interview, thomas zeithaml, seoratio, timo hahn, internet-marketing-agentur, suchmaschinenoptimierung, seo, duplicate-content, linkbuilding, onpage-optimierung

“It is not the job of search engine optimization to make a pig fly. It is the job of the SEO to genetically reengineer the Web site so that it becomes an eagle.” Diese Weisheit haben wir Bruce Clay zu verdanken.

Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO, sorgt für eine höhere Position von Websites auf Suchmaschinen-Ergebnisseiten. Diese Besucher sind kostenlos, weshalb dieser Online-Marketing-Kanal nicht nur für Gründer eine hohe Priorität hat. Aber wie macht man nun die Website zum Überflieger unter den Suchergebnissen? Sucht man sich eine Agentur oder baut man selbst Kompetenzen auf? Welche (kostenlosen) Tools gibt es? Worauf kommt es beim Linkaufbau an?

Diese und andere Fragen stellen wir SEO-Agenturen, Tool-Anbietern und SEO-Experten in einer Interview-Reihe auf Gründerszene. Damit sollen Einsteiger in das Thema einen Überblick und eine bessere Entscheidungsgrundlage im SEO-Bereich erhalten. Diesmal: Thomas Zeithaml von Seoratio.

Thomas, stelle Dich und Deine Erfahrungen bitte kurz vor.

Seit 2001 beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Online-Marketing. Mitte 2003 habe ich mich in diesem Bereich selbständig gemacht und vermarkte seitdem erfolgreich eigene sowie Kundenprojekte wie Websites, Online-Shops oder Internet Portale. Von 2007 bis 2010 war ich als SEO-Berater für zwei große Agenturen tätig. Seit August 2010 betreibe ich zusammen mit Timo Hahn die Internet-Marketing-Agentur Seoratio. Unser Ziel ist es vernünftiges und transparentes SEO anzubieten.

SEO-Agentur beauftragen – ja oder nein? Welches Rolle spielt dabei das Budget?

Zuerst natürlich ein klares “JA” zur SEO-Agentur. Wobei eine SEO-Agentur auch ein SEO-Einzelkämpfer sein kann. SEO ist mittlerweile eine Wissenschaft mit der sich Experten schon lange befassen.

Es gibt über ca. 200 verschiedene Ranking-Faktoren, bei denen einige sogenannte Google-Filter auslösen können, die wiederum eine schlechte Platzierung mit sich bringen. Ein Filter kann oft nicht so leicht oder erst nach einem bestimmten Zeitraum wieder gelöst werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, Experten zu beauftragen, die wissen, auf was zu achten ist.

Jedoch sollte eine Agentur oder Experte sorgfältig ausgewählt werden. Bevor man also eine Entscheidung für eine Firma trifft, sollte man sich in der Szene informieren und auch Fachwissen testen. Auch ist es hier sinnvoller mehrere Meinungen einzuholen, auch wenn es vielleicht bereits Kosten verursacht.

Allerdings muss man in diesem Zusammenhang erwähnen, dass SEO als langfristige Methode zu verstehen ist und nicht jede Optimierung gleich Wirkung zeigt oder die Qualtität des SEOs wiedergibt.

Das benötigte Budget spielt nur zum Teil eine Rolle. Gute SEOs arbeiten wohl kaum für 15 Euro die Stunde. Hier muss man natürlich die jeweiligen Dienstleistungen beachten.

Aber selbst im Bereich des Linkbuildings ist die Höhe des Budgets nicht zwingend ausschlaggebend. Bei neuen Webseiten kann man nur eine begrenzte Anzahl von Links pro Monat aufbauen, da sonst der Domain ein zu schnelles Wachstum erfährt. Auch hier gibt es Google Mechanismen dies zu vermeiden. Dadurch ist das Budget nach oben hin limitiert. Um die Thematik zu verdeutlichen wäre zum Beispiel ein Platz eins bei dem Keyword “Schuhe” in drei Monaten selbst mit einem unbegrenzten Budget nicht möglich.

Zur Ermittlung des benötigten Linkbudgets sollte die Agentur auf jeden Fall Ranking-, Konkurrenz- und Backlinkanalysen durchführen. Pauschal-Linkangebote wie etwa 30 Links für 199,- Euro sind oft nicht nachhaltig. Wird bei der Konkurrenzanalyse festgestellt, dass die Konkurrenz im Schnitt beisoielsweise 500 Links mehr aufweist, ist das benötigte Budget natürlich höher. Abhängig von der Budgethöhe ist natürlich auch die benötigte Qualität der Backlinks.

Welche gratis SEO-Tools/Plugins kannst Du empfehlen?

Ich denke, dass niemand, der vernünftiges SEO machen möchte, an kostenpflichtigen SEO-Tools vorbei kommt. Es gibt viele, sehr gute kostenpflichtige SEO-Tools am Markt, die einem den entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen können. Zu nennen sind dabei Searchmetrics, Seolytics und die Sistrix-Tools. Nichts desto trotz nutze ich neben einigen Eigenentwicklungen natürlich auch kostenlose Tools um Seiten “auseinander” zu nehmen.

Google und deren Dienste sind natürlich das beste SEO Tool selbst. Bei der “site:domain.de”-Abfrage, kann man meist schon häufige Fehler der Indexierung entdecken.

Am Häufigsten sind bei einer Analyse diverse Firefox Plugins im Einsatz. Firebug, Firecookie, GoogleEnhancer, Showip und SearchStatus sind dabei meine Favoriten. Damit kann man schon genaueres über Quellcode, Ladezeit, Nofollow-Verwendung und Backlinks oder andere Faktoren aussagen.

Für die Keywordrecherche setze ich auf das Adwords-Keyword-Tool. Allerdings muss man hier beachten, dass die Zahlen auf Suchanfragen basieren und nicht den Klicks entsprechen wenn man auf Platz 1 steht.

Was ist gute Suchmaschinenoptimierung?

Gute Suchmaschinenoptimierung sollte man eigentlich gar nicht als Maßnahmen für die Suchmaschine wahrnehmen. Wenn Inhalt nur mit dem Ziel erstellt wird, für die Suchmaschinen relevant zu sein und sich dadurch nicht mehr natürlich liest, geht dies an guter Suchmaschinenoptimierung vorbei. Auch Maßnahmen wie Keyword-Aneinanderreihungen, versteckter Text oder spezielle Brückenseiten widersprechen einer guten SEO Arbeit. Gutes SEO ist vielmehr die Kombination aus Technik, Inhalt und Verlinkung.

Die Onpage-Optimierung bildet dabei immer die Basis für ein gutes Ranking. Dabei sollte beachtet werden, dass Google die Inhalte lesen und auswerten kann. Vermeidung von doppelten Inhalten ist hier genauso wichtig wie eine gute Seitenstruktur. Ebenso ist natürlich ein wertvoller, guter Inhalt wichtig. Dies sieht man gerade an den neuesten Algorithmusänderungen von Google im Bezug auf “Content-Farmen”. Zwar sind diese Projekte aus SEO-Sicht sehr gut realisiert, der Inhalt jedoch eher niveauarm. Eine mögliche Abstrafung ist dabei nur eine Frage der Zeit. Auch das Thema Linkaufbau muss natürlich und nachhaltig ausgelegt sein.

Ein weiterer Aspekt guter SEO-Arbeit ist der Weitblick über das bloße Ranking hinaus. SEO erschließt ebenso Kanäle wie Social-Media, Universal-Search (Bilder,News, Shopping-Einblendungen) oder auch die Online-Reputation eines Unternehmens.

Gute Suchmaschinenoptimierung ist also fast gleichzusetzen mit gutem Projektmanagement. SEO dient mittlerweile nicht nur der Optimierung des Rankings, sondern übernimmt Steuerungsfunktionen des ganzen Projekts.

Wie können Websites doppelte Inhalte am besten vermeiden?

Um doppelte Inhalte zu vermeiden, muss man erst die Problematik dahinter verstehen. Duplicate-Content (“Doppelter Inhalt”) bedeutet, dass zwei (nahezu) gleiche Dokumente unter verschiedenen URLs (Adressen) erreichbar sind. Google möchte aufgrund mangelnder Ressourcen nur ein Original und nicht mehrfache Dubletten des Inhalts speichern. Aus diesem Grund werden Texte von Google miteinander abgeglichen und ermittelte Dubletten werden niedriger bewertet als das Original.

Ein typischer Fall für gleichen Inhalt sind Nachrichten der DPA die bei vielen Nachrichtenportalen im gleichen Wortlaut ausgeliefert werden. Neben fremden Webseiten kann auch die eigene Webseite dabei unterschiedliche Quellen für doppelte Inhalte erzeugen. Ein Beispiel wäre das gleiche Produkt in mehreren Kategorien.

www.domain.de/mode/jacke-123.html

www.domain.de/angebot/jacke-123.html

Google stellt mittlerweile Maßnahmen wie zum Beispiel Parameter in den Webmaster-Tools oder das Canonical-Tag zur Verfügung um Duplicate-Content zu vermeiden.

Einen passenden Beitrag zum Thema habe ich neulich als Gastautor verfasst.

Linkaufbau: Muss es immer nachhaltig sein oder sind auch schnelle Links (Spam) ein probates Mittel?

Jede Domain besitzt bei Google eine Historie. Alle Auffälligkeiten werden von Google somit auch über einen Zeitraum bewertet. Typische Fehler die sich auf die Historie auswirken sind zum Beispiel ein unnatürlicher Linkaufbau.

Anhand eines Beispiels wird dies deutlicher. Eine Domain existiert seit mehreren Jahren und hat durchschnittlich zirka einen neuen Link pro Monat bekommen. Die betreuende Firma entscheidet sich nun für Linkaufbau und erzeugt monatlich 100 neue Links. An dem Linkwachstum kann Google schnell erkennen, dass es sich hierbei nicht um freiwillig gesetzte Links handelt, sondern bewusst Links erzeugt werden. Aus diesem Grund sollte Linkbuilding immer nachhaltig sein, um eine gute Historie der Domain zu gewährleisten. Unqualifizierte Links können natürlich kurzfristig eine Wirkung erzielen, jedoch werden diese Links zeitnah von Google erkannt und entwertet.

Lohnt es sich für Bing/Yahoo! zu optimieren? Wenn ja, welche Besonderheiten gibt es?

Momentan werden von Yahoo Deutschland die Ergebnisse von Bing ausgegeben. Selbst durch diese Kooperation hat Bing nur eine Reichweite von knapp fünf bis sechs Prozent am Markt. Google ist im deutschen Markt mit über 90 Prozent Marktanteil sehr dominant. International sieht es in vielen Ländern ähnlich aus. Einzig in den Ländern China, Südkorea, Japan, Polen, Russland und Tschechien ist Google nicht Marktführer.

Auch in den USA liefern Bing und Yahoo den gleichen Suchmaschinenindex aus und kommen da immerhin auf knapp 30 Prozent. Hier lohnt sich also sehr wohl eine Optimierung für Yahoo und Bing. Generell kann man jedoch davon ausgehen, da sich die Faktoren für die Suchergebnisse aller drei großen Anbieter ähneln, man auch bei Bing ein gute Position erreichen kann, wenn man diese bei Google erreicht hat.

Meiner Meinung nach wird sich in den nächsten Jahren nichts an dieser Marktaufteilung ändern, da Google im Bereich der Suchergebnisermittlung den anderen Suchmaschinenanbietern noch weit überlegen ist.

Thomas, danke für das Gespräch.

Mitarbeit: Simon Kronseder

GD Star Rating
loading...
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.