Startup Helden DaWanda Claudia Helming

“Startup-Heldin” Claudia Helming im Interview

DaWanda (www.dawanda.com) ging im Dezember 2006 mit der Idee eines Online-Marktplatzes für Handgefertigtes an den Start und ist mittlerweile in sieben europäischen Märkten aktiv. Wie das US-Vorbild Etsy sollte DaWanda Künstlern, Bastelwilligen und Unikatliebhabern eine Plattform bieten. In rund 170.000 DaWanda-Shops können Freunde des Selbstgemachtem heute nach Kissen, Schmuck und Co suchen, Produkte kommentieren und weiterempfehlen – “Social Commerce” nennt sich das. Die internationalen Investoren Vorwerk Ventures (www.vorwerk-ventures.de), Piton Capital (www.pitoncap.com) und Insight Venture Partners (www.insightpartners.com) versahen die Berliner mit Millionensummen.

In der ersten Ausgabe der neuen Interview-Reihe “Startup-Helden” spricht die 39-jährige Mitgründerin und Geschäftsführerin DaWandas, Claudia Helming, über Bayern und die Welt, Kreativität und Mobile Shopping.

Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Claudia Helming und habe im Jahr 2006 gemeinsam mit Michael Pütz DaWanda gegründet, den Online-Marktplatz für Handgemachtes und Unikate. Ich komme ursprünglich aus Marktl am Inn, einem kleinen bayerischen Ort. Nach unterschiedlichen Stationen im In- und Ausland lebe und arbeite ich aber seit gut sieben Jahren in Berlin. Als Geschäftsführerin von DaWanda leite ich inzwischen ein Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern aus 15 Ländern. Unser Hauptsitz ist in Berlin, Länder-Büros haben wir in Paris, Warschau, Madrid, Amsterdam und Mailand.

Was macht DaWanda einzigartig?

Was DaWanda zu etwas Besonderem macht, sind einerseits die einzigartigen Produkte auf unserer Plattform. Andererseits ist es die starke Community und der enge, persönliche Kontakt zwischen Käufern und Verkäufern. Mit DaWanda haben wir es geschafft, handgearbeitete Produkte aus ihren Nischenmärkten zu holen und einem Millionenpublikum zugänglich zu machen.

Wie bist Du auf die Idee zu DaWanda gekommen?

Den Anstoß zur Gründung von DaWanda gab eine missglückte Bastelaktion. Im Jahr 2005 waren Michael, damals schon mein Kollege, und ich beruflich in Moskau. Zu Weihnachten haben wir uns dort am Bemalen von Matroschka-Puppen als Geschenke für Freunde und Familie versucht. Das Ergebnis war quasi nicht verschenkbar. So kamen wir auf die Idee, ein Angebot für Menschen zu schaffen, die zwar gerne etwas Kreatives und Individuelles verschenken möchten, selbst aber nicht das nötige Talent oder die Zeit dazu haben.

Was wünschst Du dir für den Gründungsstandort Deutschland?

Der Gründungsstandort Deutschland, insbesondere natürlich Berlin, hat an internationaler Sichtbarkeit gewonnen. Berlin kann sich mittlerweile mit der Bezeichnung “Silicon Alley” schmücken. Trotzdem erhalten deutsche Startups immernoch relativ selten Investments von US-amerikanischen Kapitalgebern. Von deren großem Erfahrungsschatz können wir hier jedoch noch viel profitieren. Vor etwa einem Jahr kam Insight Venture Partners bei uns an Bord, ein Investor, der unter anderem auch Twitter groß gemacht hat. Daher wissen wir, wovon wir sprechen.

Welche Trends siehst Du im Internet?

Mobile Shopping wird weiter an Bedeutung gewinnen – ich denke, diese Entwicklung hat gerade erst begonnen. Das Zeitbudget vieler gestresster Großstädter ist knapp. Unterwegs schnell und einfach auch über Tablet oder Smartphone einkaufen zu können ist ein Angebot, das dankbar angenommen wird. Noch interessanter wird das in Kombination mit Social Recommendations: Man sieht ein tolles Produkt auf der Facebook-Seite einer Freundin, mit ein paar Klicks ist es auch im eigenen Warenkorb – und das alles, während man in der Bahn sitzt.

Bild: DaWanda