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Der Markt der Musik-Streaming-Dienste ist hart umkämpft und im ständigen Wandel. Als verlässliche Größen kristallisierten sich über die letzten Monate die beiden Namensvetter Simfy (www.simfy.de) und Spotify (www.spotify.com) heraus. Während das in Schweden beheimatete Spotify global expandiert, tat es sich im DACH-Raum lange schwer. Sehr zur Freude seines größten Konkurrenten Simfy. Das Kölner Unternehmen dominiert momentan den deutschsprachigen Raum und wagt sich mit Belgien nun auch über die vertrauten Grenzen hinaus. Simfy-Gründer Christoph Lange im Interview.

Hallo Christoph, stelle dich bitte einmal kurz vor.

Gerne – Christoph, einer der Gründer von Simfy und dort mittlerweile verantwortlich für Marketing und Produktmanagement. BWL-Studium in Mannheim, habe mich mittendrin aber lieber mit Simfy beschäftigt und bin deswegen immer noch eingeschrieben. Musikalisch zwar gänzlich unbegabt, aber begeisterter Konsument – aktuelle Lieblingskünstler von Nicolas Jaar bis Fever Ray und Siriusmo.

Simfy im Gründungsjahr 2006 unterscheidet sich stark von den Versionen der Jahre 2008 und 2010. Wie wurde Simfy zu dem Dienst, der er heute ist? Und warum?

Simfy haben wir 2006 an der Mannheimer Uni als Preisvergleich für Musik-Downloads entwickelt. Ende 2007 konnten Nutzer dann ihre Musik hochladen und dezentral speichern, sich miteinander vernetzen und auf die jeweils hochgeladene Musik ihrer Freunde zugreifen. Im Grunde war Simfy also damals vergleichbar mit dem heutigen Google Music, allerdings ohne die Einschränkung, einen Song eines Freundes nur einmal anhören zu können. Das Modell hatte natürlich den Nachteil, dass man nur auf seine eigene Musik zugreifen konnte. Um häufig Neues zu hören, musste man schon ziemlich gut vernetzt sein. Deshalb haben wir angefangen, mit den Labels und der GEMA zu verhandeln, um in Deutschland den ersten, echten On-Demand-Streamingdienst mit allen großen Labels an Bord anbieten zu können. Im Mai 2010 ging Simfy dann in seiner jetzigen Ausprägung online.

Mit dem nun von Simfy angebotenen Musik-Streaming-Dienst, erinnert sowohl euer Name, Design als auch Angebot stark an Konkurrent Spotify. Wer kopiert hier eigentlich von wem?

Den Markennamen Simfy gibt es schon seit 2006, also noch bevor Spotify überhaupt gestartet ist. Mir kam damals der Gedanke, unseren Preisvergleich nach einer Kurzform von „simplify“ zu benennen. Das Vereinfachen war damals eines der Grundprinzipien unseres Angebots und ist es noch heute. Als Simfy-Nutzer greife ich einfach und komfortabel auf ein riesiges Musik-Repertoire zu. Auch das Design – egal ob Desktop oder Mobile – orientiert sich an dem Prinzip der Einfachheit. Eine schlanke App mit gut strukturierter und gelernter Benutzeroberfläche ist uns sehr wichtig. Grundsätzlich handelt es sich aber um Software, die Musik abspielen können soll. Dass die Player der verschiedensten Anbieter sich in gewisser Weise ähneln, liegt dabei auf der Hand. Mit dem browserbasierten Simfy.de bieten wir zusätzlich eine plattformübergreifende Möglichkeit, Musik zu hören, Playlisten zu erstellen und zu verwalten und seine Lieblingsmusik über Facebook und Twitter zu teilen, ohne eine Anwendung installieren zu müssen – das ist bei Spotify nicht der Fall.

In anderen DACH-Ländern, in denen ihr vertreten seid, tritt nun auch Spotify auf den Plan. Gerüchteweise steht nach erfolgreichen GEMA-Gesprächen sogar ein Deutschlandeintritt von Spotify bevor. Wie geht Simfy damit um?

Wir sind uns sicher, dass diese Märkte ausreichend Raum für mehrere Dienste bieten.

Für Aufregung sorgte eure erst kürzlich zum zweiten Mal eingeführte Einschränkung der kostenfreien Version. In der Gerüchteküche brodelte es deshalb bereits gewaltig. Was sind die wahren Hintergründe?

Ein großer Teil unserer Einnahmen geht an Musiker und Labels – denn die wollen für ihre Arbeit entlohnt werden und das ist auch gut so. Das unterscheidet uns übrigens von einigen anderen Anbietern: Legalität ist der eine Aspekt, der andere ist, ob man Teil des Ökosystems „Musikbusiness“ sein möchte und dieses mit unterstützt oder ob man lediglich davon abschöpfen möchte ohne Rücksicht auf Verluste. Wir haben uns ganz klar für den ersten Weg entschieden, denn nur so wird dauerhaft gute Musik produziert. Natürlich hat das auch Konsequenzen auf unsere Produkt- und Preispolitik.

Im September haben wir die Nutzung des Free-Modells auf 20 Stunden pro Monat beschränkt. Gleichzeitig haben wir einen neuen und besonders günstigen Premium-Tarif vorgestellt. Für lediglich 4,99 Euro monatlich umfasst das Angebot den uneingeschränkten und werbefreien Zugriff auf über 13 Millionen Songs mit dem Player als Desktop-Applikation oder über die Website. Dabei sollte der Einführungspreis von 4,99 Euro zunächst bis 15. Oktober gelten.

Wir haben uns nun entschieden diesen günstigen Tarif weiterhin anzubieten, dabei aber im kostenlosen Modell die Nutzung ab dem dritten Monat nach Registrierung noch einmal zu beschränken.

Was sind eure nächsten Schritte? Weitere Internationalisierungspläne? Ausbau der Marktführerschaft oder doch komplett andere Pläne?

Tatsächlich ist die Internationalisierung ein wichtiger Punkt in unserer Strategie. Seit Anfang November ist Simfy auch in Belgien verfügbar – und damit auf dem ersten nicht-deutschsprachigen Markt. Einige weitere Märkte werden in der ersten Jahreshälfte 2012 folgen.

Wie beurteilst du den digitalen Musikmarkt im allgemeinen? Es scheint derzeit kaum einen Markt zu geben, der sich schneller verändert.

Das ist tatsächlich so. Der Markt befindet sich in einem permanenten Umbruch, wächst aber global sehr stark. Der Druck auf etablierte Player ist enorm und es ergeben sich ständig Chancen für disruptive Geschäftsmodelle. Der Paradigmenwechsel im Medienkonsum ist eine davon. Besitz wird überflüssig, weil die permanente Verfügbarkeit mehr und mehr durch den Zugriff auf cloudbasierte Dienste, wie eben Simfy, gesichert ist. Niemand hortet Musikdateien, wenn er sich jederzeit, immer und überall aus einem riesigen Repertoire bedienen kann. Das ist keine Zukunftsvision – schon heute gibt es Simfy auf Rechnern, Smartphones, Tablets, Home Entertainment Geräten und demnächst auch in den ersten Autoradios. Und gleichzeitig gibt es noch so unglaublich viel mehr zu entwickeln, zu entdecken und zu erobern. Es sind einfach spannende Zeiten und wir freuen uns darauf, mit Simfy einen Teil dieser Entwicklung zu gestalten.

Christoph, vielen Dank für das Gespräch.

Hat mich gefreut, vielen Dank!