wrapp

Wrapp ist das aus Schweden stammende Social-Gifting-Vorbild des samwerschen DropGifts (www.dropgifts.de). Erst gestern gab das Rocket-Internet-Unternehmen eine siebenstellige Finanzierung durch T-Venture bekannt. Wrapp hingegen punktet vorallem mit Innovationen und großen Namen wie dem Skype-Gründer Niklas Zennström, LinkedIn-Gründer Reid Hoffman oder Ex-H&M-CEO Fabian Månsson. Gründer und CEO Hjalmar Windbladh im Interview.

Hallo Hjalmar, stelle dich bitte kurz vor.

Ich bin ein Unternehmensgründer aus Schweden. Mein aktuelles Projekt ist Wrapp (www.wrapp.de).

Ich habe schon einige Firmen gegründet – aber meinen ersten großen Erfolg hatte ich 1994 als ich Sendit, das erste mobile Internet-Unternehmen, mitgründete und dort CEO war. Wir sind irgendwann mit Sendit in Schweden an die Börse gegangen und dann hat uns Microsoft 1999 gekauft.

“Ich habe Microsoft verlassen und bin mit meiner Familie um die Welt gesegelt – das war das Beste, was ich jemals getan habe.”

Nachdem ich ein Jahr lang zwischen Stockholm und Redmond gependelt bin, habe ich Microsoft verlassen, meine Familie genommen und bin mit ihr um die Welt gesegelt – das war das Beste, was ich jemals getan habe.

Danach habe ich eine Weile als Berater gearbeitet. 2005 war ich dann bereit, etwas Neues auf die Beine zu stellen und habe Rebtel mitgegründet. Heute ist Rebtel die weltweit größte unabhängige VoIP Firma für Mobiltelefonie. Bis vor etwas mehr als einem Jahr war ich dort CEO und bin bis heute Vorstandsmitglied. Rebtel geht es sehr gut – ein profitables Unternehmen.

Neben Wrapp bin ich Berater bei EQT Partners und Creandum, einem Venture-Capital-Unternehmen. Zudem bin ich im Vorstand bei Springer Science+Business Media und engagiere mich als “Angel Investor” für Epidemic Sound, ein Musik-Bibliothek-Service für Radiosender und für iZettle, ein Bezahlsystem über das iPhones und iPads zu einer mobilen Station für Kreditkarten-Abrechnungssysteme werden können.

Bevor wir zu deinem jetzigen Projekt Wrapp kommen: Wie kommt es, dass Schweden derzeit so viele erfolgreiche Startups produziert?

Ich bin natürlich befangen. Stockholm ist meine Heimat. Aber ich denke schon, dass Stockholm ganz vorn dabei ist, wenn es um innovative Startup-Ideen geht.

“Schweden ist klein, aber wir sehen es als idealen Test-Markt an.”

Es hat sich ein guter Kreis an Unternehmen etabliert. Wir kennen uns und arbeiten zum Teil schon lange zusammen. Schweden ist klein, aber wir sehen es als idealen Test-Markt an, bevor Unternehmen sich entscheiden, andere Märkte zu erschließen. Schweden sind offen für technische Innovationen und haben eine große Freude daran, neue Dinge auszuprobieren.

Generell ist die Tech-Community in Stockholm eng miteinander verknüpft und unterstützt sich gegenseitig. Wir kennen uns untereinander – natürlich ist es nicht annähernd so groß wie das Silicon Valley, in dem so viele verschiedenen Akteure tätig sind, dass es einfach Zeit benötigt, um sich kennenzulernen und ein Teil davon zu werden. Außerdem ist das, was wir hier haben sehr lebendig – wie du selbst festgestellt hast.

Ihr arbeitet mit Reid Hoffman (Gründer Linkedin) und Niklas Zennström (Gründer Skype) zusammen. Wie kam es dazu?

Niklas kenne ich schon lange. Wir sind alte Freunde. Als ich ihm von der Wrapp-Idee erzählte, war er sehr daran interessiert, sich zu beteiligen – und das nicht nur als Investor, sondern auch als aktives Mitglied im Vorstand.

Reid habe ich im Silicon Valley kennengelernt – in den Anfangszeiten von Rebtel.

Damals war er mitten in seiner Arbeit für Linkedin und konnte sich nicht an Rebtel beteiligen. Aber er sagte damals zu mir, dass er bei meiner nächsten Unternehmung dabei wäre – egal, was es für eine sei. Reid hat sich sehr viel Zeit für uns genommen als wir damit begonnen haben Wrapp zu gründen. Er hat uns beraten und mit uns am Konzept und am Modell von Wrapp geschraubt. Als wir dann erste Investorengespräche führten, hat er Greylock ins Spiel gebracht.

Es ist unglaublich toll mit Niklas und Reid zusammen zu arbeiten und von ihren Erfahrungen und guten Ideen zu profitieren – und das auf eine unkomplizierte Art und Weise.

Erkläre bitte was mit Wrapp momentan und in Zukunft möglich sein wird.

Für Konsumenten ist Wrapp eine “Social-Gifting-App”, mit der sich Facebook-Freunde untereinander kostenlose und bezahlte Geschenkkarten schicken können.

Für Händler ist Wrapp eine geniale Friend-to-Friend-Marketing-Plattform, die Performance-basiert zur Kundenbindung und Akquise genutzt werden kann.

Aktuell weist Wrapp seine Nutzer auf Geburtstage von Facebook-Freunden hin, in Zukunft werden wir auch andere Ereignisse einbetten, um Nutzern Anregungen zu geben, wann sie ihren Freunden eine Geschenkkarte zukommen lassen können. Natürlich kann man selbst Anlässe kreieren, zu denen man seinen Facebook-Freunden etwas schenkt.

Unsere Partner können über uns ihre Zielgruppe nach Geschlecht, Alter und Ort auswählen. Je nachdem, welche Möglichkeiten Facebook Entwicklern zukünftig zur Verfügung stellen wird, werden wir natürlich auch diese berücksichtigen.

Außerdem möchten wir, dass unsere Nutzer in naher Zukunft Wrapp auch über andere soziale Netzwerke verwenden können.

“Wrapp ist 100 Prozent Performance-basiert.”

Was müssen Wrapp-Partner für euren Service zahlen?

Wrapp ist 100 Prozent Performance-basiert. Konkret bedeutet das, dass die Händler an Wrapp einen geringen prozentualen Anteil der eingelösten Geschenkkarten zahlen.

Bevor die Geschenkkarte eingelöst wird, sorgt Wrapp jedoch schon dafür, dass die Partner über den viralen Effekt des Friend-to-Friend Marketings Aufmerksamkeit für ihre Marke erhalten. Die Marke wird prominent dargestellt, wird Teil der Kommunikation auf Facebook und hat nicht den störenden Effekt, den Werbung haben kann.

Seit unserem Start Mitte November haben 325.000 aktive Wrapp-Nutzer ihren Facebook-Freunden mehr als 2,3 Millionen Geschenkkarten zukommen lassen. Ungefähr 80% der Karten wurden auf den Facebook Walls gepostet und ergaben, laut Facebook Statistiken, ccirca 91 Millionen Brand Impressions der Partner. All das bekommen die Partner quasi geschenkt. Erst, wenn die Geschenkkarten eingelöst werden, kostet es den Partner. Wir hören jedoch, dass die Beschenkten, die ihre Geschenkkarte einlösen, den vier- bis sechsfachen Wert der Geschenkkarte einlösen.

Wrapp ist Performance-basiert. Profitiert ihr dennoch von nichteingelösten Gutscheinen? Laut eurer eigenen Studie wäre das zumindest vorteilhaft, da innerhalb des ersten Monats nach Ausstellung gerade einmal zehn Prozent der Gutscheine tatsächlich eingelöst werden.

Die meisten Geschenkkarten können nur in einem bestimmten Zeitraum eingelöst werden – in der Regel sind sie 90 Tage gültig. Wenn der Empfänger seine Karte nicht einlöst, geht die Karte zurück in das System. Die Geschenkkarte gehört unserem Partner, nicht uns. Wir werden erst bezahlt, wenn die Karte eingelöst wird – sprich, wenn Geld fließt.

Die bezahlten Geschenkkarten unterliegen den nationalen Gesetzen – in den USA den Gesetzten der einzelnen Staaten. Generell gibt es keine Gültigkeitsfrist. Aber ganz gleich ob sie verfällt oder nicht: Wir bekommen unseren Anteil erst, wenn die Karte eingelöst wurde.

Werdet ihr in Zukunft auch verstärkt kostenlose Geschenkkarten anbieten?

Bisher haben nur einige Partner kostenlose Geschenkkarten für reale Dinge zur Verfügung gestellt. In Schweden hat zum Beispiel McDonalds Wrapp genutzt, um seinen McWrap vorzustellen – ein gesundes, kalorienarmes Produkt.

McDonalds entschied sich für die Zielgruppe Frauen ab 25 und stellte Wrapp-Usern Geschenkkarten über einen McWrap für diese Zielgruppe zur Verfügung. Die Kampagne war so erfolgreich im Hinblick auf Aufmerksamkeit, Erstkäufe und Zusatzverkäufe (zusätzlich zu den kostenlosen McWraps), dass die Kampagne nach zwei Wochen fortgesetzt und erweitert wurde auf Frauen und Männer jeden Alters.

Ein anderes Beispiel aus den USA: Das Wall Street Journal hat Wrapp Nutzern Geschenkkarten zur Verfügung gestellt, mit denen man für einen Monat kostenlos die digitale Version der Zeitung sowie eine Ausgabe der Samstags-Zeitung frei Haus erhalten hat.

Wir wollen aber keine E-Commerce Plattform, wie Amazon oder Karma, werden. Wrapp ist eine Friend-to-Friend Marketing-Plattform, die Händler im Hinblick auf Performance-basierte Kundenakquisition und Kundenbindung nutzen können. Und diese Richtung werden wir fortsetzen.

“Wrapp ist ursprünglich für den stationären Handel entwickelt worden.”

Eure Gutscheine sind auch in Offline-Filialen einlösbar. Was ist der Hintergrund hierfür?

Wrapp ist ursprünglich für den stationären Handel entwickelt worden  – mit der Idee, neue Wege aufzuzeigen, Kunden in die Läden zu bekommen.

E-Commerce jedoch wächst nach wie vor und obwohl die meisten innovativen Marketing-Ideen der letzten Jahre für den Online-Handel entwickelt wurden, wird noch immer 90% des Umsatzes im stationären Handel generiert.

Wir wollten ein Tool, das Händlern die Möglichkeit gibt, Dinge nachzuvollziehen und Konsumenten Spaß macht.

Inzwischen sehen wir auch Online-Marken als relevant für Wrapp an. Der Großteil unserer Partner jedoch bewegt sich im stationären Handel oder betreibt Multi-Channel-Geschäfte.

Ihr seid gerade in Deutschland gelauncht. Wie seid ihr hier aufgestellt?

Weltweit haben wir über 50 Angestellte. In Deutschland arbeitet ein Country Manager mit zwei Mitarbeitern für Wrapp. Das Team ist verantwortlich dafür, die Partnerschaften mit den Händlern auf den Weg zu bringen und mit ihnen zu arbeiten, sie im täglichen Geschäft zu unterstützen und Anregungen für Kampagnen-Ideen zu liefern.

Das Team in Deutschland arbeitet eng mit mir und Fabian Månsson, dem ehemaligen CEO von H&M, zusammen. Unser technisches Team und das Marketing arbeiten von Stockholm und den USA aus.

Deutschland eingeschlossen, agiert Wrapp jetzt in sieben Ländern. Darunter USA, UK, Schweden, Finnland, Norwegen und Holland. Und wir haben weitere Büros eröffnet und weitere elf sollen noch in 2012 folgen, darunter in Frankreich, Italien, Irland, Dänemark, Polen, Türkei, Japan, Taiwan, Australien, Canada und Brasilien.