Ist Cloud-Computing wirklich umweltfreundlich? Die unter das Dach des “Energy Star” Programms der EPA fallenden Richtlinien werden Rechenzentren ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem diese ihre Effizienz auf einer Skala von eins bis 100 messen können. Ab einem Rating von mehr als 75 erfolgt die Zertifizierung mit einem Energy Star.

Vergleichbar mit der EU-Richtlinie über das Energieprofil von Gebäuden und den Verhaltensregeln zur Energieeffizienz von Rechenzentren jüngeren Datums, besteht das Ziel aller Anleitung darin, “Rechenzentrumsbetreiber zu informieren und dazu anzuregen, den Energieverbrauch auf wirtschaftliche Weise zu senken, ohne die entscheidenden Funktionen (der Rechenzentren) zu beeinträchtigen.”

Andere Normen für die Gestaltung und Errichtung von Rechenzentren wie zum Beispiel die Methode zur Umweltverträglichkeitsprüfung des Building-Research-Establishment (BREEAM) für Rechenzentren und das EU-Umweltzeichen ergänzen den Energy Star als eine Möglichkeit, mit der Verbraucher wie Rechenzentrumsbetreiber für die jeweilige Hardware sicherstellen können, dass sie Geräte mit der größtmöglichen Energieeffizienz erwerben.

Problematik von Rechenzentren

“In der Vergangenheit wurden Rechenzentren mit großen Toleranzen für Kapazitätsänderungen und Veränderungen der betrieblichen Abläufe konzipiert. Viele von ihnen arbeiten heute auf der Basis extrem veralteter Designkonzepte. Diese Faktoren haben Ineffizienzen beim Energieverbrauch zur Folge. In den meisten Fällen gelangt nur ein kleiner Teil des vom Rechenzentrum verbrauchten Stroms tatsächlich zu den IT-Systemen” (Verhaltensregeln).

Bei der Energy Star Zertifizierung wird eine Variante aus der Berechnung der Effizienz des Energieeinsatzes (PUE) und des USV-Outputs zur Ermittlung der Rechenzentrumseinstufung zur Anwendung kommen. Mit dem PUE-Wert wird die Energiemenge gemessen, die ein Rechenzentrum verbraucht, geteilt durch die unmittelbar zur Datenverarbeitung genutzte Energiemenge. Das Ergebnis ist ein Energieeffizienz-Faktor der die von Prozessgeräten genutzte Energie jener gegenüberstellt, die von unterstützenden Einrichtungen wie USV oder Klimaanlagen genutzt wird.

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Wie bei jeder neuen Norm wird damit gerechnet, dass es Klagen wegen ungerechtfertigter Verallgemeinerungen und Forderungen nach Kompromissen geben wird. Wenn jedoch die Rechenzentrumsbranche tatsächlich annähernd zwei Prozent der Energie in Europa verbraucht, wie in der Untersuchung der Energierichtlinien für Rechenzentren durch das Green Grid festgestellt, dann erzeugen die europäischen Rechenzentren so viele Schadstoffe wie die Luftfahrtindustrie – ein inakzeptabler Zustand.

Server in herkömmlichen Rechenzentren laufen oft mit einem Nutzungsgrad zwischen zehn und 15 Prozent. Insbesondere Branchen mit saison- oder ereignisabhängigem Geschäft und Anwendungen benötigen die volle Kapazität, für die sie ausgelegt sind, nur zu wenigen Zeitpunkten während des gesamten Jahres. Im Ergebnis hat das oft eine erhebliche Verschwendung von Ressourcen in Rechenzentren durch den Einkauf und Betrieb von redundanter Hardware, Speicher, Netzwerkgeräten und Stromaggregaten zur Folge.

Unternehmen müssen heute überschüssige Verarbeitungs- und Speicherkapazitäten vorhalten, um sowohl saisonaler bzw. ereignisabhängiger Nachfrage zu begegnen als auch Anforderungen an Datensicherheit und Notfallkonzepte zu erfüllen. Nimmt man zu diesem Mix die finanziellen Zwänge einer angespannten Wirtschaft mit besonderem Augenmerk auf den Betriebs- und Investitionskosten hinzu, so sehen sich die Unternehmen gezwungen, sich Strategien zur Verringerung der Rechenzentrumsbetriebskosten zu überlegen.

Welchen Beitrag leisten Outsourcing und Cloud-Computing zur Green-ICT?

Cloud-Computing mit dem Zugang zu von Fremdanbietern wie ScaleUp Technologies gehosteter Rechenleistung und Speicherkapazität verringert oder beseitigt gar das Erfordernis physischer Server in Ihrem Rechenzentrum – eventuell macht es sogar den Betrieb eines unternehmenseigenen Rechenzentrums gänzlich überflüssig.

Anbieter von Cloud-Dienstleistungen bauen ihre Rechenzentren unter Verwendung neuester Technologien hinsichtlich Hardware, Rechenzentrumsdesign und Rechner-/Speicherkapazitätsmanagement auf und befreien das Unternehmen von der Last und den Kosten, eigene Einrichtungen zu betreiben.

Anschließend bietet ein Cloud-Anbieter Rechen- und Speicherkapazität nach Bedarf an, zugeschnitten auf die bestehenden Anforderungen ebenso wie zur Abdeckung von Verarbeitungsspitzen und zukünftigem geschäftlichen Wachstum. Die von mehreren Kunden gemeinsam genutzten Ressourcen werden bei Bedarf um weitere physikalische Server ergänzt – entweder an einem einzelnen Standort oder an mehreren miteinander verbundenen Standorten. So wird die Verarbeitungsleistung in größeren, energieeffizienteren Datenverarbeitungspools zusammengefasst. Wenn die Server in den Rechenzentren unter Verwendung von Virtualisierungstechniken über die gesamte Infrastruktur hinweg mit einer CPU-Nutzung von über 85 Prozent laufen, dann hat das einen sehr viel günstigeren PUE-Wert zur Folge. Ein günstiger PUE-Wert führt zu besserer Energieeffizienz und ist damit “Green”.

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Gleich ob ein Unternehmen lediglich auf On-Demand-Infrastruktur- und Plattformressourcen zugreift oder die Vorteile nutzt, die sich aus dem Outsourcing seiner Applikationen (über Software-as-a-Service-Anbieter (SaaS)) ergeben – das Ergebnis ist neben der Kostenreduzierung durch die mögliche Abschaffung physikalischer unternehmenseigener RZ-Infrastrukturen ein besseres wirtschaftliches Modell für das Unternehmen.

Ein Rechenzentrum weniger bedeutet eine potentielle Quelle ineffizienter Energienutzung weniger und damit einen Verbraucher von CO2-lastigem Strom weniger – ein gutes wirtschaftliches und umweltfreundliches Resultat sowohl für die Wirtschaft als auch für die Gesellschaft.

Über den Autor:

John Savageau, ein langjähriger Experte im Rechenzentrumsumfeld, begleitet ScaleUp Technologies, um neue Ideen und Ansichten zur Branche mit der Cloud-Computing- und IT-Community zu teilen.

Bildmaterial: hotblack

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