Wimdu, Arne Bleckwenn, Interview

Die Online-Plattform für Privatunterkünfte Wimdu (www.wimdu.com) erhielt unlängst eine Finanzierungsrunde von 90 Millionen US-Dollar, wuchs in zwei Monaten auf 400 Mitarbeiter an und rüstet sich für den Wettlauf mit den Konkurrenten Airbnb (www.airbnb.com) und 9flats (www.9flats.com). Im Interview mit Gründerszene erzählt Wimdu-Gründer Arne Bleckwenn wie er die Konkurrenz sieht, was das Samwer-Startup mit dem Kapital plant und wie man bei dem schnellen Wachstum die Qualitätsstandards hält.

Hallo Arne, beschreib doch bitte mal allen, die noch nichts Wimdu gehört haben, was genau Wimdu macht.

Wimdu ist Europas größte Reiseplattform für Privatunterkünfte. Getreu dem Motto “travel like a local” finden alle, die auch im Urlaub lieber individuell wohnen möchten, über den Marktplatz www.wimdu.de eine große Auswahl von über 15.000 vielfältigen Übernachtungsmöglichkeiten in über 50 Ländern. Um andere an den eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen, kann man im Profil der Gastgeber und Reisenden Kommentare, Tipps und andere Hinweise hinterlassen. Anbieter haben die Möglichkeit, eine Unterkunft einzutragen und Reservierungsanfragen von der Wimdu-Traveller-Community zu erhalten. Innerhalb von 24 Stunden sollte die Anfrage angenommen oder abgelehnt werden. Die Mieteinnahmen verwaltet Wimdu als Treuhänder und überweist sie nach der ersten Übernachtung.

Wie internationalisiert ihr das Konzept? Bisher heißt es, ihr habt Airizu als Marke für den asiatischen Markt und Wimdu für Europa und die USA – Wird es dort auf Dauer eine Zusammenführung geben?

Wimdu ist eine globale Marke, mit der wir weltweit agieren und unter anderem auch in Asien und Lateinamerika sehr stark präsent sind. Airizu konzentriert sich zum momentanen Zeitpunkt auf China. Eine Zusammenführung der Marken ist bisher nicht geplant.

Mit 90 Millionen US-Dollar Funding seid ihr bisher eines der bestfinanzierten Samwer-Startups. Was wird mit dieser Menge an Kapital geschehen?

Wimdu ist bereits nach wenigen Monaten die zweitgrößte Plattform weltweit für Privatunterkünfte. Dieses Potential möchten wir nutzen und uns mit dem Engagement unseres schnell wachsenden Teams in dem spannenden Umfeld noch weiter etablieren. Mithilfe der Finanzierungsrunde sind wir in der Lage über 400 Mitarbeiter in mehreren Ländern zu beschäftigen. Neben Investitionen in das Produkt und in Marketing hat dabei die Internationalisierung die höchste Priorität für uns. Darüber hinaus ist der mobile Markt sehr spannend und wir sehen große Potentiale in der Entwicklung unserer Smartphone-App.

Wer kommt bei solch einer umfangreichen Finanzierung eigentlich noch als Exitkanal in Frage?

Momentan denken wir nicht über Exitmöglichkeiten nach. Unser Ziel ist es, Wimdu als unabhängiges und nachhaltiges Unternehmen zum weltweiten Marktführer im Bereich privater Reiseunterkünfte aufzubauen.

Ihr seid in nur zwei Monaten auf 400 Mitarbeiter und 15 Büros gewachsen – wie funktioniert so etwas in der Praxis? Vermögt ihr es überhaupt noch, Qualitätsstandards aufrecht zu erhalten oder baut ihr erstmal Prozesse und sortiert dann entsprechend aus?

Dank dem sehr starken und internationalen Rocket Internet (www.rocket-internet.de) Netzwerk und unserem motivierten HR-Team konnten wir in kurzer Zeit sehr hohe Bewerberzahlen erreichen. Gleichzeitig konnten wir auf Erfahrungen bauen, um einen guten Auswahlprozess zu etablieren und ebenso schnell zu wachsen. Außerdem hatten wir glücklicherweise vier und nicht zwei Monate Zeit. In zwei Monaten hätten wir es wahrscheinlich nicht geschafft.

Beim Auswahlprozess legen wir wert darauf Mitarbeiter zu rekrutieren, die unternehmerisch denken und die von der Idee überzeugt sind. Mit vielen Mitarbeitern haben wir schon vorher einmal zusammengearbeitet. Young-Professionals und Experten, die wie wir sicher sind, dass der Markt noch lange nicht ausgeschöpft ist und die Spaß daran haben, mit uns Wimdu auf- und auszubauen. Wir versuchen, mit möglichst flachen Hierarchien zu arbeiten, wodurch die Prozesse nicht allzu komplex werden und das Team dynamisch bleibt. Jedes Team hat zudem einen erfahrenen Team-Leader, der alle Prozesse beobachtet und bei dem die Fäden zusammen laufen.

Mit welcher Strategie wollt ihr euer Vorbild und den derzeitigen Hauptkonkurrenten Airbnb einholen? Immerhin sind die ja schon drei Jahre länger am Markt.

Der Markt für die Vermietung von Privatunterkünften ist noch lange nicht gesättigt. Meistens kommt es nicht nur auf die Idee, sondern vor allem auf die Umsetzung an. Genau darin haben sowohl wir als Gründer als auch unsere Investoren bereits viele Erfahrungen gesammelt.

Wir setzen sehr stark auf unsere Mitarbeiter vor Ort und auf unsere aktive Wimdu-Community. Durch die starke internationale Präsenz sind wir nicht nur online für unsere Kunden da, sondern eben immer auch ganz nah an ihnen dran. Das bringt entscheidende Vorteile:
Die enge Zusammenarbeit mit unseren Vermietern schafft Vertrauen und ermöglicht uns ein hohes Maß an Qualitätskontrolle. Anderseits können unsere Kunden so sicher sein, dass sie das, was sie buchen, hinterher auch bekommen. Es ist uns sehr wichtig, dass sich sowohl die Hosts als auch die Gäste auf unser Angebot verlassen können.

Ein Großteil aller Reisenden denkt momentan ausschließlich an Hotels oder Hostels, wenn es um Unterkünfte geht. Dementsprechend ist das Potential enorm, die Vorteile von Wimdu weiter bekannt zu machen: das Reisen über Wimdu kann nicht nur günstiger sein als ein Hotel, sondern bietet darüber hinaus eine weitaus bessere und wertvollere Erfahrung. Die Reisenden lernen einen lokalen Gastgeber kennen und erhalten Informationen über die jeweilige Stadt, die sonst in keinem Reiseführer stehen. Möglicherweise entstehen sogar langfristige Freundschaften.

Dieses Potential können wir mithilfe von kreativen Marketingaktivitäten und den Aufbau von engen Beziehungen zu unseren Gästen und Gastgebern besser ausschöpfen als unsere Konkurrenz. Wir sind lokal und persönlich in unseren Märkten vertreten, unsere Kunden haben in jeder Sprache einen persönlichen Ansprechpartner.

Airbnb hat sich zuletzt ja in einem seiner Newsletter bitterböse über eine “Imposter-Webseite” beschwert, mit der sie wohl euch gemeint haben. Besagter Nachahmer würde sehr aggressive Marketing-Maßnahmen auffahren – Was ist da dran?

Diese Vorwürfe beziehen wir nicht auf uns. Wir versuchen täglich, unseren Kunden und Vermietern den besten Service zur Verfügung zu stellen und bedienen uns ausschließlich marktkonformer Maßnahmen. Mehr Wettbewerb ist gut für den gesamten Markt: mehr Auswahl für die Kunden und mehr Nachfrage für die Vermieter. Die positive Entwicklung von Wimdu und die Zufriedenheit unserer Endkunden und Vermieter bestätigen unseren Erfolg.

Wie sorgt ihr derzeit für die Bekanntmachung der Marke Wimdu/Airizu? Wie sieht euer Marketingplan aus?

Oftmals werden Reisende automatisch zu Anbietern. Manchmal werden die eigenen vier Wände schon während der Abwesenheit untervermietet. Wer auf Reisen über Wimdu eine schöne Unterkunft gefunden hat, findet oftmals Gefallen daran, auch anderen diese Möglichkeit des Reisens zu eröffnen und selbst etwas Geld dazu zu verdienen. Darüber hinaus legen wir viel Wert auf Social Media und nutzen natürlich auch die klassischen Online-Marketing-Kanäle.

Wo verortet ihr euch im Dreierkampf Airbnb, 9Flats, Wimdu? Welchen Konkurrenten fürchtet ihr am meisten und wie seht ihr die gegenseitigen Stärken verteilt?

Airbnb ist aufgrund seines deutlichen Zeitvorteils sicher unser Hauptkonkurrent, dennoch fürchten wir ihn nicht. Während Airbnb mehrere Jahre Zeit hatten, das Produkt auszubauen und zu entwickeln, haben wir in nur vier Monaten eine kompetitive Plattform kreiert.

Wir sehen unsere Stärken darin uns den lokalen Gegebenheiten in den unterschiedlichen Ländern zu stellen und kulturabhängig das beste Angebot für unsere Kunden zu finden. Wir haben ein großartiges internationales Team, eine äußerst solide finanzielle Grundlage für die weitere Expansion und den Ausbau unseres Produktes sowie eine stark wachsende, begeisterte Nutzergemeinde. Unter diesen Voraussetzungen sehen wir uns bestens gewappnet.

Arne, danke für das Gespräch.

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