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Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal, ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses Mal: Patrick Meisberger von T-Venture (www.t-venture.de).

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Mein Name ist Patrick Meisberger, 40 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei (sehr kleinen) Kindern. Ich bin seit 2004 bei T-Venture, der Venture-Capital-Gesellschaft der Deutschen Telekom, und seit 2009 als Geschäftsführer für alle Online- und Medieninvestments sowie unsere Spezialinvestments (Seed, Fund-of-Fund, und so weiter) verantwortlich. Seit 2004 haben wir allein in diesem Bereich 35 Investments getätigt. Insgesamt hat T-Venture seit Gründung 1997 in 180 Unternehmen weltweit investiert (aktuell hält T-Venture rund 80 Beteiligungen).

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

T-Venture investiert derzeit aus einem Ende 2008 aufgelegten Venture-Capital-Fund mit einem Volumen von 450 Millionen Euro in neue Beteiligungen. Das Kapital kommt ausschließlich von der Deutschen Telekom. Zusätzlich steht noch eine dreistellige Millionensumme für Folgeinvestments in ältere Beteiligungen zur Verfügung. Ein signifikanter Teil dieser Mittel ist für unsere Online- und Medieninvestment-Aktivitäten reserviert (der sogenannte Connected Life and Work Fund). Natürlich investieren wir auch in anderen Bereichen, die sich an der Wertschöpfungskette der Deutschen Telekom orientieren (zum Beispiel IT, Telco-Infrastruktur).

Traditionell waren wir eher Co-Investor in B/C Runden; in den letzten Jahren haben wir kontinuierlich in frühere Finanzierungsrunden expandiert und vielfach auch die Rolle des Lead-Investors übernommen. Ein Mitte 2011 aufgelegter kleiner Seed-Fund ergänzt diese Aktivitäten.

Wichtig: wir investieren nur dann, wenn wir zum einen an eine gute Exit-Perspektive eines Startups glauben und uns zum anderen davon überzeugt haben, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom kommt. Kurzum: wir wollen mehr, als nur Investmentkapital auf den Tisch legen. Unserer Rolle als strategischer Corporate-Venture-Capitalist können wir nur gerecht werden, indem wir uns im beiderseitigen Interesse für eine Zusammenarbeit der Startups mit der Deutschen Telekom einsetzen.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht.

Wir investieren üblicherweise zwischen 500.000 und 10 Millionen Euro. Unser Mitte 2011 aufgelegter Seed-Fund ermöglicht uns nun auch Beteiligungen im niedrigen sechsstelligen Bereich. Da wir in allen klassischen Unternehmensphasen investieren und der strategische Mehrwert für die Deutsche Telekom und die Startups im Vordergrund steht, ist die Anteilshöhe zweitrangig.

Wir sagen üblicherweise, dass wir in späteren Unternehmensphasen mindestens fünf Prozent der Anteile erwerben, damit wir unsere strategischen Interessen über mindestens ein Aufsichtsrats- beziehungsweise Beisitzermandat wahrnehmen können. Wir können bis maximal 49 Prozent der Anteile an einem Startup halten, schöpfen diese Beteiligungsgrenze aber selten aus, weil wir es bevorzugen, mit anderen operativ und strategisch hilfreichen Investoren zusammenzuarbeiten. Außerdem sollte auch das Gründer- und Managementteam ausreichend Anteile halten.

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

In einem Corporate-Venture-Umfeld sind klassische Carry-Modelle nur schwer abbildbar. Wir haben aber andere ebenbürtige Kompensationsmechanismen, die dafür sorgen, dass wir für erfolgreiche Exits unserer Beteiligungen hart arbeiten und uns für Kooperationen zwischen der Deutschen Telekom und unseren Startups einsetzen.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Die Zusammenarbeit mit phantastischen Unternehmern und unglaublich engagierten Teams in einem höchst innovativen Umfeld.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung?

Das schlimmste Erlebnis war im Rahmen einer gescheiterten (eher VC-untypischen) Beteiligung an einem Joint-Venture, bei dem wir das Geschäftsmodell unseres asiatischen Partners in Europa etablieren wollten. Nach anderthalb Jahren musste ich vor das gesamte Team treten und erklären, dass wir nicht weiterfinanzieren können. Grund des Scheiterns waren weniger Managementfehler als vielmehr das Eingeständnis, dass das Geschäftsmodell hier nicht funktioniert. Entsprechend groß war die Enttäuschung, aber auch das Unverständnis des Teams, dass wir trotz ihres großartigen Engagements und der tollen Arbeit nicht weiter finanzieren konnten.

Eines der schönsten Erlebnisse war sicherlich die knapp zweijährige Begleitung der Entwicklung unserer Beteiligung KaufDa (www.kaufda.deGera). Die Zusammenarbeit mit dem sehr jungen und dennoch extrem reifen Gründerteam hat enormen Spaß gemacht. Zudem konnten wir unserer Rolle als strategischer Investor hier in besonderem Maße gerecht werden. Auch war es wunderbar, ein Gründerteam zu haben, das zwar sehr selbstständig war, aber dennoch bei anstehenden kritischen Entscheidungen offen den Dialog mit den Investoren gesucht hat. Der erfolgreiche Exit an Axel Springer und die weiterhin bestehende Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom waren dann das I-Tüpfelchen.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Beides ist gleich wichtig! Wobei ich statt von „Idee“ eher von „Alleinstellungsmerkmal“ reden würde: viele der neuen Geschäftsmodelle basieren nicht unbedingt auf neuen Ideen sondern vielmehr auf einer Kombination verschiedener – mehr oder weniger etablierter – Geschäftsmodellkomponenten.

Gibt es das ideale Gründerteam?

Neben sich ergänzenden Fähigkeiten, die das Team idealerweise mitbringen sollte, muss vor allem „die Chemie“ zwischen den handelnden Personen passen. Oft scheitern Startups, auch oder gerade weil sie als Team nicht funktionieren.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei Startups für Dich?

Wenn die Kriterien stimmen: Geschäftsmodell mit gutem Synergiepotential für die Deutsche Telekom, klares Alleinstellungsmerkmal gegenüber vermeintlichen Wettbewerbern, einfach über unserer Webseite eine Investmentanfrage starten. Alternativ nach dem passenden Fund schauen, bei T-Venture anrufen und sich mit einem Ansprechpartner des jeweiligen Funds verbinden lassen. Natürlich sind wir auch auf den üblichen Startup- und VC-Veranstaltungen vertreten. Einfach ansprechen – wir beißen nicht.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Das ist grundsätzlich abhängig von der Unternehmensphase. Meist legen wir jedoch zunächst Wert auf Wachstum, wobei aber ein Pfad zur späteren Monetarisierung und Erreichung der Profitabilität klar erkennbar sein muss.

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von Startups in Deutschland?

Zu unklar herausgearbeitete Geschäftsmodelle und Alleinstellungsmerkmale. Kurze Beta-Test-Phase, das heißt zu früher Launch der Produkte (in den USA verbleiben Startups meist sehr viel länger im sogenannten „Stealth Modus“). Schlechtes „Pivoting“, das heißt oft zu späte oder gar keine Reaktion, wenn das Geschäftsmodell geänderten (oder falsch eingeschätzten) Marktbedingungen angepasst werden muss.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Ja – leider ist das immer noch der Fall. Bezüglich Teams, Gründungsmentalität, Kreativität und auch Zugang zu Seed-Investment-Kapital haben wir bereits gewaltig gegenüber den USA aufgeholt. Was weiterhin fehlt, sind größere VC-Funds, die in späteren Runden den gestiegenen Kapitalbedarf der sich entwickelnden Startups erfüllen können. Auch bezüglich Exit-Märkten haben wir in Europa einen großen strukturellen Nachteil, der auch mittelfristig nicht gemildert werden kann, weil es uns im Gegensatz zu den USA an starken Käufern wie Google, Apple, Microsoft, und so weiter mangelt.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Schon seit längerem Context-Based-Services. Aber darüber hinaus alle neuen Geschäftsmodelle, die der Deutschen Telekom über Kooperationen zukünftig interessantes Neugeschäft bringen können.

Wie stehst Du zu Copycats?

Ich kann das Thema ehrlich gesagt nicht mehr hören. Aber wenn es dazu beiträgt, die Copycat-Diskussion endlich zu beenden, gebe auch ich meine Meinung offiziell zum Besten: Wir investieren in Firmen mit klarem Alleinstellungsmerkmal. Das sind üblicherweise keine Copycats. Aber wenn das Alleinstellungsmerkmal in einem herausragenden Team begründet liegt, dem wir die Umsetzung des (Copycat-)Modells mit gegebenenfalls notwendigen Anpassungen (Stichwort „Execution“) zutrauen, dann würden wir auch in „Copycats“ investieren.

Auf welchen Startup-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Wir sind in der Regel bei allen gängigen Startup- und VC-Veranstaltungen präsent. Auch in den USA haben wir vier Mitarbeiter, die von Seattle und San Francisco aus ihrer Tätigkeit nachgehen und die entsprechenden Events besuchen. Wir beobachten natürlich alle Medien, die wie Gründerszene über unsere Beteiligungen berichten und sich mit den für uns spannenden Themen auseinandersetzen.