Die E-Book-Bibliothek PaperC (paperc.de) will eine Flatrate für Fachbücher auf den Markt bringen. Zwischen 10 und 20 Euro sollen Nutzer monatlich zahlen, um vollen Zugriff auf sämtliche auf PaperC verfügbare Literatur zu erhalten – geräteunabhängig, plattformunabhängig und offline. Gründerszene sprach mit dem PaperC-Geschäftsführer Martin Fröhlich über über die Hintergünde der Entscheidung, Internationalisierungspläne und die Pläne für 2012.

Zum Jahreswechsel wollt ihr eine 180-Grad-Wende vollziehen. Statt kostenloser Online-Lektüre wollt Ihr ein Flatrate-Modell einführen. Wie sieht dieses genau aus und was führte zu der Entscheidung?

Nicht statt, sondern zudem – PaperC hat weit über 100.000 Nutzer und fast täglich kommen neue Titel von Verlagen hinzu, das schalten wir ja nicht ab. Mit der neuen Plattform wollen wir allerdings Maßstäbe in Sachen Usability, Design, kollaboratives Arbeiten und Content setzen: ein schneller und schnörkelloser HTML5-Reader, dynamische EPUBs statt statischer PDFs, nach Studiengängen und Hochschulen sortierte Literaturlisten sowie Social-Reading-Features, die die Prüfungsvorbereitung zum gemeinsamen Erlebnis werden lassen können. Es gibt noch sehr viel zu tun.

„Education matters“ wird, wenn ich im Team eine Mehrheit bekomme, unser neuer Slogan – wir wollen unter anderem dazu beitragen, den Zugang zu Bildung zu erleichtern und Inhalte komfortabel nutzbar machen, dazu gehört auch ein simples, überschaubares und finanzierbares Bezahlmodell. Wir sind von Usern gefragt worden, warum es ḱein Abomodell gibt, und deswegen probieren wir es jetzt aus. Ganz am Ende der Developer-Liste steht dann eine Integration der alten in die neue Plattform. Hoffentlich liest das keiner aus dem Entwicklerteam.

Verändert sich mit dem Bezahlmodell auch die Zielgruppe von PaperC?

Wir werden nach Absprache mit unseren Verlagen versuchen, mit lizenzierten Mehrfachzugängen für Mitarbeiterpools auch Unternehmen als Kunden zu gewinnen. Die Kunde vom lebenslangen Lernen ist kein Insidertipp mehr und wir rechnen damit, dass mit der Verbreitung portabler Endgeräte auch eine bildungswillige ältere Zielgruppe den Weg zu uns findet. Es ist sogar denkbar, dass die Verdienenden am Ende die günstigen Konditionen für Studierende subventionieren.

Im Januar habt ihr eine Finanzierungsrunde in sechsstelliger Höhe erhalten – der Plan war die Internationalierung, was ist daraus geworden?

Dank unserer Fokussierung auf den Fach- und Lehrbuchmarkt haben wir bereits große internationale Verlage im Boot, die Akquise läuft auf Hochtouren. Unsere Leser kommen derzeit klar aus DACH, aber wenn PaperC.com im nächsten Jahr von der Leine gelassen wird, bauen wir so zügig als möglich unsere Hochschulkooperationen aus und erobern sukzessive weitere Märkte. Die Fachwelt spricht Englisch, überall auf der Welt.

Was habt ihr Euch für 2012 in Sachen Personal und Finanzierung vorgenommen?

Mit Andreas Lukoschek ist ein extrem erfahrener Sales-Mann zu uns gestoßen, Moritz Krog als CTO schon nach wenigen Wochen unersetzlich geworden. Wir haben uns gerade von vier auf acht Leute verdoppelt, so soll es weitergehen. Wir sprechen derzeit mit internationalen Investoren, die sich vom neuen Reader und dem Potenzial dahinter begeistert zeigen. Zwei Millionen im März wären schön.

Martin, Vielen Dank für das Gespräch.