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Social-Commerce ist eine Erweiterung von E-Commerce durch soziale Interaktionen. Der Meinung, dass Social-Commerce die großen E-Commerce-Anbieter nicht verdrängt, sondern ihnen zu neuer Größe verhilft, ist der Facebook-Shop-Anbieter Ondango (www.ondango.com). Gründerszene im Gespräch mit José Matías del Pino, CEO und Mitgründer von Ondango.

Hallo José Matías, bitte stelle dich und dein Team kurz vor.

Ich bin 30 Jahre alt und Wirtschaftsingenieur aus Chile. Während des Studiums war ich 1,5 Jahre an der Uni Karlsruhe (www.uni-karlsruhe.de) als DAAD-Stipendiat, dann bei Procter & Gamble (www.pg.com) in Santiago tätig. Danach bin ich nochmals nach Deutschland gekommen, um ein MBA an der TU München (www.tu-muenchen.de) zu absolvieren. In dieser Zeit habe ich ein Praktikum bei BCG (www.bcg.com) gemacht und bei diversen Startup-Projekten mitgearbeitet. Seit etwa einem Jahr arbeiten Claudio Bredfeldt, Nicolas Dittberner und ich an Ondango. Claudio (31) hat Medien-Informatik studiert und hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Web-Entwickler gesammelt. Nicolas (31), BWLer, war vor Ondango Director of Key Accounts und einer der ersten Mitarbeiter bei SponsorPay (www.sponsorpay.com).

Was macht Ondango?

Ondango bietet eine Shop-Lösung für Facebook-Seiten an. Viele Brands nutzen Facebook als Kommunikations- und Marketingkanal. Mit Ondango können sie einen kompletten Online-Shop auf ihrer Facebook-Seite anbieten und somit Ihre Produkte direkt dort vermarkten, wo Ihre Fans – und deren Freunde – die meiste Zeit online verbringen. Interessant dabei ist, dass die Nutzer Facebook nicht verlassen müssen, um eine Bestellung abzuschließen.

Uns ist besonders wichtig, dass die User-Experience beim Einkaufen auf Facebook stimmt – Facebook ist ja noch ein neues Medium für E-Commerce. Deshalb investieren wir viel Energie in die Optimierung des User-Interface und des Flows der Shops; die Oberfläche der Shops ist so gestaltet, dass sie als Bestandteil der Facebook-Seite wahrgenommen wird. Teil unseres Ansatzes ist, dass Nutzer keine Apps installieren müssen, um Produkte in den Ondango-Shops zu kaufen. Dazu gehört auch, dass sie aus unterschiedlichen Zahlungsmethoden wählen können.

Was ist der Vorteil eines Facebook-Shops für das Unternehmen, was für den Facebook-Fan?

Es gibt vorrangig zwei Arten von Organisationen, für die wir erfolgreiche F-Commerce Umsetzungen kennen. Die damit verbundenen Ziele können recht unterschiedlich sein:

Für die Musikindustrie (Artists & Labels), Sportorganisationen und öffentliche Personen ist Facebook der wichtigste Kommunikationskanal. Viele engagierte, „echte“ Fans identifizieren und befassen sich mit der „Marke“. Die Marktteilnehmer bieten erfolgreich Merchandising-Produkte wie T-Shirts, Produkt-Bundles und auch digitale Güter an. Für solche Organisationen lässt sich die Facebook-Seite zu einem wichtigen Vertriebskanal ausbauen.

Onlinehandel wie Mode, Schmuck und Elektronik: Diese Organisationen haben etablierte Online-Shops und erwarten nicht, dass Facebook ein Hauptumsatzkanal wird. Sie nutzen Facebook vor allem für Brand-Loyalty und für gezielte Aktionen. Sie arbeiten in der Regel auf Kampagnen-Basis mit Pop-up-Stores und anderen Aktionen für Fans. Für diesen Kundenkreis bieten wir ein „Special Deal“-Produkt an: ein ausgesuchtes Produkt mit limitiertem Bestand wird für eine begrenzte Zeit (zum Beispiel 24 Stunden) im Shop eingestellt, nur Facebook-Fans haben Zugriff auf den Kauf. Damit können die Anbieter Ihre Fans belohnen und über die Viralität der Aktionen neue Fans gewinnen. Wir sind dabei, weitere Tools zur Unterstützung solcher Aktionen zu entwickeln.

Kann das Unternehmen seine bestehende Shoplösung einfach 1:1 auf Facebook umsetzen?

Technisch ist es möglich, es gibt diverse Plug-ins für die meisten Shop-Systeme und spezialisierte Agenturen, die solche Projekte implementieren. Wir empfehlen es nicht, wenn eines der eben genannten Ziele erreicht werden soll. Bei diesen Lösungen findet der Check-out in der Regel außerhalb von Facebook statt (im bestehenden Onlineshop). Durch die längere Kaufabwicklung und den Medienbruch im Kaufprozess haben derartige Apps meist inakzeptable Konversionsraten.

Facebook-Fans erwarten etwas Besonderes, wenn Sie bei Facebook kaufen – exklusive Produkte, neue Produkteinführungen, Promotions und so weiter. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden, nicht das vollständige Produktportfolio ihres Online-Shops 1:1 auf Facebook bereitzustellen.

Wie bekommt ein Unternehmen Fans und Nicht-Fans auf den Facebook-Shop?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Reichweite des Facebook-Shops zu erweitern, auf folgende drei Optionen möchte ich hier eingehen:

Intelligente Nutzung der Pinnwand: Fans gehen selten durch eigene Initiative auf eine Facebook-Seite. In der Regel sehen sie eine Meldung der Seite im Newsfeed und klicken bei Interesse auf den Link. Unternehmen sollten also regelmäßig über Status-Meldungen auf neue Aktionen und Produkte aufmerksam machen, damit die Fans davon erfahren. Shop-Admins können bei uns direkt im Verwaltungs-Tool solche Status-Meldungen mit Produktvorschau generieren. Zu beachten ist hier, dass nicht alle Fans die Status-Meldungen sehen werden, denn das hängt vom EdgeRank ab (für eine Erklärung und Tipps zur Optimierung des EdgeRanks einfach den Begriff googlen!). Außerdem hat jede Meldung eine begrenzte Lebensdauer, in der Regel wird nach drei Stunden aus dem Newsfeed kaum mehr geklickt. Auch wichtig ist, dass die Häufigkeit der Meldungen nicht „spammy“ wird; ein möglicher Richtwert wäre, maximal dreimal pro Tag zu posten.

Word-of-Mouth von bestehenden Fans: Nutzer können Deals oder Produkte auf ihrer Pinnwand (beziehungsweise auf der Timeline) teilen. Jedes Produkt hat bei Ondango-Shops „Like“- und „Send“-Buttons sowie eine Kommentar-Funktion. Mit diesen Elementen können Nutzer Ihren Freunden zeigen, dass sie eine Aktion oder ein Produkt gut finden. Auch die Teilnahme an einer Aktion oder ein Kaufabschluss kann auf Facebook geteilt werden. Erfahrungsgemäß wird das von rund zwölf Prozent der Käufer auch gemacht.

Werbung auf Facebook: Das ist eine effektive Lösung, die aber mit Kosten verbunden ist. Die gute Nachricht ist, dass der CPC (Cost-per-Click) für Werbung von Facebook-Seiten etwa 45 Prozent günstiger ist als für Werbung von externen Seiten. Außerdem kann man die Zielgrupe anhand demografischer Eigenschaften sehr genau definieren und somit das Marketing-Budget effizient investieren.

Welches Potenzial steckt in Social-Commerce?

Wir verstehen Social-Commerce als „E-Commerce unter Mitwirkung von Menschen“, dabei gibt es drei Ebenen:

Zusammenarbeit unter Käufern. Ein Beispiel ist Groupon, wo Menschen sich zusammen tun, um Produktrabatte zu erhalten. Auch die Verwendung von „Social-Plugins“ gehört dazu, wie zum Beispiel der Like-Button, mit dem soziale Empfehlungen möglich sind.

Zusammenarbeit zwischen Käufer und Verkäufer. Ein Beispiel ist Spreadshirt (als Anbieter eines Mass-Customization-Modells), wo die Käufer vor einem Kauf bestimmen, was der Verkäufer produzieren soll. Ein weiteres Beispiel ist Lookk (www.lookk.com), wo die Community bestimmt, welche Fashion-Designs hergestellt und verkauft werden.

Zusammenarbeit unter Verkäufern. Dies tritt eher in der Offline-Welt auf, aber es gibt noch keine wirklich guten Beispiele dazu im Online-Handel. Hier untersuchen wir zurzeit ein paar interessante Ansätze.

E-Commerce Geschäftsmodelle, die im Kontext dieser drei Ebenen konzipiert sind und sicherstellen, dass diese Formen von Kollaboration reibungslos stattfinden, haben großes Potenzial, Markführer in ihrem Gebiet zu werden.

Müssen Amazon, Ebay und Co nun umdenken oder ist Social-Commerce nur eine Shopping-Randerscheinung?

Social-Commerce ist eine Erweiterung des klassischen E-Commerce durch soziale Interaktionen und fester Bestandteil von vielen E-Commerce Strategien. Die etablierten Anbieter im Online-Handel können nur durch die Adoption der Ansätze von Social-Commerce ihre Dominanz in den kommenden Jahren behalten.