Sebastian Fiebiger Naanoo.tv

Die eigene Geschäftsidee vor potenziellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format „Frischlingsfragen“ die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Naanoo.tv (www.naanoo.tv).

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Ich bin Sebastian Fiebiger und habe im August 2012 das Videoportal Naanoo.tv an den Start gebracht. Naanoo.tv sammelt die besten Videos aus dem Netz und bereitet sie redaktionell auf. Im Ergebnis entsteht ein Magazin, das vollständig auf Bewegtbildinhalte setzt.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Ich könnte jetzt eine dieser ausgedachte Geschichten erzählen, die mit einem Wochenende unter Freunden und einer Menge Alkohol anfangen. Aber bei uns war es ganz nüchtern und langweilig. Wir haben seit über einem Jahr an dem Thema Video herumgedoktort, verschiedene Sachen ausprobiert und nach externen Success Stories gesucht.

Überzeugt haben uns letztlich nur eigene Experimente mit einem Prototypen und Verläufer von Naanoo.tv. Während wir bei der Integration von Videoinhalten in unsere bestehenden Plattformen nur mäßige Erfolge verzeichnen konnte, haben die Kennzahlen von Naanoo.tv von Anfang an gepasst.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Es gibt hinter Naanoo.tv kein klassisches Gründerteam. Das Portal ist Teil des Portfolios von Softclick, dem Internetunternehmen, dass ich 2004 mit meiner Geschäftspartnerin gegründet habe und dessen Wurzeln bis in das Jahr 1998 zurück reichen.

Wir haben uns in den vergangenen Jahren ein loses Netzwerk von Kleinstunternehmen aufgebaut, die ganz pragmatisch kooperieren. Dieses Netzwerk steht mir beratend und unterstützend zur Seite.

Die für Naanoo.tv benötigten Ressourcen kaufe ich – wie bei unseren anderen Projekten – vollständig ein.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Unser USP ist die Kombination von Redaktion und Bewegtbildinhalten. Die meisten Videoportale sind Wühltische, auf die jeder seine Videos auskippen kann. Um an die ohne Frage vorhandenen Schätze zu gelangen, muss man sich durch Berge von Müll graben. Und da sind die “Reply Girls” oder die hundertste schlechte Führerparodie bestenfalls Mittelmaß auf der Profanitätsskala.

MyVideo (www.myvideo.de) und Sevenload (de.sevenload.com) in Deutschland, Break.com und Metacafe aus den USA und Dailymotion aus Frankreich haben ganz nette redaktionelle Ansätze, die das Problem angreifen. Aber ich denke, da geht noch mehr.

Wir positionieren uns klar als redaktionell geführtes Videomagazin. Dabei stoßen wir naturgemäß an quantitative Grenzen, deren Aufbrechen wir gerne den etablierten Playern überlassen.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Das Geschäftsmodell basiert auf einer reinen Werbefinanzierung. Unsere Vermarktungspartner verkaufen sowohl Werbung in den Videos als auch auf den Flächen im Portal.

Das Marktpotential ist riesig, wie die großen US-Pendants zeigen. Wie viel wir als kleines Unternehmen mit begrenzten Ressourcen davon abschöpfen können, ist schwer abzuschätzen. Aber das ist auch gar nicht die Basis unserer Planung.

Wir haben KPIs, deren Verlauf wir mit unserem bestehenden Portfolio abgleichen. Und solange diese Indikatoren nach oben zeigen, werden wir das Projekt forcieren. Das Abschneiden gegenüber dem Portfoliodurchschnitt bestimmt die Über- oder Untergewichtung der Ressourcen, die wir dem Projekt zukommen lassen.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Wir finanzieren die Aufwendungen für Naanoo.tv vollständig aus dem positiven Cashflow unserer anderen Portale.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Zeit! Zwei Stunden mehr pro Tag wären ein guter Anfang.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Ein unternehmerisches, ja. Jeff Bezos hat mich immer wahnsinnig beeindruckt. Ich kenne keinen anderen Unternehmer, der seine Vision mit so viel Leidenschaft und Geradlinigkeit verfolgt. Ich erinnere mich noch an die Zeit, kurz nach der Jahrtausendwende, als die Internetblase platzte. Amazon war noch nicht profitabel und Bezos wurde im Börsenfernsehen und Analysten und Moderator zerpflückt. Den Tränen nahe verteidigte er seine Vision und sagte, dass er von ganzem Herzen daran glaube.

Das ist es, was ich auch für meine unternehmerischen Aktivitäten empfinde. Für mich gibt es kein Scheitern ohne Aufgeben. Und Aufgeben ist einfach keine Option.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Lukasz Gadowski, weil mich seine Story beeindruckt und sie an der Basis des Unternehmertums anfing. Dann kann ich ihn dann gleich fragen, ob er wirklich eine Oliver-Samwer-Voodoo-Puppe hat.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

In einem Jahr haben wir Sevenload in Punkto Reichweite eingeholt. Hoffentlich durch unser Wachstum und nicht durch den weiteren Niedergang der einst umjubelten “Zukunft des Fernsehens”.