interview, Acton Capital Partners, Burda Digital Ventures, christoph braun, heureka fonds, mckinsey&company, venture capital, vc, wagniskapital, risikokapital

Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal, ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses Mal: Christoph Braun von Acton Capital Partners (www.actoncapital.de).

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Ich bin seit 1999 im Internet als VC-Investor aktiv. Damals habe ich die Burda Digital Ventures (www.hubert-burda-media.de), also einen Corporate-VC, mit ins Leben gerufen. Ziel war es, für die Burda Gruppe sowohl strategische Beteiligungen aufzubauen als auch als Finanzinvestor vernünftige Erträge zu erzielen. Seit 2008 sind wir als unabhängiger, partnergeführter VC mit Acton Capital Partners unterwegs. In meinem früheren Leben war ich Berater bei McKinsey&Company in Frankfurt und San Francisco. Ich bin gebürtiger Münchner – also einer von zwei Quotenbayern im Acton-Team –, verheiratet und habe zwei tolle Kinder.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Wir sind ein Team von zehn Kollegen, die schon sehr lange – zum Teil über 20 Jahre – zusammenarbeiten. Bei Acton haben wir 2008/9 unseren Heureka Fonds eingeworben. Er hat eine Größe von 150 Millionen Euro. Investitionsschwerpunkt sind technologiebasierte Firmen, die sich an Endkunden oder kleine Unternehmen richten. Wir sehen unseren derzeitigen „Sweetspot“ im Bereich der Wachstumsfinanzierung, also bei Firmen, die bereits bewiesen haben, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert, die aber zusätzliche Mittel benötigen, um neue Märkte zu erobern und ihre Organisation auf die nächsten Wachstumsschritte vorzubereiten.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht.

Ein typisches Investment liegt zwischen fünf und 15 Millionen Euro, wobei wir in den meisten Fällen eine Minderheitsbeteiligung übernehmen. Als Wachstumsinvestor investieren wir den überwiegenden Teil unserer Mittel in das Unternehmen, aber haben auch schon Frühphaseninvestoren ausgekauft oder in geringem Umfang Anteile von Gründern erworben. Selbstverständlich ist uns aber immer daran gelegen, dass die Gründer noch signifikante Anteile halten, denn nur gemeinsam mit den Unternehmern kann es gelingen, die meist recht ambitionierten Wachstumsziele zu erreichen.

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Selbstverständlich sind alle Kollegen an jedem Investment beteiligt. Alles andere würde uns unglaubwürdig machen, denn man sollte mit dem Geld anderer Leute immer mindestens genauso sorgfältig umgehen wie mit dem eigenen. Daneben haben wir eine branchenübliche Carryregelung.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Ich bin schon immer sehr neugierig gewesen. Deshalb ist es ein ausgesprochenes Privileg, sich stets mit neuen Ideen, Produkten und faszinierenden Menschen beschäftigen zu dürfen. In der öffentlichen Diskussion wird leider oft übersehen, dass es die Unternehmer sind, die als Motor für unsere wirtschaftliche Kraft und die Innovation verantwortlich sind. Mit solchen Unternehmern täglich zu tun zu haben, das ist schon etwas Besonderes, langweilig wird das nie.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung?

Unser Team ist von einem ziemlich stabilen Wertegerüst getragen. Wir alle glauben – manche mögen das für naiv halten –, dass am Ende des Tages der Anständige keine geringere Rendite erzielen wird, auf dem Weg aber viel mehr Freude hat. Außerdem macht das Rasieren einfach mehr Spaß. Deshalb gehört es sicherlich zu den schlimmsten Erfahrungen, wenn die andere Seite diesen Spirit nicht teilt. Das ist schon vereinzelt vorgekommen und die Enttäuschung war dementsprechend groß; aber da werde ich keine Namen nennen. In den allermeisten Fällen jedoch ist aus einer geschäftlichen Beziehung eine tiefe Vertrauensbeziehung, oft sogar Freundschaft geworden. So sind einige der Unternehmer, die wir in der Vergangenheit finanziert und begleitet haben, heute Investoren bei uns.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Das Team.

Gibt es das ideale Gründerteam?

Nein. Aber es gibt ein paar Zutaten, die schon helfen: Wenn alle nur konvergent oder divergent denken, dann wird’s schwer. Gut ist es auch, wenn es eine Balance zwischen Persönlichkeiten gibt, die defizitmotiviert sind, und solchen, die Erfolgserlebnisse als Anschub für die nächste Nachtschicht nehmen. Denn der Energiebedarf, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, ist schon enorm.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei Startups für Dich?

Am besten er oder sie stellt die Idee unaufgeregt aber mit viel Herzblut vor und verliert den Humor dabei nicht. Uns ist wichtig, dass das Produkt und der Kundennutzen voll im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Die Idee muss originell sein und die Chance haben, sich nachhaltig im Kundenverhalten einzunisten.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Alles zu seiner Zeit. Langfristig darf man die Profitabilität nie aus den Augen verlieren, aber gerade in Zeiten des stürmischen Wachstums gilt es Marktanteile zu erobern und zu verteidigen, da darf die Profitabilität schon mal eine Weile hintenan stehen. Von Geschäften, die allerdings langfristig keine Chance auf Gewinn haben, halten wir nicht so viel, da sind wir ein wenig altmodisch.

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von Startups in Deutschland?

1. Zu große Teams: Nicht alle Freunde sind notwendigerweise auch die besten Team-Mitglieder. 2. Zu frühe, zu schnelle Expansion in neue Produkte und Regionen. 3. Zu schneller Exit.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Für VC sprechen die Zahlen da eine eindeutige Sprache. Es wird in Europa zu wenig in VC investiert und die Vorbehalte von institutionellen Investoren gegenüber der Assetklasse Venture Capital sind immer noch hoch. Wir müssen also aufholen, aber die Entwicklung der letzten 15 Jahre geht in die richtige Richtung. Wenn ich Entrepreneuership mit Unternehmergeist übersetze, dann glaube ich nicht, dass wir ein fundamentales Problem haben. Viele junge Absolventen und technisch Hochbegabte denken heute an Eigengründung, und die Stigmatisierung nach Misserfolgen hat dankenswerterweise stark nachgelassen. Wenn ich bei Entrepreneurship die Rahmenbedingungen mit einbeziehe, dann gibt es viel zu tun: Junge Unternehmen haben es in den USA nicht nur leichter, an Kapital zu kommen und sich zu organisieren, sondern werden auch vom Staat mehr gefördert. Der in Deutschland bei praktisch jedem Startup drohende Untergang von steuerlichen Verlustvorträgen ist dafür ein Beispiel.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Wann kann Schweinsteiger wieder spielen?

Wie stehst Du zu Copycats?

Jeder investiert gerne in Dinge, die es so noch nie gegeben hat. Im Consumer-Internet-Bereich aber wird es aber vermutlich immer Originale und Kopien geben, die Barriers-to-Entry sind in vielen Fällen sehr niedrig. Manchmal war die Kopie besser als das Original, weil sie einfach besser exekutiert wurde. Copycats wird es auch in Zukunft geben. Solange keine Schutzrechte verletzt werden, finde ich das nicht sonderlich aufregend. Wenn nicht jeder Nachahmer einen erfolgreichen Exit hinbekommt, allerdings auch nicht.

Auf welchen Startup-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Meine Kollegen und ich besuchen vor allem Events, auf denen wir Unternehmer treffen können, die entweder schon heute oder aber erst in ein, zwei Jahren für uns interessant sein können. Wir sind deshalb immer an einem Dialog interessiert. Dass wir sehr eng mit dem DLD (www.dld-conference.com) verbunden sind, den wir auch seit langer Zeit als Sponsor unterstützen, ist vermutlich kein Geheimnis. Seit einigen Jahren unterstützen wir auch Media Momentum (www.mediamomentum.co.uk), einen sehr interessanten europäischen Wettbewerb für schnellwachsende Unternehmen der digitalen Wirtschaft.

Es gibt eine Reihe von wirklich guten Blogs; ich finde, dass die Blogs von Fred Wilson (www.avc.com) oder Henry Blodget (www.businessinsider.com) immer eine Lektüre wert sind, weil sie gerne auch einmal die Gegenseite eines Arguments beleuchten und nicht jeden Hype mitmachen.