Cloud, Cloud-Computing, Betriebsplattform, Cloud-Tool, Aspekte Cloud Computing, Tom Peruzzi, Server, Serverkapazitäten

Es ist ja schon fast verpönt über die Cloud zu schreiben. Daher die Idee, sich die Aspekte des Cloud-Ansatzes für die unterschiedliche Nutzung genauer anzusehen. In der Tat sind die letzten Nachrichten über Cloud Computing, Ausfälle, gesetzliche Möglichkeiten und Co. nicht berauschend. Es wird immer deutlicher, dass die Cloud nur gewinnen kann, wenn alle Aspekte von Cloud Computing betrachtet, verstanden und im eigenen Betriebsrahmen integriert werden. Wofür ist die Cloud gut? Generell kann man von fünf Aspekten ausgehen, die für Entwicklung und Betrieb in einer Cloud wichtig sind.

1. Die Cloud als Betriebsplattform

Betrachtet man die Cloud als andere Darstellung von ehemals physikalischen Instanzen (Servern, „Blech“) so stellt sich klar die Frage, wie man für die Cloud die Verantwortlichkeiten, durchgängige Prozesse, Datenhaltung und Backup regelt. Insbesondere die Planung von Kapazitäten, Verfügbarkeit und Sicherheit ist sicher zu stellen. Die Beispiele verschiedener Hersteller haben zuletzt klar gezeigt, dass auch Management of Scale nicht vor Fehlern und Ausfällen schützt, die Auswirkungen dann aber oft ungleich größer sind.

Wichtig ist auch zu betrachten, dass Funktionen wie Auto-Scaling nicht vor Kapazitätsplanung schützen und das Vendor-Lockin also die Abhängigkeit zum jeweiligen Hersteller nur erhöhen. Komfort versus Bindung ist hier das Stichwort. Auch wenn scheinbar unendliches Scaling hier durchaus reizvoll klingt, ist gerade in Bezug auf Wachstum mit Sorgfalt und ausreichend Planung zu antworten. Kurzum: Cloud ja, aber erst denken, dann planen, dann Kreditkarte durchziehen!

2. Die Cloud als Tool in der Projekt-Management-Box

Anzeige
Betrachtet man die Cloud als unendliche Ressource so stellt sich die Frage, wie sich durch den Einsatz von Adhoc-Ressourcen nicht nur die Plattform ändert, sondern auch das Verhalten der Nutzung. Wenn Ressourcen einfach „da“ sind, muss das Verhalten durch Prozesse, Kultur zur Nutzung gestaltet werden. Da verhalten sich Cloud-Ressourcen wie die Gratis-Schokobox, was da ist wird gegesssen und das schneller als man denkt.

Daher ist auch hier unbedingt darauf zu achten, dass die Ressourcen im ausgewogenen Maße verwendet werden, dass Projekte abgeschlossen werden, der Code sauber und zentral verwaltet wird und Instanzen nur laufen, wenn sie laufen müssen. Oft ist nicht klar, wer wann und warum welche Ressource aktiviert hat, die Kosten laufen hoch und keiner war es. Cloud Computing ist echt gut wenn es um Prototyping,  schnelle Prozesse und die Unterstützung agiler Methoden geht.

3. Die Cloud als Ersatz der eigenen Infrastruktur

Nun die Frage nach „make or buy or cloud“. Die Cloud bietet vorübergehend sehr interessante Kostenvorteile, über lange Zeit können sich aber Nachteile ergeben. Darauf regieren viele Anbieter indem sie „work arounds“ anbieten. Als kleines Startup mit limitierten finanziellen Mitteln ist der Cost-only-Ansatz der Cloud perfekt, „pay what you use“ ist ideal als Mittel für kurzfristigen Ressourcen-Aufwand. Die Frage nach „make or buy or cloud“ stellt sich daher oft gar nicht.

Der Einsatz eigener Hardware stellt meist keinen Wettbewerbsvorteil dar, ist langsamer und bindet auch kaufmännische Ressourcen über einen längeren Zeitraum. Wann aber kippt das System? Je besser das Unternehmen die Auslastung und den Traffic kennt, desto ungünstiger das finanzielle Verhältnis. Sprich: Je gleichmäßiger der Verbrauch desto weniger macht es Sinn Risikoaufschlag für kurzfristige Ressourcenveränderung zu zahlen. Langfristiger Traffic bedarf einer langfristiger Lösung.

Es könnte also Sinn machen, langfristige Auslastung über langfristige Verträge (traditionelles Modell) und kurzfristige Spitzen über Clouds (CLoud Bursting) abzufedern und durch den Mixed-Mode einen Kostenvorteil und Wettbewerbsvorteil zu generieren. Heutige Anbieter haben auf diese Modelle reagiert und bieten sowohl kurzfristige als auch langfristige Bindungsmodelle mit unterschiedlichen Kostensätzen.

4. Die Cloud als Innovationsmotor

Betrachtet man die Cloud als Möglichkeit in der Infrastruktur nahezu ohne Zutun „on the edge“ zu sein, so sind die Public-Cloud- oder PaaS-/SaaS-Angebote das Non-Plus-Ultra. Wo sonst partizipiert man automatisch an der Innovation der Plattform? Eine eigene Plattform betreiben heißt auch, eine eigene Plattform weiterzuentwickeln. Was im SW-Sinn Alltag ist, wird im Betrieb gerne übersehen und nach drei oder fünf Jahren gibt es mühsame Migrationen zu stemmen.

Stützt man sich auf Cloud-Offerings kann dies teilweise umgangen werden, alles was neu ist kommt automatisch und „on demand“ dazu. Da die Anbieter  kaufmännische Interessen haben, kann man davon ausgehen, dass die Offerings entsprechend sofort nutzbar sind. Die Frage die sich stellt ist also: Wieviel Innovation auf Plattform-Ebene brauche ich und wie bekomme ich diese kostengünstig. Immer dran denken: Die ersten Jahre sind schnell um und dann steht man vor einem interessanten Quasi-Monolithen der zerschlagen und weiterbetrieben werden muss, keine schöne Aufgabe.

5. Die Cloud als Sicherheitsrisiko

Anzeige
Der letzte Aspekt ist das eigene Betriebsrisiko beziehungsweise Abhängigkeits- und Sicherheitsrisiko. Glaubt man den Analytikern so hat sich Cloud durchgesetzt und wird das Standard-Betriebsmodell der kommenden Jahre. Eine Aggregation auf  wenige Anbieter hat bereits begonnen – damit steigt das Risiko. Vendor-Lock-Ins werden in der kommenden Zeit eher zu als abnehmen, wer außer dem Endanwender hat schon wirkliches Interesse an einfachem Betreiber-Wechsel und es lässt sich immer mit diversen Features und Besonderheiten erklären, warum der Wechsel sooo schwer ist. Durch das weitaus rasantere Wachstum des Anbieters im Verhältnis zur Unternehmsgröße verändert sich aber auch das Abhängigkeitsmodell. Während das Startup selbst immer abhängiger wird, wird der Anbieter immer unabhängiger vom Startup.

Fazit: Cloud Computing ist das Modell der Zukunft

All diese Aspekte könnte man in der Tiefe betrachten. Es bleibt die Faszination Cloud, es bleibt aber auch die Warnung, dass ein wenig mehr Kontrolle und Transparenz nicht schaden würden. Um Sicherheit muss man sich weiter selbst kümmern, auch die Verfügbarkeit und Kapazität werden einem trotz schier unendlicher Ressourcen nicht abgenommen. Es gibt also nicht nur Gewinner. Ist man sich der Gefahren bewusst, so ist Cloud Computing aber weit mehr als nur einen Blick wert. Cloud Computing ist das Modell der Zukunft für Enterpreneure.

Bild: Gerhard Martin  / pixelio.de