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Liveshopping ist in der Vergangenheit kein leichtes Geschäftsmodell gewesen. Nun will sich der spanische Anbieter Oooferton auch hierzulande an dem Konzept versuchen – und damit all denen trotzen, die das Rabatt-Segment generell schon abgeschrieben haben. Im Gespräch mit Gründerszene erläutert CEO Luis Krug was Oooferton nach der Übernahme des hiesigen Anbieters Zoomzebra anders machen will und wie das Unternehmen mit derzeit 19 Mitarbeitern bald 100 Millionen Euro Umsatz machen soll.

Oooferton will 100 Millionen Euro Umsatz

Es sind überaus ambitionierte Ziele, die sich die Liveshopping-Plattform Oooferton (www.oooferton.de) zum Marktstart in Deutschland gegeben hat: 80 bis 100 Millionen Euro in den fünf Märkten – derzeit Spanien, Frankreich und nun Deutschland, bald auch Österreich und die Türkei – sollen 2015 an Umsatz verzeichnet werden. Bis zu diesem Ziel hat das Unternehmen noch einen weiten Weg vor sich, derzeit liegt der Umsatz bei zehn Millionen Euro. Allerdings wird der mit nur 19 Mitarbeitern erreicht.

Mit dem Marktstart in Deutschland gibt sich Oooferton mehr als zufrieden: 4.200 Aufträge habe man im laufenden Monat bereits verzeichnet – kalkuliert habe man mit lediglich 30 pro Tag. Ob diese Rate allerdings langfristig aufrecht gehalten werden kann, dürfte mehr als fraglich sein. Bereits in der Vergangenheit hatten sich eine Vielzahl von Unternehmen an Nachbauten der US-Webseite Woot (www.woot.com) versucht, große Erfolgsmeldungen blieben nach zum Teil wachstumsstarken Startphasen zumeist aus, Swoopo dürfte als Enfant terrible der Branche vielen noch in Erinnerung sein.

Markt noch nicht gesättigt

Um so mehr in die Schlagzeilen haben es bekanntlich diejenigen Anbieter geschafft, die das (erweiterte) Konzept auf eine lokale Ebene bringen wollten und es um Dienstleistungen erweiterten. Insbesondere Groupon musste dabei nach großem Hype starke Rückschläge verzeichnen, gerade erst hat Amazon die seinerzeit für viel Geld übernommene Plattform Living Social komplett abgeschrieben. Unter anderem mitunter zu intensive Verkaufsbemühungen hatten dem Vernehmen nach dafür gesorgt, dass das gesamte Rabatt-Segment in Verruf geraten ist. Zumindest in Teilbereichen dürften die Couponing-Angebote auch die Geschäfte von Oooferton beeinträchtigen.

Die nun gestartete Plattform will sich von all dem allerdings nicht beeindrucken lassen und hält sich strikt an das US-Vorbild Woot: Oooferton bietet lediglich Produkte an, lokale Dienstleistungen oder Reisen sucht man auf der Seite vergeblich. Damit tritt das Unternehmen in den Wettbewerb mit Plattformen wie Guut (www.guut.de) oder Preisbock (www.preisbock.de), die ein vergleichbares Modell verfolgen. Dass der Markt mit diesen schon gesättigt sei, glaubt Oooferton-Geschäftsführer Luis Krug im Gespräch mit Gründerszene allerdings nicht – und verspricht sich großes Wachstum vom Markteintritt in Deutschland.

Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Luis Krug, ich bin Seriengründer – unter anderem bei Electronica24, 004 GmbH, Redcoon, Rebelio. Meine jüngste Gründung ist Oooferton, eine Liveshopping-Plattform. Studiert habe ich Betriebswirtschaft (B.A.) und Wirtschaftsinformatik (M.S.) in den USA. Ich bin 37 Jahre jung und verheiratet.

Wie funktioniert das Oooferton-Geschäftsmodell? Und wie groß schätzt Du das Marktpotenzial ein?

Wir betreiben ein Liveshoppingportal, welches ausschliesslich Produkte anbietet mit bis zu 80 Prozent Discount (also keine Dienstleistungen oder Reisen). Die Vertikale sind: Schmuck, Uhren, Elektronik, Haushalt und Fashion. Die Angebote starten jeden Mittag und sind nur 24 Stunden gültig oder bis der Stock ausverlauft wurde. Woot.com und 1saleaday.com sind die Referenzen in den USA. Beide machen jeweils über 300 Millionen US-Dollar Umsatz in ihrem Heimatmarkt. Ich halte 80 bis 100 Millionen Euro Umsatz bei uns in den drei Märkten in denen wir zur Zeit sind, in 2015 für realistisch. Mehr aber eher nicht, ausser wir starten neue Länder.

Der Markteinstieg lief über die Übernahme von Zoomzebra, einem relativ unbekannten Anbieter. Reicht das als Basis?

Ja. Go-Live war am 1. November und seitdem haben wir über 4.000 Aufträge generiert. Zoomzebra hat sehr viele B2B-Deals mit Dailydeal, Limango etc. gemacht und einen existierenden Kundenstamm. Die Übernahme ist also ein perfekter Fit, wie die ersten Tage auch belegen.

An Liveshopping haben sich schon einige versucht – und sind gescheitert. Was kann Oooferton anders machen?

Wir machen unsere Logistik selber. Dadurch sparen wir sehr viele Kosten. Unser Prozess ist durchoptimiert und so gut wie fehlerfrei. Ich habe zwölf Jahre Erfahrung im B2C-E-Commerce und habe schon alles falsch gemacht in der Vergangenheit. Fehler wiederhole ich ungerne, dadurch hat Oooferton einen sehr grossen Wettbewerbsvorteil. Wir sind sehr effizient, kaufen extrem gut bei unseren Lieferanten ein und haben keine hohe Kostenstruktur. In Spanien wickeln wir über 1.500 Pakete täglich ab und im Lager arbeiten vier Personen. Das ist effizient. Wir sind sozusagen der Ryanair der E-Commerce-Plattformen und werden definitiv nicht scheitern. Das Geheimnis ist die Logistik selber effizient zu betreiben und gut zu sourcen.

Kann man mit Liveshopping Geld verdienen? Und wenn ja: wie?

Du kaufst Ware billig ein und verkaufst sie teurer weiter und kontrollierst Deine Kosten so, dass Du sie mit dem Ertrag decken kannst. Auch sollte mann nichts in Marketing ausgeben. Der Deal ist Dein bestes Marketing. Ich halte von Leadcapture, TV-Werbung, etc. nicht viel – fast immer ist das reine Geldverschwendung.

Was sind die Ziele für den deutschen Markt?

Geplant waren vor dem Go-Live drei Millionen Euro Umsatz in 2013. Wahrscheinlich muessen wir das aber hochschrauben wenn es so weitergeht wie bisher…

Wie groß ist Oooferton derzeit?

In diesem Jahr setzen wir zehn Millionen Euro um. Wir sind insgesammt 19 Mitarbeiter und machen alles in-house – vom Einkauf, Logistik über IT und Kampagnenproduktion.

In welchen Ländern ist Oooferton aktiv? Welcher Markt wird nach Deutschland als nächstes angepeilt?

Wir operieren in Spanien, Deutschland und Frankreich. Demnächst gehen noch Österreich und im zweiten Quartal 2013 die Plattform in der Türkei online. Damit haben wir erstmal genug expandiert.

Welche Investoren stehen hinter Oooferton?

Oooferton wurde von mir und meinem eigenen Geld im Mai 2009 gestartet. Mit ins Boot geholt habe ich im August 2010 Active Venture Partners, die damals gerade Ihren zweiten Fond aufgesetzt haben.