unserer Website verfügbar.

Networking wird bei uns groß geschrieben. Wir haben eine große Cafeteria mit vielen Sitzgelegenheiten, in der sich die Teilnehmer kennenlernen und außerhalb des Bühnenprogramms austauschen können. Selbstverständlich veranstalten wir auch dieses Jahr wieder die große NOAH-Party, zu der dann auch immer viele Freunde und Bekannte aus London kommen. Das hat letztes Jahr super geklappt. Zusätzlich zur Party wird es am zweiten Abend „networking drinks“ geben.

Das Konferenz-Center bietet uns dieses Jahr auch erstmals die Möglichkeit, B2B-Providern Messestände à sechs Quadratmeter anzubieten. Auch da wird es regen Austausch geben. Wir haben Vertreter unter anderem aus den Bereichen Payment, Online Advertising und Analytics.

Ihr seid ja auch im Bereich Mergers & Acquisitions aktiv – wie ist der europäische Markt derzeit aufgestellt?

Gut. Europäische Unternehmen gewinnen an kritischer Masse und sind zunehmend für internationale Käufer interessant. Nicht nur die US-Investoren, sondern auch asiatische Internet-Konglomerate wie Rakuten schauen bezüglich Zukäufen immer stärker auf den europäischen Markt. Wir sehen, dass Unternehmen mit starken Marktpositionen, Wachstum und Management weiterhin gute Verkaufspreise von 15- bis 20-fachem Gewinn erzielen. Die viel diskutierte Überhitzung trifft eigentlich nur für einige prominente Beispiele des US-Marktes zu. Wir sind sehr stolz, dass die zehn Transaktionen, die wir in den letzten zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen haben, nicht nur die Verkäufer, sondern auch die Käufer reich(er) machen.

Unsere ersten zwei Kunden haben Ihren Profit beispielsweise seit den Transaktionen im Jahr 2009 fast verzehnfacht. Das macht Spaß zu beobachten. Insbesondere, da sie alle NOAH-Kunden bleiben. Derzeit gibt es circa 125 europäische Internet-Unternehmen, die mehr als 120 Millionen Euro wert sind, und rund 40 davon, die mit über einer Milliarde US-Dollar bewertet sind. Wir sind davon überzeugt, dass der europäische Internet-M&A-Markt noch weiter an viel Schwung gewinnt, insbesondere im Bereich der größeren Deals von mindestens 300 Millionen Euro.

Welche Internet-Unternehmen funktionieren denn Deiner Erfahrung nach am besten? Was darf nicht fehlen?

Für uns hat die Qualität des Managements die größte Bedeutung. Ein ständiges Hinterfragen und Zweifeln ist gesund und darf nie fehlen. Arroganz, Egoismus, Gier oder Naivität verscheuchen nicht nur Wagniskapital, sondern auch gute Mitarbeiter. Geduld und Mut sind gefragt. Ebenfalls dazu gehört auch ein umfassendes KPI-System, welches es erlaubt, Entwicklungen zu verstehen und Unternehmen erfolgreich zu steuern.

Wichtig sind auch die Marktgröße und die strategischen Ziele in dem jeweiligen Markt. Unternehmen, die in einem großen Markt agieren und ein klares Business-Modell haben, sind gefragt, Nischenspieler weitaus weniger. Wenn der Markt zu klein ist, können Investoren wie Index oder Accel das Investment nicht verzehnfachen – egal, wie gut es läuft. Generell ist VC-Geld sicherlich gut, um Dinge zu beschleunigen, aber die Disziplin darf darunter nicht leiden…

Was für eine Zukunftsvision hast Du für die NOAH-Konferenz und wo soll es mit NOAH Advisors noch hingehen?

In den ersten drei Jahren haben wir in der Branche recht viel bewegt und sind vorerst zufrieden. Fotolia (www.fotolia.com), Bigpoint (www.bigpoint.net), Softonic (www.softonic.de), Yatego (www.yatego.com), Engrande (www.engrande.com) etc. waren alle tolle Deals. Bei der Gründung von NOAH war das klare Ziel, unser Investment-Banking-Know-How aus unseren zwölf Jahren von Lehman Brothers in die Internet-Branche zu bringen. Wir fahren also einen 50-Millionen-Euro-Deal mit der gleichen Professionalität wie einen Fünf-Milliarden-Euro-Deal.

In Zukunft möchten wir unser M&A-Geschäft weiter vorantreiben und neue Standbeine aufbauen. Eine geografische Ausweitung ist ebenso spannend wie ein Co-Investment-Fund oder mehr Dienstleistungen für Family Offices. Alles hat ein Ziel: unseren Kunden durch Dienstleistungskompetenz und konsequentes Networking zu schnellerem Erfolg zu verhelfen.

Vielen Dank für das Gespräch!