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Am 16. November 2010 ruft Software-Riese  Microsoft wieder interessierte Gründer in Sachen Cloud-Computing und Mobile zusammen. Im Rahmen der Gründerwoche des Bundeswirtschaftsministeriums lädt der Deutschland-Ableger des US-Unternehmens aus Seattle  zum Microsoft BizSpark Camp Berlin. Gründerszene ist als Medienpartner mit an Bord und nutzte die Gelegenheit, um mit dem Microsoft-Verantwortlichen Stephan Jacquemot ein Gespräch über die Veranstaltung und Microsofts Plänen in Sachen Mobile zu führen.

Erzähl mal Stephan, was tut sich bei Microsoft eigentlich für Gründer?

Microsoft engagiert sich mit dem BizSpark-Programm und “unternimm was.” bereits durch zwei Initiativen, die auf Gründer im Internet- und Tech-Umfeld fokussiert sind. BizSpark gibt es seit fast zwei Jahren und ist für junge StartUps gedacht. Ziel ist es, den Erfolg junger Software-Unternehmen in der Anfangsphase zu beschleunigen, weltweit sind dabei 30.000 StartUps im Programm. Um erfolgreich zu sein, brauchen junge Unternehmen zunächst den Zugang zu Technologien. Diese stellen wir vielfach kostenlos, unbürokratisch und effizient bereit, einerseits über Softwarelösungen, andererseits über die Unterstützung von lokalen und internationalen Netzwerkpartnern. Darüber hinaus fördern wir den Austausch von StartUps, potenziellen Gründern und Investoren durch regelmäßige Veranstaltungen wie dem BizSpark Camp in Berlin.

Beim Tiefenförderprogramm „unternimm was.“ – seit fünf Jahren am Start – unterstützen wir derzeit 33 junge Unternehmen aus dem High-Tech-Bereich und begleiten diese intensiv in ihrer Startphase – sei es durch die Unterstützung im Vertrieb oder Marketing, Hilfe bei der technologischen Weiterentwicklung von Produkten oder der Kontaktvermittlung an Venture-Capital-Geber.

Welches Ziel verfolgt ihr mit solchen Gründerinitiativen?

Viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass High-Tech-StartUps wichtige Impulsgeber für die Gesamtwirtschaft sind. Daher ist uns eine lebendige Gründerszene wichtig, die dem Innovations- und IT-Standort Deutschland und damit auch Microsoft nutzt. IT durchdringt immer mehr Lebensbereiche und ist wichtiger Innovationstreiber geworden. In diesem Zuge will Microsoft den Kontakt und den Austausch mit jungen Techies verstärken und sucht den Dialog. Ich denke, dass man das auch unseren Plattformen ansieht, die zur freien Entwicklung einladen.

Aber war Microsoft nicht lange Zeit so etwas wie der Inbegriff proprietärer Software?

Die Welt da draußen ist heterogen unterwegs. Als Entwickler-Company versuchen wir selbstverständlich die Bedürfnisse der Kunden zu antizipieren. Durch den verstärkten Fokus auf Interoperabilität soll dabei die Anwendung von Open-Source-Applikationen auf und mit Windows-Plattformen zunehmend unterstützt werden.

Was genau wird beim Microsoft BizSpark Camp Berlin passieren? Müssen die Besucher mit einer Werbeveranstaltung rechnen?

Der App- und Phone-Markt boomt sowohl in Deutschland als auch international. Davon können Gründer jetzt profitieren. Im Rahmen dieser Entwicklung möchten wir auf dem Event die Wichtigkeit des Mobile-Marktes aufzeigen. Dass wir dann das Windows Phone 7 und die Microsoft-Strategie etwas detaillierter vorstellen, liegt auf der Hand.

Auch das Thema Cloud-Computing steht auf der Agenda, weil wir glauben, dass viele Apps in Zukunft eine Cloud-Anbindung brauchen. Das Camp wird auf Cloud-Computing im Allgemeinen eingehen, aber auch speziell verdeutlichen, warum wir diese Technik speziell im mobilen Bereich für sinnvoll halten.

Abends  folgt dann eine Podiumsdiskussion mit StartUps, Gründern und Politikern, bei der über die Gründungssituation diskutiert wird. Hier geht es um die Frage, welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um ein deutsches Silicon Valley zu schaffen.

Gibt es Techniken, die bei euch schlummern, die für Gründungen interessant sein könnten?

Microsoft hat das Windows Phone 7 mit einer großer Plattform herausgebracht, auf der sich StartUps sehr stark und einfach einbringen können. Der App-Markt wächst, das gesamte Mobile-Segment steckt noch in den Kinderschuhen und bietet vielfältige Betätigungsfelder für StartUps und Konzerne gleichermaßen. Für uns ist es ebenso interessant, unsere technische Infrastruktur und unser Partner-Netzwerk mit jungen, innovativen Unternehmen zu verquicken.

Auch das Engagement von Microsoft in Sachen Cloud-Computing dürfte dabei interessant sein, weil teure Infrastruktur-Investitionen (zum Beispiel Serverkosten) gespart werden können. Und über BizSpark gibt es teilweise kostenlose Zugänge, sodass das Einrichten von Cloud-Lösungen kostengünstig erfolgen kann.

Was meint ihr mit eurem Leitsatz “Three Screens in a Cloud”?

Bei Microsoft sind wir der Überzeugung, dass sich die digitale Vernetzung zukünftig auf drei Plattformen abspielen wird, die untereinander vernetzt sind und so den Nutzer sehr viel mobiler und unabhängiger agieren lassen: dem Personal-Computer, dem Fernsehgerät und mobilen Endgeräten. Über diese drei Screens wird in Zukunft Software konsumiert werden, weshalb wir dem Cloud-Computing große Bedeutung beimessen – ein Thema bei dem das Windows Phone 7 ein wesentlicher Bestandteil werden wird.

Wie interagiert ihr mit Entwicklern, gerade was Windows Phone 7 angeht?

Ich glaube, wir haben eine sehr komfortable Situation für Entwickler geschaffen. Alle Tools sind kostenlos und frei zugänglich. Mit diesen Tools kann sofort losgelegt werden und wer mit .NET und den gängigen Microsoft-Tools bereits vertraut ist, hat sowieso keine Probleme. Wer sich nicht gleich komplett an das Thema heranwagen will, hat auch Light-Express-Versionen zur Verfügung, die den Einstieg erleichtern. Zudem bieten wir von Tutorials über Infos auf der MSDN-Plattform und den Blogs unserer Evangelisten zahlreiche Möglichkeiten für Entwickler, sich zu informieren und auszutauschen. Unser Credo: Das Entwickeln auf Plattformen sollte einfach sein.

Sicher ist es eine besondere Situation, dass ein großer Player wie Microsoft noch einen recht jungfräulichen App-Marktplatz bietet, aber redet Microsoft sich nicht Apples Vorsprung auch etwas schön?

Die Karten im Mobile-Markt werden gerade wieder neu gemischt, die teilweise sehr unterschiedlichen Analysten-Zahlen zeigen, dass hier noch viel Bewegung drin ist. Fest steht, dass der Markt noch lange nicht gesättigt ist. Wir sind mit unserem Windows Phone 7 als Teil unserer “Three screens and a cloud“-Strategie bestens aufgestellt. Es bilden sich noch spannende Segmente heraus, derzeit ist der Markt noch recht fluide.

Stephan, vielen Dank für das Gespräch.

Bildmaterial: Clarita
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