The European Print

Print ist tot. Mit dem Vormarsch von Onlinemedien gehe die Leserschaft von Offline-Magazinen derzeit immer stärker zurück, sagen die aktuellen Statistiken. Da stolperte man schon ein wenig über die Herausgabe einer Papierversion, welche das gemeinsam mit Team Europe (www.teameurope.net, auch an Gründerszene beteiligt) gegründete Onlinemagazin The European zur Feier seines dritten Geburtstags verkündete. Gestern wurde die erste Printausgabe vorgestellt, welche ab sofort abonnierbar und ab Donnerstag am Kiosk zu erwerben sein wird. Der erste Titel beschäftigt sich unter anderem mit Utopien für das Jahr 2112. Im Gründerszene-Interview gab The-European-Chefredakteur Alexander Görlach bereits im Juni Erklärungen für das neue Projekt, wog Chancen und Risiken ab.

Drei Jahre The European – Glückwunsch! Lass uns zurückgehen – erzähl doch mal, wie es zur Entstehung von The European kam.

„Meinung statt Meldung“ steht am Anfang von The European (www.theeuropean.de). Dieser Ausspruch ist zum Claim des Magazins geworden. Nachrichten sind im Web überall, nicht jedoch, was diese Nachrichten bedeuten. Die kommentierende Einordnung dessen, was passiert, das leistet The European. Dabei gibt es nie eine absolute, einzig richtige Meinung! In freien, demokratischen und säkularen Gesellschaften werden viele Meinungen in diskursiven Debatten ausgetauscht, am Ende gewinnt der mit den besten Argumenten.

Wir sagen, dass dieses diskursive Debattieren zu den Eigenarten der europäischen Kulturgeschichte gehört. Deswegen heißt unser Magazin The European. Diese Idee habe ich Anfang 2009 mit Lukasz Gadowski und Kolja Hebenstreit geteilt und schon sehr schnell war klar: Wir realisieren dieses Magazin gemeinsam.

The European ist als Onlinemagazin gestartet. Heute, in einer Zeit, in der es für viele Papierveröffentlichungen schwieriger denn je wird, gebt ihr die Herausgabe einer Printversion bekannt. Woher die Idee?

Viele unserer Leserinnen und Leser haben uns in den vergangenen drei Jahren zurückgemeldet: Großartige Debatten, pointierte Kommentare, kritische Interviews. Aber: Während eines normalen Arbeitstages schaffe ich es nicht, alles zu lesen. Warum bringt ihr nicht ein Heft heraus? Das lese ich am Wochenende zuhause, im Flieger oder auf einer langen Bahnreise. Nun haben wir gesagt: Das machen wir jetzt. Die Nachfrage ist einfach da. Print ist nicht tot!

Wir haben schon zum Start des Online-Magazins gesagt, dass wir uns beispielsweise ein Heft zum Anfang des Jahres, gemäß einem Arbeitstitel „Das werden die Debatten 2013“ gut vorstellen könnten. Nun kommen wir vier Mal im Jahr, eine runde Zahl, um alle relevanten gesellschaftlichen Debatten in einem ansprechenden Magazin abbilden und nach vorne treiben zu können.

Wieviele Leser habt ihr derzeit?

Im Monat finden 100.000 Leserinnen und Leser im Monat zu uns. Wenn wir genauso viele Menschen dafür begeistern können, unser Print-Magazin zu kaufen, dann wäre das großartig!

Wie online-lastig beziehungsweise nicht sind Eure Themen derzeit? Sollen sich Eure Themen mit dem Erscheinen der Printausgabe aufteilen?

Wir haben natürlich Themen, die die Internetwirtschaft betreffen, den Startup-Standort Berlin, zum Börsengang von Facebook. Auf einer Meta-Eben fragen wir immer wieder, wie der digitale Wandel unsere Gesellschaft verändert. Diese Themen können genauso in unserem Print-Magazin laufen. Es gibt keine Themen, die es nur Print oder nur Online geben wird. In das Heft kommen die Debatten aus dem Online-Magazin, von denen wir glauben, dass sie das Potenzial besitzen, die Leserinnen und Leser in den kommenden drei Monaten zu begleiten.

Soll mit der Printversion eine andere Zielgruppe angesprochen werden?

Die Überschneidung von Printlesern und Online-Nutzern bei Medienangeboten liegt eigentlich nie bei mehr als 15 Prozent. Von daher sprechen wir am Kiosk auch Menschen an, die The European bislang noch nicht kannten.

Welche Chancen seht ihr im Launch von Print – glaubt ihr an eine gegenseitige „Ansteckung“ von Print und Online?

Es gibt nur ein The European! Dieses Meinungs- und Debattenmagazin gibt es im Browser, nun sehr bald in einer neuen, sehr schönen Smartphone-Ausspielung, in einer englischen Variante und als Print-Magazin. Die Themen werden dieselben sein, die Art der Darreichung unterscheidet sich in den jeweiligen Varianten des Produkts.

Deshalb wird es auch die „Ansteckung“ geben von der Du sprichst: Online-Leser werden das Print kaufen, Print-Käufer häufiger das Online-Magazin besuchen. Beide haben ein Smartphone und lesen darauf The European, wenn sie auf den Flieger oder den Zug warten. Jeder Leser ist täglich in verschiedenen Situationen, in denen er The European lesen kann. The European wird ihn und sie gerne durch den Tag begleiten.

Seht ihr auch Risiken?

Eine Abhängigkeit von den Umsätzen aus Werbung – das gilt übrigens für Print und Online gleichermaßen. Eigentlich gilt es für das Web insgesamt. Wenn das Web aus der Sicht der Werbetreibenden nur aus Plattformen besteht, auf denen sie Werbung ausspielen, dann sind wir alle nur von der Werbewirtschaft abhängig. Diese wiederum ist von anderen wirtschaftlichen Umständen abhängig. Zudem interessieren sich nicht alle Agenturen, die Budgets im Web ausgeben, für die Produkte auf denen sie werben. Da werden gerne einmal Reichweiten zusammenaddiert und Schluss.

Deswegen ist es uns wichtig, möglichst viele Abonnenten zu gewinnen und Einzelkäufer am Kiosk zu überzeugen. Die Leserinnen und Leser zahlen weiterhin gerne für gute, hochwertige journalistische Print-Produkte: The European wird bald dazu gehören. Die Erlöse aus dem Heftverkauf werden dann neben den Umsätzen aus unseren Events, den Umsätzen unserer verlagseigenen Unit Consulting und den Werbe-Erlösen Print und Online stehen. Es ist uns wichtig, möglichst viele Umsatz-Kanäle zu haben.

Wie wird das Magazin aussehen und wann können wir es im Laden finden?

Wir werden ab Ende September in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu kaufen sein. Der Preis wird zwischen 7,50 Euro und 8,00 Euro liegen. Über das Design des Heftes werde ich natürlich noch Stillschweigen wahren, nur so viel: Wir haben diese Woche das Layout des Heftes final abgestimmt, auch für das Cover haben wir großartige Ideen. Es ist klar, dass ich das jetzt sagen muss, aber The European wird eine große Bereicherung für den guten, hochwertigen Zeitschriftenmarkt.

Vielen Dank für das Gespräch, Alexander.

Foto: Lars Mensel