keywords!!!!!!!

Im vergangenen Monat, vom. 07. bis 09. September 2011, bot die populäre Musikmesse Popkomm Entscheidern des digitalen Musik-Business mit dem Media_Gate (www.seedlab.tv/popkomm_media_gate) eine zentrale Anlaufstelle für Networking und Panels. Gründerszene sprach mit den Initiatoren Holger G. Weiss, Regine Haschka-Helmer und Manuel Gerres über die Zukunft der digitalen Musikindustrie.

Welche grundlegenden Entwicklungen sind im Bereich IT- und Musikindustrie zu beobachten? Wo geht die Reise der digitalen Musikvermarktung hin?

Holger G. Weiss: Es kommen eine Vielzahl an Entwicklungen zusammen: Cloud-basierte Dienste, offene Schnittstellen (APIs), die es erlauben, verschiedenen Services und Datenbanken zu verknüpfen etc. Parallel dazu erleben wir, dass immer mehr Künstler sich selbst vermarkten und dafür Plattformen finden sowie das Fan-Management selbst übernehmen. Ganz grundsätzlich würde ich das, was wir gerade erleben, als einen fundamentalen Schritt in der Vermarktung bezeichnen.

Die Barrieren brechen auf, Fans und Künstler rücken sehr eng zusammen. Das Ganze ist dann auch noch effizient und bezahlbar. Das hat natürlich Einfluss auf die Vermarktungskonzepte und das Rollenverständnis der einzelnen Parteien. Hier sehen wir gerade viel Veränderung.

Über längere Zeit galten die Möglichkeiten der digitalen Welt als Untergang einer ganzen Industrie. Welche Konzepte müssen nun greifen um den Wandel zur positiven Umsetzung mit dem Web voranzutreiben?

Regine Haschka-Helmer: Die alten Strukturen und Wertschöpfungsketten  der großen Major-Labels greifen heute nicht mehr. Die großen Unternehmen der Musikbranche investieren nur noch in wenige erfolgsversprechende Top-Acts. Das bringt Künstler dazu, selbst aktiv im Aufbau der Künstler-Fanbeziehung zu werden und diese auch selbst aktiv zu monetarisieren. Neue digitale Dienste und Tools bieten dafür inzwischen viele neue Möglichkeiten. Sei es der Aufbau eines eigenen Facebook-Shops bis hin zur Nutzung einer eigenen mobilen App, die Möglichkeiten sind vielfältig.

Welche Herausforderungen bestehen aktuell noch in der Zusammenführung von IT- und Musikindustrie?

Manuel Gerres: Ich denke der beidseitige Wissenstransfer muss in den kommenden Monaten noch verschärft werden. Wir beobachten aber, dass dies auch immer mehr zunimmt. Gerade auch die digitalen B-2-B Musikservices, welche Künstlern und Labels neue Vermarktungsoptionen bieten, stellen sich zunehmend stärker auf die Problemstellungen der Musiker ein.

Künstler haben oft mals das Problem der nicht vorhandenen Zeit zur Betreuung neuer Services, so wie auch in der Erkennung des Mehrwertes und der technologischen Nutzung. IT-Produkten fehlt es manchmal noch an entscheidenden Komponenten. Aber, und das ist gut zu sehen, es wächst zusammen was zusammen gehört. Wir supporten dies gerade auch aktiv mit.

Mobile gilt schon seit Jahren als der neue Trend im Bereich Musik-Content-Vermarktung. Jedoch scheint gerade erst in den letzten Monaten der Kanal wirkungsvoller zu werden. Wie beurteilt Ihr den aktuellen Stand?

Holger G. Weiss: Die großen Veränderungen, die wir heute sehen, finden vor allem im mobilen Bereich statt. Die Explosion in der alltäglichen Nutzung von Smartphones und demnächst auch Tablets führt zu einer revolutionär neuen Verbreitung von Musikdiensten. Dabei kommen Faktoren zusammen, die wir so bis heute noch nicht gesehen haben: gute Bandbreiten in Verbindung mit bezahlbaren Tarifen, Entwicklungsumgebungen wie Apps und Widgets sowie eben die Verbreitung an Geräten.

Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden Jahren einen Paradigmenwechsel bei der Nutzung von Musikdiensten flächendeckend erleben werden: die Nutzung von Streamingdiensten. Dieses wird sich in den Geschäfts- und Lizenzmodellen niederschlagen müssen – alleine aus der Bedeutung für Musiker und Labels heraus.

Welche Rahmenbedingungen müssen grundlegend geschaffen werden um das Musik-Digital-Business effektiver voran treiben zu können?

Regine Haschka-Helmer: Startups und Unternehmen wird es generell sehr schwer gemacht in Europa zu expandieren. Es gilt dabei viele Hürden zu nehmen und mit den unterschiedlichen Märkten und ihren Anforderungen klar zu kommen. Angefangen von unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen und Zahlungsmethoden bis hin zum klären der Rechte, der Unternehmer hat dabei einige Aufgaben zu lösen.

Die digitale Agenda der EU beschäftigt sich jetzt mit all diesen Themen um neue Richtlinien zu finden, die es den Unternehmern einfacher machen sollen. Denn die Fans machen ja nicht an der Grenze halt. Durch die fortschreitende digitale Vernetzung und länderübergreifenden Plattformen ist das Thema Musik-Vermarktung ein globales Thema geworden.

Welche Rolle wird zunehmend auch der Standort Deutschland und im speziellen Berlin für das Zusammenwachsen von IT & Musikindustrie einnehmen?

Manuel Gerres: Die Symbiose aus Musikindustrie und IT-Services ist aus meiner Sicht kaum enger zu fassen als in Berlin. Wir haben hier auf der einen Seite einen enormen Anteil an Künstlern und Labels aus aller Welt, auf der anderen Seite auch großen Zuwachs in der Gründerszene. Die Grundvoraussetzungen sind somit gut gelegt.

Wichtig wird nun werden, dass beide Industrien noch enger zusammen arbeiten und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland effektiver für das Zusammenwachsen gestaltet werden. Ob Musik-IT’ler oder Künstler, es ist aktuell immer noch ein Kampf mit alten Regeln in einer neuen Zeit.

Vielen Dank für das Gespräch!



Regine Haschka-Helmer

Holger G. Weiss

Manuel Gerres

  • Head of Business Development Seedlab