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Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal, ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses Mal: Michael Brandkamp vom High-Tech Gründerfonds (www.htgf.de).

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Mein Name ist Michael, Dr. Michael Brandkamp. Ich bin Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds und seit knapp 15 Jahren in der Venture Capital Industrie tätig. Besonders aufregend war die Zeit 1999 und 2000, in der ich in Berlin bei der tbg TechnologieBeteiligungsGesellschaft die Gründerwelle rund um den Neuen Markt miterleben und mitgestalten durfte. Die Jahre danach waren weniger spannend, dafür vor allen Dingen aber sehr lehrreich. Alle Erfahrungen, die ich und Kollegen in den vielen Jahren Venture Capital machen durften, sind in die Konzeption des High-Tech Gründerfonds eingeflossen und spielen dort bis heute eine große Rolle.

Der High-Tech Gründerfonds investiert sehr aktiv in junge potenzialreiche High-Tech Unternehmen, die mit neuen Technologien oder Geschäftsmodellen Märkte verändern und so stark wachsen können. Wir sind in der Regel der erste Investor und stellen das sogenannte „Seed-Capital“ bereit, das notwendig ist um dem Unternehmen ein Gesicht zu geben und substantielle Ergebnisse vorzeigen zu können. So wird das Unternehmen reif für die nächste Stufe und ist in der Lage weitere Finanzierungsrunden einzuwerben oder ausreichend Umsätze zu erzielen.

Dabei verstehen wir uns nicht nur als Geldgeber, sondern wollen unseren finanzierten Unternehmen auch unter die Arme greifen: wir bringen sie mit den passenden Coaches oder auch Investoren zusammen, verbinden sie mit Corporates oder bei Bedarf auch mit Managern, die das Gründerteam vervollständigen.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Mit einem Team von knapp 40 Mitarbeitern, darunter 23 Investmentmanager und zwei Geschäftsführer, überbrücken wir die risikoreiche Startphase von jungen Technologieunternehmen mit Seedkapital. Dabei haben wir keinen speziellen Branchenfokus. Die Bereiche sind kunterbunt – bisher stammen die Finanzierungen aus den Branchen Automation, Optische Technologien, Medizintechnik, Pharmadiagnostik, Hardware, Life Science, Energie sowie IT, Software, Medien, Internet und e-commerce.

Investoren sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die KfW Bankengruppe sowie die 13 Industriekonzerne Altana, Basf, B. Braun, Robert Bosch, Cewe Color, Daimler, Deutsche Post Dhl, Deutsche Telekom, Evonik, Qiagen, Rwe Innogy, Tengelmann und Carl Zeiss. Der High-Tech Gründerfonds verfügt insgesamt über ein Fondsvolumen von rund 563 Millionen Euro aufgeteilt auf zwei Fonds.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht.

Wir investieren in der Seedphase grundsätzlich bis zu 500.000 Euro und reservieren weitere 1,5 Millionen Euro für die Wachstumsphase. Sofern wir der größte Investor sind, erhalten wir für die 500.000 Euro nur 15 Prozent Unternehmensanteile und verschieben die Frage der Bewertung in die Zukunft.

Dies geschieht, in dem wir ein sogenanntes „nachrangiges Wandeldarlehen“ herausgeben, das bei Anschlussfinanzierungen zu der von den neuen Investoren festgelegten Unternehmensbewertung ins Eigenkapital überführt wird. Das machen wir nur um eine Verwässerung unseres Unternehmensanteils zu vermindern. Unser Unternehmensanteil von 15 Prozent erhöht sich somit nicht, sondern wird bis zu einem Grad vor Verwässerung geschützt. Ferner erwarten wir auch einen spürbaren finanziellen Einsatz der Gründer.

Wenn wir in der Seedrunde allerdings nicht der größte Investor sind, können wir uns auch flexibel der individuell ausgehandelten Bewertung anschließen.

In jedem Fall stellen wir neben dem Geld noch Netzwerk und Managementunterstützung zur Verfügung.

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Ich bin zwar nicht Investor des Fonds. Dennoch kann das Team des High-Tech Gründerfonds einen kleinen Teil der Rückflüsse unter sich aufteilen, wenn wir die Erwartungen der Investoren übertreffen. Wir haben also einen Anreiz den Fonds erfolgreich zu machen.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Die große Vielfalt! Es wird nie langweilig! Es sind nicht nur die neuen Technologien, die mich immer wieder in Staunen versetzen und die neuen Geschäftsmodelle, die zum Teil wirklich vielversprechend sind. Es sind vor allen Dingen auch die Menschen, die mich faszinieren: Gründer, Unternehmer und Investoren müssen starke Persönlichkeiten sein. Die Zusammenarbeit mit diesen Alpha-Charakteren ist immer überraschend und eine große Freude. Es kommt somit alles zusammen: technologische, betriebswirtschaftliche, juristische sowie auch psychologische Fragestellungen, mit denen wir laufend konfrontiert werden.

Als Investor teilen wir ferner Freud und Leid eines jeden Startups, das wir finanziert haben. Aus den Herausforderungen können wir lernen; an den Erfolgen können wir teilhaben.

Schließlich ist der High-Tech Gründerfonds ebenfalls ein noch junges Startup, das wir selbst aufgebaut haben. Im Jahr 2005 haben wir zu dritt am Businessplan gefeilt und im September mit fünf Personen losgelegt. Der Aufbau der Management-Gesellschaft, die Entwicklung der Prozesse, die Betreuung der Gremien und besonders der Aufbau des sehr starken Teams ist eine höchst privilegierte und begeisternde Aufgabe.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung?

Die Schlimmste zuerst: Ein Unternehmer, der emotional gesteuert, eine wirklich schöne und große Finanzierungsrunde über rund drei Millionen Euro „zu Tode“ verhandelt hat. Der Gründer, übrigens ein sehr erfahrener und eloquenter Professor, hat das Unternehmen, das nicht nur über eine erstklassige Technologie, sondern auch über verkaufsfertige Produkte verfügte, vor die Wand gefahren. Unsere Aktivitäten zu helfen, konnten gegen das Management nicht mehr helfen.

Einer meiner besten unternehmerischen Erfahrung war bislang, dass der High-Tech Gründerfonds seinen eigenen Businessplan überfüllt hat und es ihm gelungen ist für den zweiten Fonds neue starke und anspruchsvolle Investoren aus der Industrie an Bord zu holen.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Es ist wie in der Mathematik: die Idee ist die „notwendige Bedingung“, das Team die „hinreichende“. Das Team ist zwar wichtiger, kann aber ohne gute Geschäftsidee nichts ausrichten. Es ist auch leichter gestaltbar als eine in Jahren entwickelte Technologieplattform. Wenn jemand also mit einer exzellenten Geschäftsidee zu uns kommt, helfen wir bei Bedarf, das Team zu vervollständigen.

Gibt es das ideale Gründerteam?

Natürlich: Dabei denke ich vor allen Dingen an erfolgreiche „Serial-Entrepreneurs“ mit starker unternehmerische Erfahrung.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei Startups für Dich?

Er muss uns überzeugen, dass sein Unternehms erfolgreich sein wird. Der Erfolg ruht aus unserer Sicht auf drei Säulen: 1. Der Geschäftsidee, bei der vor allen Dingen die Technologie und gegebenfalls Patente, die Alleinstellung, die Märkte und Wettbewerbssituation eine Rolle spielen. 2. Das Team, das die Geschäftsidee gut organisiert umsetzt und im Idealfall sowohl die Technologie als auch die unternehmerischen Fragestellungen versteht und vorantreibt. 3. Das Geschäftskonzept, das den Weg beschreibt, den das Team gehen möchte, um die Idee umzusetzen. Das Konzept muss uns überzeugen.

Wenn nicht alle drei Säulen komplett sind, ist das kein Problem, wenn das offen transportiert wird und wir gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen können. Hier bieten wir auch ein Netzwerk von Coaches, die aktiv bei Optimierung des Businessplans helfen und die Teams auch durch unseren Due-Dilligence-Prozess begleiten. Gründerkommen entweder direkt auf uns zu oder lassen sich von einem unserer Coaches oder Netzwerkpartner eine Referenz geben.
Und was Gründer wissen sollten: Habt Verständnis für viele Fragen, da wir genau verstehen wollen, was das Unternehmen vor hat.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Grundsätzlich halte ich Profitabilität für eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum. Wenn das Unternehmen cash flow-positiv ist, erscheint es vielfach für Investoren attraktiv. Dennoch gibt es zahlreiche Ausnahmen. Oft erfordert die Innovation Entwicklungsleistungen, die vorfinanziert werden müssen, die Markteinführung führt planmäßig zu Anlaufverlusten. Große Innovationen benötigen viel Kapital um groß zu werden. Wir begrüßen es daher sehr, wenn Unternehmen ordentlich Gas geben und einen steilen Wachstumskurs einschlagen. Dies allerdings mit Ausgenmaß.

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von Startups in Deutschland?

1. Sie kennen ihre Kunden und Märkt nicht genau genug. 2. Sie unterschätzen die Vertriebsanstrengungen und Verkaufszyklen, so dass die Umsätze stets kleiner ausfallen als geplant. 3. Sie organisieren ihr Managementteam nicht professionell genug.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Das kann man wohl nicht anders sagen, obwohl ich denke, dass wir gerade in letzten Jahren gut aufgeholt haben.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Besonders heiß sind aus meiner Sicht: 1. Energiethemen, hier insbesondere neue Softwareanbieter, die Smart-Grid erleichtern. Beispielsweise Demand-Response-Enabler, die dazu beitragen, dass Peaks im Energieverbrauch geglättet werden. 2. Medizintechnische Themen rund ums Herz sowie die personalisierte Medizin und die dazu gehörige Diagnostik. 3. Wirklich clevere E-Commerce-Anbieter mit innovativen technologiebasierten Ansätzen, darunter erscheint mir aktuell Gameanalytics heiß, um auf das individuelle Kundenprofil zugeschnittene Angebote zu ermöglichen.

Wie stehst Du zu Copycats?

Der Innovationsbegriff umfasst ja auch den Transfer von bekannten Angeboten in neue Märkte. Das hat in vielen Fällen gut funktioniert. Bei aller Aufgeschlossenheit stehe ich den meisten Copycats jedoch eher skeptisch gegenüber, da es ja auch für diese Unternehmen keinen Kopierschutz gibt.

Auf welchen Startup-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Wir streben an, auf den wichtigsten Events in Deutschland und den ganz wichtigen in Europa präsent zu sein. Hier sind wir stets ansprechbar und freuen uns mit Euch in Kontakt zu kommen.

Meine Empfehlung: nur Gründerszene.de!