Selekkt.com

Christian Voigt (l.) und Sebastian Hübschmann

Die eigene Geschäftsidee vor potenziellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format “Frischlingsfragen” die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Selekkt.com (www.selekkt.com).

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Sebastian Hübschmann: Wir betreiben Selekkt.com, einen Online-Marktplatz für außergewöhnliche Designprodukte: Fernab von Mainstream und Massenware bieten wir hier handverlesenen Kreativen eine hochattraktive Plattform für den Direktverkauf und die Präsentation ihrer Ware. Dabei haben wir uns zum Ziel gesetzt, durchweg auf hohe Design- und Produktqualität setzen.

Wir möchten Filter des guten Geschmacks sein, denn wir beobachten, dass der Begriff Design derzeit eine gewisse Beliebigkeit erfährt. Die Auswahl unserer Klein-Produzenten und ihrer Produkte ist uns also sehr wichtig und scheint sich auszuzahlen – mit dem permanent wachsenden Sortiment begeistern wir auf Selekkt.com mittlerweile täglich viele Tausend Besucher.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Christian Voigt: Als ich Sebastian 2007 in einem Master-Studiengang an der Universität der Künste in Berlin und der Universität in St. Gallen kennengelernt habe, war uns beiden relativ schnell klar, dass wir eine gemeinsame Sehnsucht haben: Unsere jahrelange Erfahrung im Agentur- und E-Commerce-Umfeld endlich in einem eigenen Projekt zu bündeln. Da wir schon länger aus erster Reihe beobachten konnten, dass eine Menge kreativer Leute mit ungewöhnlichen Produkten im Internet große Aufmerksamkeit und Nachfrage erzeugt, aber keine adäquate Verkaufsplattform hat, lag der Schritt nahe, genau das zu ändern.

Nach sechs Monaten Entwicklungszeit haben wir dann im Juni 2010 Selekkt.com gelauncht – und von Sekunde Null an großen Zuspruch erhalten. Uns freut, dass immer mehr Leute da draußen verstehen, worin der Wert unserer Produkte liegt. Das macht uns zuversichtlich für die Zukunft von Selekkt.com.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Jan Rode: Alle bei uns im Team haben einen ausgeprägten kreativen Background, sowohl gestalterisch als auch technisch. Uns verbindet also vor allem, dass wir nicht BWL studiert haben :). Sebastian und Christian kennen sich aus Uni-Tagen und waren schon vor der Gründung von Selekkt.com als Vorstand und Geschäftsführer eigener Unternehmen in über 300 Projekten unterwegs. Während die beiden sich hauptsächlich um strategische Themen sowie die Weiterentwicklung der Plattform kümmern, sind Bastian und ich mit einem mehrköpfigen Team für die Bereiche Akquise, Marketing, Service und Content verantwortlich.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Christian Voigt: Wir glauben, dass wir mit Selekkt.com den derzeit spannendsten Marktplatz für kreative Produkte bieten: Neben einem hochwertigem Umfeld für Designer und ihre Produkte sorgen wir aber vor allem dafür, dass unserer Verkäufer von Tag eins an profitabel arbeiten können: Wir entlasten sie vom hochkomplexen Thema E-Commerce und stellen durch unsere starke Marktpositionierung sicher, dass ihre Produkte sofort sichtbar werden.

Durch den Direktverkauf an Endkunden realisieren unsere Verkäufer zudem deutlich höhere Margen. Wir wiederum sparen Lager und Logistik und konzentrieren uns auf das, was wir am besten können: Aufmerksamkeit schaffen. Diese Zusammenarbeit funktioniert so gut, dass einige unserer Designer mittlerweile davon leben können.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Sebastian Hübschmann: Wir sind in Form einer Provision an jedem Verkauf auf unserem Marktplatz beteiligt. Gleichzeitig bieten wir gegen transparente Gebühren eine ganze Reihe ergänzender Mehrwert-Services für unsere Verkäufer, die damit von unserer Erfahrung und vom hohen Grad unserer Vernetzung profitieren. Während der erfolgreiche Aufbau eines eigenen Online-Shops ja gerade in der Nische sehr viel Zeit, Geld und Nerven kostet, startest Du bei uns sofort mit voller Kraft.

Wir sind absolut überzeugt davon, dass wir hier als Online-Plattform Teil einer gerade erst richtig startenden Revolution im Handel sind: Parallel zum anonymen Massenmarkt suchen immer mehr Leute das Besondere und Authentische und sind bereit, hierfür auch mehr Geld auszugeben.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Christian Voigt: Wir sind derzeit komplett durch Eigenkapital finanziert und haben von Beginn an auf einen positiven Cashflow geachtet. Das zwingt uns dazu, bewusst mit der sparsamen Ressource Geld umzugehen und permanent an Effizienz und Wirksamkeit zu schrauben – was letztlich aber auch ein ganz angenehmer Nebeneffekt ist, wie wir immer wieder feststellen. Unser permanentes Wachstum der letzten anderthalb Jahre hat uns hier glücklicherweise mehr und mehr Möglichkeiten eröffnet.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Sebastian Hübschmann: Eigentlich nicht, wir fühlen uns in der jetzigen Konstellation sehr wohl. Hin und wieder denken wir darüber nach, wie wir mit externem Kapital umgehen würden. Die meisten Anfragen haben wir aber bislang abgelehnt – wir verfolgen ein langfristiges Modell, da passt ein schneller Exit nicht in unsere Planung.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Bastian Steineck: Wir bewundern die Innovationskraft unserer mittlerweile über 250 Designer. Was sich hier täglich an kreativem Potenzial erneuert, ist einfach nur beachtlich. Davor ziehen wir den Hut.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Christian Voigt: Ganz pauschal: Wir würden gerne mit allen zu Mittag essen, die sich derzeit den Kopf über neue Konzepte für ein wirklich intelligentes Zusammenspiel zwischen Online- und stationärem Handel zerbrechen. Wir sind absolut überzeugt davon, dass hier noch großes Potenzial schlummert – auch wir denken derzeit detailliert über Konzepte in dieser Richtung nach.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Sebastian Hübschmann: In zwölf Monaten blicken wir positiv nach vorne und freuen uns auf ein weiteres bevorstehende Weihnachtsgeschäft – für uns die schönste Jahreszeit, weil wir bis dahin ein nicht mehr ganz unbekannter Geheimtipp für ausgefallene Weihnachtsgeschenke sein dürften…

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